Mönchengladbach: Die Pläne für das neue Forum
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 23.09.2006Mönchengladbach (RPO). Kommende Woche fallen die ersten Entscheidungen zum geplanten Einkaufszentrum in der Innenstadt. Wir geben Antworten auf die zwölf wichtigsten Fragen.
Wer ist ECE?
Die Hamburger Gruppe gehört der Familie Otto, die deutschlandweit durch den Otto-Versandhandel bekannt wurde. ECE betreibt mehr als 80 Einkaufszentren in Deutschland, dazu kommen Häuser in Österreich und Tschechien. Das Unternehmen plant und baut die Einkaufsgalerien nicht nur, sondern betreibt sie anschließend auch. ECE genießt in der Szene einen exzellenten Ruf. Nach Meinung von Branchenkennern gibt es kein einziges ECE-Einkaufszentrum, das nicht funktioniert. Häufige Mieter sind H & M, Douglas, Tchibo, Saturn, Christ und Deichmann.
Was will ECE?
Die Gruppe möchte ein knapp 30 000 Quadratmeter großes Einkaufszentrum mitten in der Mönchengladbacher Innenstadt bauen. Auf knapp der Hälfte dieser Fläche sollen Bekleidung, Schuhe und Lederwaren verkauft werden (siehe rechte Tabelle). 4000 Quadratmeter sind für Elektronikhändler vorgesehen, weitere 3500 Quadratmeter für den Verkauf von Nahrungs- und Genussmitteln. Auch Möbel, Sportartikel und Bücher soll es im neuen Center zu kaufen geben.
Wie soll das Einkaufszentrum heißen?
Den Namen darf der Betreiber ECE festlegen. Nach Rücksprache mit der Stadt verständigte man sich auf „Forum Mönchengladbach“.
Wo soll das Forum stehen?
Der große Komplex wird die Shoppingmeile und das Gründerzeitviertel verbinden. Es hat eine große Front an der Hindenburgstraße und reicht über die Steinmetzstraße hinaus bis zu York- und Kleiststraße bzw. Croonsallee. Die Frage des Standorts war lange umstritten. Während ECE ursprünglich lieber weiter südlich am Berggarten zwischen Lüpertzender und Fliethstraße bauen wollte, drängte die Stadtverwaltung auf den Standort an der Hindenburgstraße. Darauf hat sich der Projektentwickler nun eingelassen.
Was sind die Vorteile des Standorts?
Die Stadt bekommt durch das neue Einkaufszentrum ein altes Problem gelöst: Das alte Stadttheater, seit vielen Jahren ein Schandfleck an zentraler Stelle, verschwindet. Durch die Nähe zur Hindenburgstraße steigt die Chance, Kunden aus dem Einkaufszentrum in die Innenstadt zu locken. Gleich vier unabhängige Gutachter raten aus unterschiedlichen Gründen zum Standort Stadttheater: der renommierte Professor Klaus Humpert aus städtebaulicher Sicht, die Ludwigsburger Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) aus Handelssicht, das Ingenieurbüro Stolz aus verkehrsplanerischer Sicht und der Landeskonservator Prof. Dr. Udo Mainzer aus denkmalpflegerischer Sicht.
Was sind die Nachteile des Standorts?
Um auf die von ECE geforderten knapp 30 000 Quadratmeter Verkaufsfläche zu kommen, muss die Steinmetzstraße überbaut werden. Das Einkaufsviertel und das Wohnquartier der Innenstadt zu verbinden, stellt hohe Anforderungen an die Architekten. ECE muss für das Bauen nicht nur der Stadt, sondern auch privaten Eigentümern Grundstücke abkaufen. Das macht die Verhandlungen komplexer. Unklar ist zudem noch, ob es gelingt, die Theatergalerie einzubinden. Die Verkehrsflüsse zu lenken, ist beim Standort Stadttheater schwieriger. Unter der Steinmetzstraße muss ein Tunnel gebaut werden, der bis zu zwölf Prozent Steigung haben wird.
Was gibt es dann nicht mehr?
Das Finanzamt an der Yorkstraße würde abgerissen. Es wird mit dem Rheydter Finanzamt zusammengelegt. Für beide wird im Nordpark neu gebaut. Abgerissen würde auch das alte Stadttheater. Nicht mehr möglich ist es, die Stepgesstraße bis zur Viersener Straße durchzufahren.
Welche Chancen bietet das der Stadt?
Im Idealfall wird das Forum Mönchengladbach einen großen Schritt nach vorne bringen. Viele Gladbacher, die zuletzt nach Düsseldorf oder Krefeld zum Einkaufen gefahren sind, lassen ihr Geld wieder in der eigenen Stadt. Dazu kommen Kunden aus den Nachbarstädten – so wie es früher schon einmal war. Von dem Ruf als Einkaufsstadt könnte Mönchengladbach auf anderer Ebene profitieren. Wer sich nach dem Einkaufen stärken muss, tut dies zum Beispiel in der Altstadt. Wie in Wuppertal könnte das ECE-Center dazu führen, der Gesamtstadt einen klaren Mittelpunkt zu geben. Durch das Abschneiden der Viersener Straße bekommt die Innenstadt endlich einen zentralen Platz. Angenehme Abfallprodukte des Forums am Standort Stadttheater: Der Nordpark wird durch die mehr als 500 Mitarbeiter des Finanzamts belebt. Die Stadtverwaltung käme in Rheydt mit zwei Gebäuden aus: dem Rathaus und dem jetzigen Finanzamt.
Welche Risiken gibt es?
Das Einkaufszentrum sorgt für eine Umverteilung des Umsatzes in der Stadt. Das werden in besonderem Maße die Rheydter zu spüren bekommen. Im Extremfall könnten den Rheydter Händlern bis zu 15,4 Millionen Euro, also mehr als zehn Prozent, ihrer jetzigen Einnahmen verloren gehen (siehe linke Tabelle). Einige Rheydter Geschäfte würden das wohl nicht überleben. Besonders gefährdet sind nach Meinung der Gutachter die Händler an der Hauptstraße. Die hoch verschuldete Stadt muss neue Kredite aufnehmen, um den Tunnel unter der Steinmetzstraße bauen zu können. Während der Berliner Platz leicht entlastet wird, entsteht an der unteren Bismarckstraße ein neues Verkehrsnadelöhr.
Welche Kosten hat die Stadt?
Die Verwaltung rechnet mit 8,15 Millionen Euro. Ausgaben von 14,5 Millionen Euro für den Tunnel, Straßenbau, neuen Ver- und Entsorgungsleitungen sowie für den Neubau des Platzes stehen Einnahmen von 3,85 Millionen Euro gegenüber, die ECE für die städtischen Grundstücke bezahlt. In die Bilanz einbezogen sind außerdem 2,5 Millionen Euro für das Grundstück des früheren Zentralbades, das anderweitig verkauft werden kann, wenn nicht an der Fliethstraße gebaut wird. Würde das Forum doch auf dem südlichen Standort gebaut, kämen auf die Stadt Kosten von 8,5 Millionen Euro zu.
Was sagen die Politiker?
Es zeichnet sich ab, dass CDU, SPD und FDP für den Bau des Forums an der Hindenburgstraße sind. Die FWG bevorzugt den Standort Berggarten. Die Grünen sind gegen ein Einkaufszentrum in dieser Größe.
Wie geht es weiter?
Am Montag diskutieren auf Einladung der Rheinischen Post Vertreter von ECE, Stadt Mönchengladbach, Einzelhandelsverband, Industrie- und Handelskammer, Hochschule und externe Gutachter über das neue Einkaufszentrum. Bei dieser Podiumsdiskussion werden auch erstmals die Fraktionsvorsitzenden der Ratsparteien ihre Positionen austauschen. Am Dienstag wird im Planungs- und Bauausschuss über das Projekt beraten. Dieses Gremium spricht eine Empfehlung an den Rat aus. Dieser entscheidet am 25. Oktober. Bekommt ECE dort grünes Licht für ihre Pläne, können sie beginnen, das Projekt zu realisieren. 2008 soll mit dem Bau begonnen werden, 2010 soll das Forum seine Tor öffnen.
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