Kamphausener Höhe: Die Stadt der Siedler
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 05.09.2009Kamphausener Höhe (RPO). Wie ein Dorf städtisch wurde: Die Kamphausener Höhe in Odenkirchen ist seit der Bebauung durch zahlreiche Siedler eine gute Wohngegend. Früher prägten nichts als die Bauernhöfe diese Honschaft. Die sind noch immer da, einen Rest Idyll gibt es in dieser Stadt noch heute.
Man könnte meinen, seine Familie sei der Namensgeber dieser Honschaft. Nicht nur, dass er Joachim Kamphausen heißt, Landwirt ist und seinen Lenßenhof auf der Kamphausener Höhe betreibt. Zudem war seine Familie schon vor fast allen anderen Bewohnern der Odenkirchener Honschaft da. Doch er winkt ab: "Wir kommen aus Beckrath." Sein Lenßenhof war irgendwie immer schon da auf dieser Anhöhe. "Wir sind hier wie auf einer Alm", sagt Kamphausen, während er unter uralten Eichen seine Pferde tätschelt. Rundherum gab es jahrhunderte lang nur Acker, Wiesen und Felder. Doch das änderte sich, als die Siedler kamen.
Irgendwie noch ländlich
Im Jahr 1932 taten sich die ersten Häuslebauer zusammen, um das Odenkirchener Ödland in eine passable Wohngegend zu machen. Sie bauten elf Doppelhäuser auf Grundstücken, die riesig waren. Das sind heute die Häuser, die an der Straße Kamphausener Höhe stehen. "800 bis 1000 Quadratmeter hatte jede Familie", sagt Detlev Topüth, der heute der Vorsitzende der Siedler- und Interessengemeinschaft von 1932 ist. "Damals war ja alles arbeitslos. Deshalb haben unsere Vorfahren die Häuser hier alle mit Muskelkraft selbst gebaut", sagt Renate Pfeiffer. Jede Familie hatte eigene Hühner, Schweine, Kaninchen und einen Gemüsegarten. Und nebenan hütete ein Odenkirchener Landwirt die Kühe auf der Weide. Es war also irgendwie noch ländlich in Bauer Kamphausens Nachbarschaft. Damals gehörte die Kamphausener Höhe auch noch zu Jüchen, wo es in direkter Nachbarschaft noch das Dorf Kamphausen gibt. Seit der kommunalen Neuordnung 1975 gehört die Kamphausener Höhe allerdings zu Mönchengladbach.
Dass es sich in dieser Gegend offenbar ganz gut wohnen lässt, sprach sich schnell herum. Schon 1947 gründete sich eine zweite Siedlergemeinschaft. Es wurde weiter und weiter gebaut. Reihenhäuser der 50er und 60er Jahre, wie sie heute auf der Kamphausener Höhe noch buchstäblich reihenweise zu sehen sind. Kuhweiden gibt es nicht mehr, stattdessen eine situierte Wohngegend mit Kindergarten und der Kirche St. Michael im Zentrum. "Die Stadt ist immer näher gekommen", sagt Joachim Kamphausen und blickt über den Zaun seiner Pferdeweide auf einen Garagenhof. Ein paar Meter weiter steht der so genannte Eierberg, der mittlerweile auch bebaut ist. "Soweit ich weiß, ist das mit 35 Metern die höchste natürliche Erhebung in Rheydt", sagt Heinrich Kamphausen, Joachim Kamphausens Vater. Einst ließ er die Kinder auf seinem Hof Trekker fahren. Dazu gehört auch sein Sohn, der mit acht Jahren zum ersten Mal auf einem Trekker saß und das Gefährt auch prompt gegen die Wand setzte. "Ich hab' die Bremse nicht gefunden", sagt er.
Eine solche Verbundenheit ist an der Kamphausener Höhe noch vereinzelt zu finden. Die Siedler- und Interessengemeinschaft feiert jährlich ihr Sommerfest, im Herbst gibt's Martinsfest und Advenstkaffee, und am Lenßenhof gibt's das Hoffest. "Man muss das in Ehren halten", sagt Renate Pfeiffer. Eine Gemeinschaft wie früher, als die Odenkirchener zum Ernten auf die Felder kamen, gibt's heute aber nicht mehr. Heinrich Kamphausen weiß, warum: "Das ist viel zu groß geworden hier."
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