Mönchengladbach: Düsseldorf erzürnt Einzelhandel
VON SVEN DURGUNLAR - zuletzt aktualisiert: 26.09.2009Mönchengladbach (RPO). Mit einer groß angelegten Werbekampagne will die Stadt Düsseldorf für sich als Einkaufsmetropole werben. Auch in Mönchengladbach sollen die Plakate die Nachbarstadt anpreisen. Der Einzelhandel reagiert empört: Der Gedanke der regionalen Zusammenarbeit werde ad absurdum geführt.
Da kannst Du was erleben. Mit diesem Slogan will Düsseldorf mehr Kunden an die Königsallee locken. Denn Düsseldorfs Attraktivität als Einkaufsstadt für Kunden aus dem Umland sinkt. Auf 2000 Plakaten in 14 Städten in ganz NRW soll in den nächsten Wochen für Düsseldorf als Shoppingmetropole geworben werden. Auch in Mönchengladbach werden am Montag, 5. Oktober, die ersten Plakate aufgehängt. 23 Großplakate an vielbefahrenen Straßen und Plätzen sowie 45 Plakate auf Litfaßsäulen sollen zum Besuch der Nachbarstadt aufrufen. Doch bereits bevor die ersten Plakate zu sehen sind, erntet die Kampagne Kritik.
Die Kampagne
Plakate 2000 Plakate in 14 Städten in Nordrhein-Westfalen, davon 23 Großplakate sowie 45 Plakate auf Litfaßsäulen in Mönchengladbach.
Kosten 200 000 Euro kostet die Aktion, 100 000 Euro fließen davon netto.
"Die Aktion hat mich doppelt irritiert", sagt Oberbürgermeister Norbert Bude. Zum einen habe sein Düsseldorfer Amtskollege Dirk Elbers erst vor kurzem eine neue Initiative zur Zusammenarbeit mit den Nachbarstädten angekündigt. Nun starte Düsseldorf mit der Werbekampagne dennoch wieder einen Alleingang. "Außerdem wundert mich das Auftreten des Einzelhandelsverbandes", sagt Bude. Der Rheinische Einzelhandels- und Dienstleistungsverband (REHDV), der zu den Initiatoren der Düsseldorf-Kampagne gehört, war erst im vergangenen Jahr aus einer Fusion heraus entstanden. Darin sind neben Düsseldorf und Mönchengladbach auch Langenfeld, Leverkusen und Solingen vertreten. Vom REHDV-Mönchengladbach war bis gestern keine Stellungnahme zu bekommen.
Auch der Einzelhandel reagiert empört. "Ich sehe die Kampagne sehr kritisch", sagt Peter Felten, Sprecher des Citymanagements Rheydt. Selbstverständlich stünde es jeder Stadt frei, für sich Werbung zu machen. "Aber hier geht es um die Symbolwirkung."
In Düsseldorf gibt man sich zerknirscht. Die Kampagne solle mitnichten Kaufkraft aus dem Umland abziehen. "Sie zielt nicht auf denjenigen, der am Samstagnachmittag in der Remscheider Innenstadt einkauft", sagt REHDV-Geschäftsführerin Waltraud Loose. Die Kampagne solle in erster Linie das Weihnachtsgeschäft ankurbeln.
"Unglückliche Aktion"
Doch die Gladbacher Händler reagieren mit Unverständnis. Als "unglücklich" bezeichnet Stefan Wimmers, Sprecher des Citymanagements Mönchengladbach, die Aktion. Vor allem der Einzelhandelsverband habe eine unglückliche Rolle in der Aktion – da er sowohl Düsseldorf, als auch Mönchengladbach vertritt.
Andere Städte formulieren ihren Protest bereits deutlicher: "Da können wir als arme Stadt nur wie das Kaninchen auf die Schlange gucken", sagt Solingens Oberbürgermeister Franz Haug. Udo Jüntgen, Solinger Vorstandsmitglied des REHDV, protestierte sogar beim eigenen Hauptgeschäftsführer Peter Achten: "Ich habe ihm gesagt, dass ich keines dieser Plakate in Remscheid, Solingen oder Wuppertal sehen will. Wir sind doch alle zusammen ein Verband."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum

