Mönchengladbach: Die Stadt soll leiser werden
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 25.04.2008Mönchengladbach (RPO). Mehr Tempo-30-Zonen, geänderte Verkehrsflüsse, geschützte Wohngebiete: In Mönchengladbach muss sich einiges ändern, denn die Stadt ist schlichtweg zu laut. Doch nicht überall können Lärmschutzwände gebaut werden.
Die Lärmkarte für Mönchengladbach ist rot, violett und blau – drei Farben, die eine Aussage haben: In der Stadt ist es zu laut. Rund 17 500 Bürger werden tagtäglich mit mehr als 70 Dezibel beschallt. Das ist ungefähr so, als würde man neben einen ständig laufenden Rasenmäher leben. Nach einem gerade herausgegebenen NRW-Runderlass darf das nicht sein. Die Stadt muss handeln, sagt das Land, das gerade die Zuschüsse für die Lärmschutzplanung strich.
Der Auslöser Die Lärmkartierung geht auf eine EU-Richtlinie aus dem Jahr 2002 zurück. Bis zur Umsetzung in nationales Recht dauerte es. Und als das geschafft war, fehlten die Anleitungen für die Berechnungen der Lärmpegel. Erst Mitte August konnte mit der Kartierung begonnen werden. Weil Mönchengladbach ein 800 bis 900 Kilometer langes Straßennetz hat, waren die Berechnungen sehr aufwändig. Die Stadt musste sich Hilfe von außen holen. Das kostete laut Jörg Clages, Leiter der Abteilung Verkehrsplanung, 80 000 Euro.
Die Ergebnisse Besonders laut ist es für die Anwohner der Hauptverkehrsstraßen. Dort werden die Bürger zum Teil auch nachts mit mehr als 70 Dezibel beschallt. Zu den stark belasteten Straße zählt zum Beispiel die Friedrich-Ebert-Straße. Wer dort wohnt, hat von vorne den Lärm von den vorbeifahrenden Autos und von hinten den vom Schienenverkehr. Wie viel die Bahn zum Pegel beiträgt, ist noch nicht bekannt. Bis heute wartet die Stadt auf die Lärmkartierung des Eisenbahnbundesamts. Das weitere Verfahren Sind die Ergebnisse der Bahn da, beginnt die Analyse. „Wo der Grenzwert überschritten ist, besteht nicht automatisch Handlungsbedarf“, sagt Clages. In Gewerbegebieten darf’s auch schon mal lauter sein. Wenn erhoben ist, wo wie viele Menschen vom Lärm betroffen sind, wird nach einem Prioritäten-Plan nach Lösungen gesucht.
Die Auswirkungen Nicht überall können Lärmschutzwände aufgebaut werden, aber es gibt städteplanerische Alternativen. Eine verbirgt sich hinter dem Wort Blockrandschließung. Ein Beispiel: Wenn an der Fliethstraße die Lücke auf dem Gelände des alten Zentralbades mit Bürogebäuden geschlossen wird, beruhigt man die Wohnhäuser an der dahinterliegenden Lüpertzender Straße. Das kann heißen, dass in Zukunft an befahrenen Durchgangsstraßen keine Wohnhäuser mehr entstehen. Es sei denn, die sensiblen Bereiche wie Schlaf- und Wohnzimmer werden in den hinteren Bereich verlegt.
Da die Stadt gerade dabei ist ein Verkehrskonzept zu erstellen, wird auch darüber nachgedacht, Verkehrsströme umzuleiten und mehr Tempo-30-Zonen einzurichten. Wolfgang Speen, Leiter der städtischen Pressestelle, kann den neuen Vorschriften trotz des Zeitdrucks Positives abgewinnen: „Sie kommen unserem Anliegen entgegen, für mehr Lebensqualität in der Stadt zu sorgen.“
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