Mönchengladbach: Die Weihnachts-Polizei
VON ANDREAS BUCHBAUER - zuletzt aktualisiert: 03.12.2007Mönchengladbach (RPO). Weihnachten – das Fest der Liebe. Aber die Adventszeit ist auch Hochsaison für Langfinger. Im Gedränge haben sie leichtes Spiel. Die deutsche Polizei geht mit holländischen, belgischen und englischen Kollegen Streife.
Teelöffel auf der Flucht
Nationen An den internationalen Streifen beteiligen sich Sicherheitskräfte aus Deutschland, Belgien, Niederlande und Großbritannien. Insgesamt sind etwa 30 Personen im Einsatz. Haupteinsatzzeit: samstags.
Orte Nicht nur in den beiden Stadtzentren wird Präsenz gezeigt. Die Streifen sind zum Beispiel auch in Rheindahlen oder Wickrath unterwegs. Dazu kommen weitere Beamte – sowohl in Uniform, als auch zivil.
Michel Momin ist ein erfahrener Polizist. Sechsmal war der Belgier in Afghanistan im Einsatz, gerade erst ist er aus dem Libanon zurückgekehrt. Kein Wunder also, dass sich der Kriminalkommissar der belgischen Polizei „Police Federale“ auf Mönchengladbach freute. Zusammen mit Sicherheitskräften aus Deutschland, den Niederlanden sowie der britischen „Military Police“ zeigt Momin in den kommenden Wochen auf den Weihnachtsmärkten im Stadtgebiet Präsenz. „Im Vergleich zu den Krisenregionen der Welt ist das natürlich fast besinnlich-friedlich“, räumt er ein. Nichtsdestotrotz haben die Beamten alle Hände voll zu tun. Denn nicht jeder bereitet sich in der Vorweihnachtszeit ausschließlich auf das Fest der Liebe vor. Langfinger haben jetzt Hochkonjunktur.
Kriminalität steigt im Dezember
Im Einkaufsgedränge schauen die Polizisten daher genau hin. „Es ist statistisch erwiesen, dass die Kriminalität im Dezember ansteigt“, sagt Polizei-Oberkommissar Karlheinz Müller. Vier Handtaschenraube und 56 Taschendiebstähle gab es im vergangenen Jahr, 2005 waren es noch 82 Taschendiebstähle. Ein Rückgang, der auch auf die verstärkten Maßnahmen ziviler und uniformierter Streifen rückführbar ist. „Die Präsenz von Polizei in der Öffentlichkeit sorgt für eine Erhöhung objektiver, aber auch subjektiver Sicherheit“, betont Klaus Sasserath. Der Bezirksvorsteher von Rheydt-Mitte begrüßt die internationalen Streifen jedoch auch aus einem weiteren Grund. „Gerade hier im Grenzgebiet zeigt der gemeinsame Polizei-Einsatz, dass Europa zusammenwächst.“
Genau das ist es, was – neben der Abschreckung von Kriminellen – bei der Bevölkerung ankommt. „Wir haben auch eine Art Moderatorenfunktion“, sagt Wilfred Wolf von der „Koninklyke Marechaussee“ (Niederlande). „Viele niederländische Touristen reagieren zunächst verwundert, wenn sie unsere Uniformen in der Gladbacher Innenstadt sehen.“ In Gesprächen werde der Sinn und Zweck der internationalen „Weihnachtsstreifen“ erklärt, das Echo sei positiv.
Das bestätigen auch Second Lieutenant Karl Hemmings und Corporal Garreth Snook von der britischen „Military Police“. Immer wieder werden sie von Briten, die im Hauptquartier stationierten Verwandten einen Vorweihnachtsbesuch abstatten, angesprochen. Zur reibungslosen Vermittlung zwischen Deutschen und Briten haben sie zudem stets einen Dolmetscher dabei. Die internationalen Streifen sorgen folglich nicht nur für mehr Sicherheit im Weihnachtstrubel. Sie suchen auch den Kontakt zum Bürger und demonstrieren ein europäisches Miteinander.
Dieses Miteinander ist unter den beteiligten Sicherheitskräften hervorragend ausgeprägt. Die meisten sind seit einigen Jahren bei den Weihnachtsstreifen in Gladbach dabei. Auch für Momin war der erste gemeinsame Gang durch die Stadt eine freudige Rückkehr. „Es ist immer etwas Besonderes, die Kollegen wieder zu sehen. Das gehört schon fast zu Weihnachten dazu.“
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