Mönchengladbach: ECE-Forum: Klar, edel, hell
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 09.11.2007Mönchengladbach (RPO). Aus Glasfliesen wird die Fassade des neuen Einkaufszentrums sein. Die Jury entschied sich einstimmig für den Entwurf des Kölner Architekten Professor Gernot Schulz. Der ist auch umweltfreundlich: Es wird Altglas verarbeitet.
Nach vorne zur Hindenburgstraße großzügig, nach hinten zum Gründerzeitviertel kleinteilig – so wird das neue ECE-Forum aussehen. Ermöglicht werden die unterschiedlichen Gesichter durch ein und dassselbe Material: Glasfliesen. Allerdings werden die in ganz unterschiedlichen Größen und Formen verwendet: mal als durchgehende Fläche, mal als Fenster. Darum kommt das Riesengebäude nicht nur je nach Standort in unterschiedlicher Optik daher. Auch im Laufe des Tages verändert es sich. Bei Sonne soll die Fassade wie Perlmutt strahlen, bei Nacht leuchten die Fenster schwach. „Der Entwurf ist einzigartig. Ich kenne in Deutschland nichts Vergleichbares und kann der Stadt dazu nur gratulieren“, sagte Professor Klaus Humpert, Vorsitzender der Jury, gestern bei der Präsentation des siegreichen Vorschlags.
Er stammt aus Köln. Dort hat Professor Gernot Schulz gerade zum ersten Mal die Fassade einer Einkaufsgalerie gestaltet: die des Rhein-Centers. Betreiber dort: ebenfalls die Hamburger ECE-Gruppe. „Wir haben uns anscheinend nicht allzu dumm angestellt“, sagte Architekt Schulz gestern der RP. Allerdings haben die beiden Gestaltungen keinerlei Ähnlichkeit. „Das ist das Schöne an ECE: Sie bauen jedes Haus passend zur jeweiligen Umgebung“, sagte Jury-Vorsitzender Humpert gestern.
Architekt Schulz erfuhr gestern im Auto davon, dass er die Fassade in Mönchengladbach gestalten darf. Er war gerade auf dem Rückweg von Bochum, wo er an der Hochschule lehrt, in sein Kölner Büro. Im Gespräch mit der RP erklärt er, wie seine Idee für das ECE-Forum entstand.
Als erstes habe man sich entscheiden müssen, ob die Fronten zur Einkaufsstraße und zum alten Wohnquartier aus demselben Material sein sollten. „Die Idee der Fliese hatte ich schnell. An der Hindenburgstraße gibt es nämlich einige schöne Fassaden aus den 50ern, die mit Fliesen arbeiten“, so Schulz. Auch bei den Farben habe man sich an Umgebung und Geschichte orientiert. Weiß wie die Fassade des Theaters soll der Sockel der des Forums werden, und das Blassgrüne der Glasfliesen erinnert an die Drucke, die bis vor kurzem aus dem alten Theater das Museum X machten.
Baudezernent Helmut Hormes freut sich besonders über die Front zum Gründerzeitviertel. „Dort guckt niemand auf eine große Wand, sondern auf Fenster. Das sieht aus wie mehrere ganz normale Häuser nebeneinander“, so Hormes. ECE-Geschäftsführer Gerd Wilhelmus ist sicher: „Das wird ein Highlight für Mönchengladbach werden.“
Er betonte die Einmütigkeit der Entscheidung. Vertreter aller Fraktionen waren in der Jury – und alle stimmten für den Schulz-Entwurf. Auch die Grünen, die prinzipiell gegen den Bau der Einkaufsmeile sind. Fünf weitere Architekten hatten ihre Ideen präsentiert. Darunter die Mönchengladbacher Stephan Brings und Burkhrad Schrammen, der beim Wettbewerb auf dem dritten Platz landete.
An die klaren Strukturen des holländischen Malers Piet Mondrian erinnere die Fassade. meint Jury-Vorsitzender Humpert. „Das Material wirkt nobel, fast wie ein Edelstein“, so Humpert. Dabei ist es aus profanem Material: aus Altglas.
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