Mönchengladbach: Die Stadt der Schuldner
VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 28.11.2007Mönchengladbach (RPO). Mönchengladbach gehört zu den drei Städten in Deutschland mit den meisten verschuldeten Privathaushalten. Die Gründe sind oft Arbeitslosigkeit und Scheidung. Das geht aus dem Schuldenkompass 2007 der Schufa hervor.
Als die Schuldenfalle zuschnappte, war Sandra W. gerade 23 Jahre alt: Die Mahnungen häuften sich in ihrer Post, viele Briefe öffnete sie erst gar nicht mehr. Sandra W. war erst arbeitslos geworden, dann bekam sie nur noch Hartz IV. Doch Versandhäuser, Mobiltelefon-Firmen und der Vermieter drängten auf Zahlung. Wie der jungen Frau geht es vielen Menschen in Mönchengladbach. Die Stadt liegt auf Platz drei der Städte mit den meisten verschuldeten Privathaushalten. Noch mehr Schuldner gibt es lediglich in Wilhelmshaven und Pirmasens. Das geht aus dem Schuldenkompass 2007 des Kreditbüros Schufa hervor, der gestern veröffentlicht wurde.
Nur kleiner Lichtblick
Im ersten Halbjahr 2007 hatte Mönchengladbach einen Privatschuldenindex (PVI) von 1696. Zum Vergleich: Die Stadt mit den wenigsten verschuldeten Haushalten in Deutschland, der Landkreis Ebersberg, hat einen PVI von 522. Die Schufa hat für die Ermittlung des PVI 400 Millionen Datensätze von 64 Millionen Menschen ausgewertet. Wichtige Faktoren waren dabei: unbezahlte Rechnungen, etwa für Handykosten und Versandhäuser, Zahlungsunfähigkeit und Privatinsolvenzen.
Als verschuldet gilt, wer seinen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Der Schuldenkompass bietet jedoch auch einen Lichtblick für die Vitusstadt: Für 2008 prognostiziert er einen PVI von „nur noch“ 1666. Damit wird Mönchengladbach sicher immer noch zu den Schlusslichtern gehören. Aber zumindest geht die Privatverschuldung in der Prognose ganz leicht zurück.
Für die Mönchengladbacher Schuldnerberater ist das schlechte Abschneiden nicht erstaunlich. In der Stadt beantragen immer mehr Privatpersonen Insolvenz: Im ersten Halbjahr 2007 waren es 357. Das sind doppelt so viele, wie noch vor zwei Jahren, so Karin Fuhrmann-Dally, Leiterin der Schuldnerberatung der Wohlfahrtsverbände.
Arbeitslosigkeit und Scheidung sind die häufigsten Gründe, die in die Schuldenfalle führen. Und auch in diesen Punkten hat Mönchengladbach überdurchschnittlich hohe Zahlen. Von den 36 000 Hartz-IV-Empfängern in der Stadt ist ein Drittel zusätzlich verschuldet. Mehr als ein Viertel aller Gladbacher Kinder wächst in Hartz-IV-Familien auf, Tendenz steigend.
Auch die Scheidungsrate liegt hoch: Mönchengladbach ist Spitzenreiter in der Region und widerspricht sogar dem landesweiten Trend. Lässt sich ein Ehepaar scheiden, können beide Partner durch Unterhaltszahlungen oder dem Notverkauf von Wohneigentum schnell in die roten Zahlen rutschen. Frauen sind oft betroffen, wenn der Mann bislang das Einkommen der Familie gesichert hat.
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