Mönchengladbach: Doppelmord: „Vater zielte auf mich“
VON INGRID KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 08.11.2007Mönchengladbach (RPO). Als gestern im Mönchengladbacher Schwurgerichts-Prozess die polizeiliche Aussage seines zwölfjährigen Sohnes verlesen wurde, senkte Erol P. den Kopf und duckte sich hinter seinen Anwälten.
An der Frankenstraße soll der 39-Jährige am 9. März Frau und Tochter erschossen haben. Neben diesem Doppelmord wirft ihm die Staatsanwaltschaft einen Mordversuch an seinem Sohn Okan vor. „Vater zielte auf mich. Das habe ich genau gesehen“, so hatte sich der Junge zwei Stunden nach der schrecklichen Tat bei der Polizei erinnert.
Um den überlebenden Geschwistern den belastenden Zeugenauftritt zu ersparen, wurden gestern im Doppelmord-Prozess vor dem Mönchengladbacher Schwurgericht deren Aussagen bei der Polizei verlesen. Außerdem wurden deren Tatberichte bei einer Vernehmungsrichterin gestern per Video und Ton in den Gerichtssaal übertragen. Nach einer Gerichtsverhandlung im Sorgerechtsstreit der getrennt lebenden Eltern seien sie damals mit der Mutter nach Hause gefahren, hatte sich der aufgeweckte Zwölfjährige in der Vernehmung erinnert. Vor dem Haus in der Frankenstraße sei auch der Vater aufgetaucht. „Vater holte einen Revolver aus der Manteltasche“, war der Junge vom Bildschirm zu hören.
Vergebens habe man gemeinsam versucht, den Vater abzuwehren. Die Mutter sei schon fast im Haus gewesen. Dann habe der Vater auf die Mutter geschossen, dreimal. „Der hat auch auf mich gezielt. Ich bin im Zick-Zack weggelaufen“, so der Sohn, der sich hinter einem Auto verstecken konnte. Dann habe der Vater aus nächster Nähe auf die 18-jährige Schwester geschossen. Sowohl die Mutter als auch die Tochter verstarben an den Schussverletzungen.
Die zehnjährige Schwester erinnerte sich seinerzeit bei der Vernehmung auch an häufige Streitereien in der Familie. „Wir waren ein paar Mal mit unserer Mutter im Frauenhaus“, so das Mädchen. Vor dem Familiengericht seien sie gefragt worden, ob sie bei der Mutter oder beim Vater leben wollten. „Bei der Mutter“, soll das Kind sich entschieden haben. Als Erol P. die anklagende Stimme der Tochter im Gerichtssaal vernahm, griff er nach einem Taschentuch. Im übrigen verfolgte der schweigende Mann den Prozess unaufgeregt.
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