Mönchengladbach: Dreck, Gestank, Verspätungen
VON ANDREAS BUCHBAUER - zuletzt aktualisiert: 28.01.2008Mönchengladbach (RPO). Täglich fährt Nadine Müller vom Rheydter Hauptbahnhof aus mit dem Zug. Wut und Frust herrschen bei ihr und anderen Berufspendlern: Die Bahn kommt oft zu spät, Anzeigetafeln funktionieren nicht, es stinkt und ist schmutzig.
Als Nadine Müller von der geplanten Umbenennung des Rheydter Hauptbahnhofs erfuhr, kam der Ärger so richtig hoch. Nur: Um den Namen ging es der 29-Jährigen gar nicht. „Hier überhaupt von Hauptbahnhof zu sprechen, ist ein Witz“, sagt die Reiseverkehrskauffrau. Jeden Morgen fährt sie von dort nach Düsseldorf zur Arbeit. Sie kennt die Wut und den Frust der Berufspendler, für die allmorgendlich gilt: Neues Spiel, neues Glück.
Zug-Durschsagen bleiben aus
„Verspätungen sind an der Tagesordnung“, sagt Nadine Müller. Die Folge: Stress auf dem Weg zur Arbeit, weil Informationen über Ankunft und Abfahrt der Züge oft schlicht ausbleiben. Daran ändern auch die neuen digitalen Anzeigetafeln an den Bahnsteigen nichts. „Ein nett gemeinter Ansatz“, sagt Nadine Müller. „Nach vier Wochen funktionieren sie allerdings immer noch nicht.“ Dabei seien die Pendler dringend auf die Anzeigetafeln angewiesen. „Regelmäßig bleiben Durchsagen aus, welcher Zug kommt, wann er kommt und ob er überhaupt kommt“, erklärt die junge Frau. Die Konsequenz sei nicht nur Frust, sondern auch die tägliche Ungewissheit, ob man es pünktlich ins Büro schafft. „Für einen Hauptbahnhof sind solche Zustände nicht tragbar“, meint Nadine Müller.
Hauptbahnhof Rheydt
Name Vermutlich heißt der Bahnhof in Zukunft „Mönchengladbach-Rheydt-Hauptbahnhof“.
Sanierung Der Politik ist der schlechte Zustand des Rheydter Hauptbahnhofs bekannt. Die Zuständigkeit liegt bei der Bahn. Der Landtagsabgeordnete Michael Schroeren will sich für eine Verbesserung einsetzen.
Doch die Verspätungen sind nicht alles, was ihr und vielen anderen Berufspendlern ein Dorn im Auge ist. Stein des Anstoßes ist auch das Gebäude selbst. Hier gelte ebenso: Mit „Hauptbahnhof“ hat das nicht viel zu tun. Die schmucke Bezeichnung, die für Rheydt Symbolkraft hat, strahle eher etwas anderes aus: Namen sind Schall und Rauch. Denn wer durch die Bahnhofshalle geht, hat nicht gerade das Gefühl, an einem Hauptbahnhof zu sein. Brötchenreste und ausgetretene Zigarettenkippen säumen den Weg zu den Gleisen, Automaten sind mit Graffiti verschmiert. Toiletten gibt es nicht. In der Unterführung, die als Nachtzugang dient, riecht es hin und wieder nach Urin.
Spätabends wirkt die Szenerie gespenstisch. „Da fühle ich mich mitten in der Nacht am Düsseldorfer Hauptbahnhof wohler“, betont Müller. Ihrem Ärger hat die junge Frau unlängst in einem Schreiben an die „Deutsche Bahn“ Luft gemacht. Auf dem Rheydter Hauptbahnhof fühle man sich mitunter wie im hinterletzten Dorf, hieß es darin.
Nachdem Nadine Müller ihrer Beschwerde in einer E-Mail noch einmal Nachdruck verlieh, reagierte das Unternehmen. Telefonisch entschuldigte sich ein Bahnmitarbeiter für Verspätungen und fehlende Durchsagen. Obendrauf gab es einen Gutschein. „Ein gutes Zeichen“, findet Nadine Müller. Dennoch müsse sich etwas ändern. „Die Problematik scheint der Bahn ja bekannt zu sein.“
In ihrer Hoffnung auf Besserung setzt Nadine Müller auch auf die Politiker der Stadt. „Wichtiger als der Name ist der Zustand des Bahnhofs. Hier sollte sich die Politik bei der Bahn so vehement wie möglich für eine Verbesserung einsetzen“, sagt sie. Im Klartext: Wo Hautbahnhof draufsteht, sollte auch Hauptbahnhof drin sein.
Ein Anfang hierzu ist bereits gemacht. Seit ein paar Monaten kann man in der Bahnhofshalle wieder Brötchen kaufen. „Darauf haben wir Kunden ewig gewartet“, sagt Nadine Müller.
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