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Mönchengladbach: Die Ställe von Schloss Wickrath

VON WILJO KRECHTING - zuletzt aktualisiert: 04.09.2010

Mönchengladbach (RPO). Seit 2002 befindet sich in einem Teil der Ställe von Schloss Wickrath die Zuchtstation "Rheinische" Pferdestammbuch". Pferde haben in Wickrath aber schon viel länger eine Rolle gespielt. Im anderen Teil der Gebäude ist der Nassauer Stall als Ausstellungsort und ein Restaurant im Stallmeisterhaus.

wickrath Eine aufwändige Pferdezucht war in vergangener Zeit stets Zeichen für Geld und Wohlstand. Und so verwundert es nicht, dass früher Schlösser und Gutshöfe über eigene Stallungen verfügten, die oft eine sehr gute Zucht hervorbrachten. Ein Beispiel sind die Lipizzaner, die aus dem Gestüt Lipica hervorgegangen sind, der ursprünglichen Zuchtstätte der ehemaligen Habsburger Monarchie.

Das Schloss Wickrath ist über die Grenzen Gladbachs bekannt, denn es beheimatet in einem Teil der ehemaligen Stallanlagen das Rheinische Pferdestammbuch, das im Jahr 2002 von Bonn nach Wickrath gezogen ist. Doch die Geschichte der Pferdezucht auf Schloss Wickrath beginnt viel früher.

Aber zunächst zum Schloss. Das Schloss Wickrath ist eine Wasserschloss-Anlage an der Niers mit allgemein zugänglicher Parkanlage. "Der Park ist der schönste Barockgarten nördlich der Alpen", sagt Axel Bieling vom Wickrather Heimatverein – nach seinem eigenen Empfinden, wie er mit einem Schmunzeln hinzufügt. Erhalten sind vom Schloss die barocken Vorburg-Flügel, die seit ihrer Anlage bis heute als Pferdestallungen genutzt werden, sowie das 1875 an der Stelle des ehemaligen Hauptgebäudes erbaute so genannte Landstallmeisterhaus, ein schlossartiges Wohngebäude für den damaligen Gestütsleiter.

Bis zur heutigen Form des Schlosses war es ein langer Weg durch die Geschichte. 1075 wurde die Herrschaft Wickrath zum ersten Mal erwähnt. Das Dorf Wickrath selbst bereits fast 100 Jahre früher, im Jahr 971. 1310 wurde die Herrschaft Wickrath ein Lehen der Grafschaft Geldern. Bis 1454 war die Familie von Broichhausen im Besitz der Herrschaft Wickrath.

1486 eroberte der Erzherzog und spätere Kaiser Maximilian I. das geldrische Lehen Wickrath. Kaiser Maximilian machte Wickrath wieder zur Reichsherrschaft und belehnte seinen Rat Heinrich von Hompesch mit dieser. Nach Heinrichs Tod erbten 1502 seine Stiefsöhne von Quadt, die Begründer der Familie Quadt-Wykradt, die Reichsherrschaft Wickrath. Ihre Residenz bauten die von Quadts 1746 bis 1772 im barocken Stil komplett neu auf und legten den barocken Park an. 1752 kauften sich die Quadts den Grafentitel für 20 000 Gulden. Zu dieser Zeit beherbergte die Schlossanlage einen Marstall mit zentraler Stallgasse und seitlichen Ständern für die Pferde. Im heutigen Sprachgebrauch wird der Begriff Marstall übrigens für Stallbauten in fürstlichen Residenzen gebraucht, die von der Frühen Neuzeit bis in das 19. Jahrhundert gebaut wurden.

1794 besetzten die Franzosen Wickrath, wie das gesamte linksrheinische Rheinland. Zum Ausgleich bekam Graf Otto Wilhelm von Quadt-Wykradt bei der Säkularisation 1803 die Reichsabtei Isny und die Reichsstadt Isny im Allgäu, die jedoch bei der Mediatisierung 1806 bereits beide an das Königreich Württemberg fielen. Während der französischen Herrschaft zeichnete sich bereits eine Konzentration der Nutzung des Gebäudes auf die Pferdezucht ab, denn die Franzosen nutzten die Ställe von Schloss Wickrath als staatliches Hengstdepot. Später diente das Schloss den Preußen als Kaserne für zwei Schwadronen Husaren. Ab 1839 wurde es das Rheinische Landgestüt.

Das Hauptgebäude des Schlosses wurde 1859 wegen Baufälligkeit komplett abgerissen und die Steine weitgehend verkauft. An seiner Stelle baute man 1875 das Landstallmeisterhaus für den Leiter des damaligen Gestüts. Ab 1876 wurde in Wickrath die Rheinisch-Deutsche Kaltblutzucht betrieben. 1957 wurde das Gestüt nach Warendorf verlegt und mit dem Westfälischen zum Nordrheinisch-Westfälischen Landgestüt vereinigt.

2002 entstand das Pferdezentrum Schloss Wickrath, als der Sitz des Rheinischen Pferdestammbuches von Bonn zum Schloss Wickrath verlegt wurde. Seitdem wird der Ostflügel wieder als Pferdestall genutzt. Gegenüber der Schlossanlage befinden sich ein Turnierplatz, ein Reitstall und eine neue Veranstaltungshalle. Es findet auch einmal im Jahr eine große Fohlenschau statt.

Quelle: RP

 
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