Buchholz: Eigene Kirche für 13 Euro
zuletzt aktualisiert: 28.08.2008 - 13:05Was passiert, wenn die Dinge anders laufen als angedacht, sieht man in Buchholz. Eigentlich wollten die Honschaftsbewohner um 1920 nur ein bisschen Geld sammeln, um ein Ehrenmal zu errichten für die elf Buchholzer, die im Ersten Weltkrieg umgekommen sind. Die Summe aber, die sie am Ende im Spendentopf hatten, war groß.
So groß, dass aus dem geplanten kleinen Ehrenmal eine amtliche Kapelle wurde. Bis heute gehören die Kirche und der angrenzende Friedhof dem Kapellenbauverein – und nicht dem Bistum Aachen. Darauf besteht die Honschaft. 13 Euro im Jahr bezahlen die Mitglieder des Vereins - davon wird die Instandhaltung der Kapelle, die Pflege des Friedhofs und die Möglichkeit, dort begraben zu werden, bezahlt.
Zwei Grundstücke stiftete ein Bauer dem Kapellenbauverein: das, auf dem die kleine Kirche heute steht und das gegenüber, Heimat des Spielplatzes und des Bolzplatzes. Die Türen für die Buchholzer Kapelle kamen laut Helmut Mai von einem jüdischen Händler aus Düsseldorf. Die Fenster gaben die Buchholzer bei einem Glaser aus Goch in Auftrag.
Besonders ist auch die Geschichte des Turmes. Dem Schreiner der Honschaft gefiel das Türmchen auf der Kirchenspitze so wenig, dass er in einer Nacht-und-Nebel-Aktion auf die Kirche kletterte und den Turm abbrach. Zu klein sei er gewesen, zu mickrig für Buchholz. „Das war ein jähzorniger Mensch. Er hat aber auch einen neuen Turm gebaut“, sagt Helmut Mai.
Mitte der 70er Jahre musste die Kirche renoviert werden: Das Bistum Aachen lehnte eine Finanzspritze ab, schließlich gehöre die Kapelle dem Verein. „Die Kirche wollte, dass wir denen alles überschreiben, aber die Buchholzer haben sich dagegen entschieden“, sagt Freddie Willemsen, Vorsitzender des Kapellenbauvereins. Laut einer Umfrage waren 70 Prozent der Buchholzer dafür, dass alles beim Alten bleibt.
Mit dem Bistum hat der Verein einen Nutzungsvertrag über 99 Jahre abgeschlossen – Messen werden in der Kapelle gefeiert. „Das Bistum kommt für alles auf, was man braucht, um eine Messe zu feiern. Strom, Heizung, die Kosten für den Küster und den Organist, das übernimmt Aachen“, sagt Freddy Willemsen.
Heute ist den Buchholzern klar: Das, was ihre Eltern, Großeltern und Urgroßeltern damals relativ günstig erstanden haben, ist einiges wert. Der Christus-Corpus (aus dem 17. Jahrhundert) und die Holztür mit dem Gitter darin sind antiquarisch, das hat der Landeskonservator aus Bonn bestätigt. Heute steht die Kapelle steht unter Denkmalschutz. Sie gehört auch nach mehr als 80 Jahren noch immer dem Kapellenbauverein Buchholz – und genau so soll es auch bleiben.
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