Mönchengladbach: Die Suche nach dem neuen Marin
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 15.05.2008Mönchengladbach (RPO). Mehr als 100 junge Fußballer spielten gestern bei Borussia vor: Beim Sichtungsturnier des Talentförderprojektes Fußball dribbelten sich 20 Grundschüler in den Förderkader. Die Talentscouts von Borussia schauen bei solchen Gelegenheiten ganz genau hin.
Der Mann, für den sie alle da sind, lehnt einsam am Zaun und kritzelt etwas auf seinen Block. Es muss der Name eines Talentes gewesen sein, der mindestens das Zeug zu einem Eugen Polanski, vielleicht sogar zu einem Marcell Jansen hat. In diesen Notizblock, DIN A4, kariert, da wollen sie alle rein.
Die mehr als 100 Jugendfußballer, die gestern das Turnier auf den Kleinfeldern im Borussia-Park ausspielten. Wer im Notizblock von Borussias Jugendtrainer und Internatsleiter Roland Virkus steht, aus dem wird zwar nicht automatisch ein Marko Marin. Aber dann ist zumindest das Talent da, die nötige Veranlagung, es zu probieren.
Offiziell ging es gestern bei dem Sichtungsturnier des Talentförderungsprojektes um Tore und Pokale für die Grundschulmannschaften. Aber die etwa 100 kleinen Kicker wussten auch: Da ist einer von Borussia, der uns entdecken will. Für den Kader der Talentfördergruppe, die zwei Jahre lang einmal in der Woche zusätzlich von Borussia trainiert wird.
„Das ist ein Beitrag, um dem Jungendfußball in der Stadt zu helfen“, sagt Roland Virkus. „Aber natürlich suchen auch wir nach Talenten, die in die Jugendausbildung von Borussia passen.“ Die Pflicht eines jeden Profi-Vereins. Und nur die Besten kommen durch. Nur die, die für ihr Alter quasi unmögliche Dinge machen, haben eine gute Chance auf die erstklassige Ausbildung bei Borussia. „Vielleicht ein oder zwei von hundert Spielern“, schätzt Roland Kauf, Trainer der Gemeinschafts Grundschule Venn. Andere hatten mehr Selbstbewusstsein: „Mein Lieblingsspieler ist Marko Marin. Weil der so gut ist wie ich und so gut fummeln kann“, verkündete Justin Thiessen (9) fröhlich.
Doch für Borussia sind nicht nur die technischen Fertigkeiten wichtig. „Wie geschickt bewegt sich ein Spieler, macht er Dinge instinktiv richtig, die man ihm vorher gar nicht gesagt hat. Das ist Talent“, sagt Roland Virkus. Das zu zeigen, dafür hatten die Kicker vier Mal zehn Minuten Zeit. Nicht gerade viel. Da kann es schon interessanter sein zu wissen, wo denn gerade der Talent-Scout steht als der nächste Mitspieler auf dem Platz. Nicht so gestern: Mit ziemlich viel Leidenschaft suchten die Mannschaften bei glühender Hitze den Erfolg.
Gewonnen hat das Team der Hermann-Gmeiner-Grundschule. Nach dem Endspiel flossen bei den Spielern der Gemeinschafts Grundschule Wickrath reichlich Tränen. Trainer Karl Esser hatte reichlich zu tun, seine Spieler zu trösten. Nur bei ein paar kleinen Kickern flossen keine Tränen. Sie wussten: Sie haben sich ins Notizbuch von Roland Virkus gedribbelt. Ein guter Trost.
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