Mönchengladbach: Die Stadt im Ausnahmezustand
VON GABI PETERS UND ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 26.10.2009Mönchengladbach (RPO). So etwas hat es in der Stadt noch nicht gegeben: abgeriegelte Bahnhöfe, Alkoholverbot und Luftüberwachung. Der größte Polizeieinsatz in der Bundesliga-Geschichte hat dafür gesorgt, dass die Krawalle beim Derby ausblieben.
Das Konzept der Polizei ist aufgegangen: Beim rheinischen Derby ist es diesmal zu keinen großen Ausschreitungen gekommen. Drei Festnahmen, ein paar Flaschenwürfe, einige vor dem Spiel gezündete bengalische Feuer. Das war's.
Dabei wurde vorher das Schlimmste befürchtet. Mit "Back in Black" (Zurück in Schwarz) hatten gewaltbereite Fußball-Fans vor dem Spiel erneut zu einem Marsch durch die Mönchengladbacher Innenstadt aufgerufen. Hooligans beider Fan-Lager beschimpften sich gegenseitig mit Hass-Parolen. Und als Mönchengladbach das flächendeckende Alkoholverbot verkündete, folgten Kampfansagen, die mit A.C.A.B. gezeichnet wurden. Die Abkürzung steht für "All Cops are Bastards" (Alle Polizisten sind Bastarde).
Aufmärsche
Rund 700 Schwarzgekleidete waren laut Polizei dem Internetaufruf "Back in black" gefolgt.
Etwa 1200 Kölner Fans hatten sich gegen 9 Uhr in der Domstadt getroffen, wo sie laut Polizei in Gaststätten Alkohol in erheblichem Maße konsumierten.
Angesichts der Ausschreitungen in der Vergangenheit und den erneuten Drohungen reagierten Polizei und Stadt: Rund 2000 Ordnungshüter riegelten Bahnhöfe und Straßenzüge ab. Stundenlang kreisten Hubschrauber über der Stadt. Zwei Wasserwerfer standen bereit.
Tumulte bei Kontrollen
Rund 150 Hooligans durften gar nicht erst in die Stadt. Die Kölner Fans wurden schon am Bahnhof ihrer Heimatstadt durchsucht. Bei den Kontrollen kam es zu Tumulten, wie die Kölner Polizei mitteilte. Mehrere Leuchtraketen mussten sichergestellt werden. Nach Flaschenwürfen setzten die Beamten zeitweise Reizgas eins. 100 Beamte begleiteten dann die Fan-Züge. "Da herrschte teilweise schon eine aggressive Stimmung" sagte Stefan Beckmann, Sprecher der Bundespolizei.
In der Gladbacher Innenstadt verhinderte die Polizei einen Derbymarsch, indem sie mehrere hundert zumeist schwarz gekleidete Fans auf der Hindenburgstraße einkesselte und direkt in Shuttlebusse Richtung Stadion verfrachtete. Der geplante Marsch des Schwarzen Blocks zum Stadion fand zwar nicht statt. Die Fußgängerzone jedoch war für etwa eine halbe Stunde blockiert. "Beunruhigend und bedrohlich", empfand das Elmar Spancken, der auf Einkaufstour war. "Das ist wie im Kriegszustand.
Aber wenn es der Sicherheit dient, dann ist das gut." Händler ärgerten sich. "Das ist geschäftsschädigend", polterte Albrecht Graefer, Inhaber eines Modehauses. Viele Geschäfte hätten am Samstag im Prinzip auch ganz schließen können, meinte Stefan Wimmers vom City-Management. Angesichts des massiven Polizeieinsatzes seien viele Kunden wieder nach Hause gefahren. Wimmers: "Natürlich haben auch Händler Verständnis für so eine Maßnahme – wenn sie denn einmalig bleibt."
Auf dem Rheydter Bahnhof war die Stimmung bei den Kölner Fans weiterhin gereizt. Trotz etlicher Aufforderungen weigerte sich eine FC-Gruppe, in die Shuttlebusse einzusteigen. Als es anschließend zu Verspätungen kam, weil ein Bus einen Motorschaden hatte, gab es doch eine kurze Begegnung mit ein paar Gladbacher Fans. Leuchtraketen wurden gezündet. Eine Eskalation konnte die Polizei aber verhindern.
Probleme gab es mit dem Verkehr. Wie erwartet, war die Aachener Straße zwischenzeitlich völlig überlastet. Eine Dreiviertelstunde blieb sie gesperrt. Der Verkehr staute sich. Auf der Autobahn 61 war bis Wanlo alles dicht. So kamen einige Fußballfans zu spät ins Stadion.
Überall achtete die Polizei darauf, dass sich die harten Fanszenen aus Mönchengladbach und Köln gar nicht erst begegneten. Bekannte Szene-Treffs in der Stadt wurden streng bewacht. Im Stadion blieben einige Wege für die normalen Zuschauer gesperrt, weil durch sie die Risiko-Fan-Gruppen geschleust wurden. Auch das hatte zur Folge, dass der friedlichen Fußballanhänger oft lange Wege von den Parkplätzen bis zu ihren Sitzplätzen in Kauf nehmen mussten.
Trotzdem kam es am Fanhaus zu einem Zwischenfall. Als die ShuttleBusse mit den Kölner Fans an dem Gelände vorbeifuhren, wurden sie mit Getränkeflaschen beworfen. Die Polizei drängte eine Gruppe von etwa 70 Gladbachern mit Pfefferspray in die andere Ecke des Areals, zwei Jugendliche wurden vorübergehend in Gewahrsam genommen – zu direkten Zusammenstößen beider Fanlager kam es so nicht.
"Wir sind mit dem Einsatz zufrieden. Das ist alles sehr gut gelaufen", sagte Polizeisprecher Jürgen Lützen gestern. Auch das Alkoholverbot habe sich bewährt. "Fußballtypische alkoholbedingte Straftaten wie Sachbeschädigungen und Körperverletzungen sind so gut wie ausgeblieben", sagt er.
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