Mönchengladbach: Eigenheim oder Pflegeheim?
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 01.08.2008Mönchengladbach (RPO). Zu Hause ist es doch am schönsten: Hans und Irmgard Ropertz haben sich trotz Demenz-Erkrankung der Frau gegen den Umzug in ein Altenheim entschieden. Sie wollen nicht getrennt leben und sparen dabei noch viel Geld.
Es war Winter, als Irmgard Ropertz demenzkrank wurde. Laufen fällt ihr schwer, vor allem das Treppensteigen. Aber deshalb das Haus verlassen? „Ich liebe dieses Haus“, wiegelt die 88-Jährige mit einem gutmütigen Lächeln ab. Darin ist sie sich mit ihrem Mann Hans Ropertz einig. An den Wänden hängen viele ihrer Bilder, auf den Kommoden stehen ihre Tonarbeiten und im Bücherregal stehen ihre vier Bücher – ein Roman und drei Autobiographien.
„Vor 50 Jahren haben wir das Haus gebaut, primär wollen wir aus rationalen, wirtschaftlichen und emotionalen Gründen im Haus bleiben“, sagt Hans Ropertz. „Warum soll ich Heimatgefühl aufgeben für Anonymität, warum soll ich ein Hotel bezahlen, wenn ich selbst ein Haus habe?“ Und ein Heimplatz allein für seine Frau kam nicht in Frage. „Wir sind 66 Jahre verheiratet. Wir wollen nicht getrennt leben“, sagt der frühere Kommunal- und Landesbeamte.
Die Serie
Serie In den kommenden Tagen und Wochen wird sich die Rheinische Post weiter mit dem Thema „Leben im Alter“ beschäftigen.
Internet Alle Teile der Serie werden dann im Internet unter der Adresse www.rp-online.de/moenchengladbach einzusehen sein.
Umbau und Hilfen
Das Ehepaar Ropertz hat sich nach langer Überlegung für das Leben zu Hause entschieden und dafür einige Veränderungen vorgenommen. Als Irmgard Ropertz aus dem Krankenhaus zurück nach Hause kam, brachte ihr Mann Handläufe in der unteren Etage an, das Haus und die Einrichtung wurden rollstuhl- und rollator-gerecht umgestaltet, das Schlafzimmer ist jetzt im Erdgeschoss. Jeden zweiten Tag kommt nun eine Haushaltshilfe für zwei Stunden. „Wir freuen uns, wenn sie kommt und vermissen sie schon, wenn sie wieder geht“, sagt Hans Ropertz schmunzelnd. Jeden Tag liefert die Sozial Holding eine warme Mahlzeit für beide. Und einmal in der Woche kommt eine von der Pflegeversicherung bestellte Pflegekraft, die sich zwei Stunden um die Pflege der Frau kümmert. Damit Hans Ropertz selbst auch einen Spaziergang im Stadtwald machen kann – Auszeit nennt sich das Modell. „Wir sind mit allem sehr zufrieden“, sagt Hans Ropertz. Zwar haben die nicht unerheblichen Kosten (siehe Text unten) keine Rolle bei der Entscheidung für das Leben zu Hause gespielt. Dennoch ist es für das Senioren-Paar erheblich günstiger, zu Hause wohnen zu bleiben. Für Haushaltshilfe und das gelieferte Essen bezahlt Hans Ropertz im Monat zwischen 750 und 900 Euro an die Sozial Holding. Die Auszeitkraft wird bei Demenzerkrankungen komplett von der Pflegeversicherung bezahlt.
Ganz ausschließen will Hans Ropertz es jedoch nicht, einmal in ein Pflegeheim zu ziehen. „Ich bin kein Prophet, und wenn es sein muss, dann werden wir das tun“, sagt Hans Ropertz. „Aber im Grundsatz wollen wir zu Hause bleiben.“
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