Mönchengladbach: Ein Bunker ohne Matratzen
VON SEBASTIAN DALKOWSKI - zuletzt aktualisiert: 30.07.2010Mönchengladbach (RPO). Mit 30 RP-Lesern stiegen Feuerwehrchef Jörg Lampe und Udo Faßmann in den Bunker im Parkhaus unter dem Rheydter Marktplatz. Die Anlage sollte zu Zeiten des Kalten Krieges 4500 Menschen vor den Folgen einer Atombombenexplosion schützen. Bequem geschlafen hätte man nicht.
Im Ernstfall hätten die Gladbacher erstmal vier bis fünf Wochen warten müssen. Denn so lange dauerte es, bis der Bunker im Parkhaus unter dem Rheydter Markplatz bezugsfähig gewesen wäre. Wenn man bedenkt, dass er vor allem nach einer Atombombenexplosion zum Einsatz kommen sollte, wären das vielleicht vier bis fünf Wochen zu viel gewesen.
Und deshalb meint auch Helmut Haupts nach der Führung im Rahmen der RP-Aktion "Gladbach mal anders" durch den früheren Bunker unter dem Marktplatz: "Der hätte überhaupt nichts gebracht." So ganz will Gladbachs Feuerwehrchef Jörg Lampe, der die Führung zusammen mit Udo Faßmann übernahm, dem nicht zustimmen, meint aber mit Galgenhumor: "Nach vier bis fünf Wochen hätte sich dann auch die Frage geklärt, ob der Andrang nicht viel zu groß ist, in den Bunker zu kommen."
Knapp anderthalb Stunden führen Lampe und Faßmann an diesem Donnerstagvormittag die knapp 30 RP-Leser durch die Mehrzweckanlage, wie es offiziell heißt, schließlich wird sie ja auch als Parkhaus genutzt. Geplant wurde der rund drei Fußballfelder große Bau ab 1960 – zu Zeiten des Kalten Krieges – fertiggestellt 1973. Für 4500 Menschen sollte sie Platz bieten. Doch mittlerweile hat die Stadt den Bunker aufgegeben, der Kalte Krieg ist schließlich längst vorbei. Kommt es heute zum Ernstfall, setzt Mönchengladbach auf Räume in Schulen und Turnhallen.
Schon bevor es ins Untergeschoss hinabgeht, kündigt Lampe an: "Die Einrichtung ist minus drei Sterne." Und fügt hinzu: "Der Mensch sollte dort aufs Wesentliche reduziert werden: Essen, trinken, schlafen, Toilette." Schnell wird klar, wie Recht er hat. Im Ernstfall wäre das Untergeschoss des Parkhauses zum luftdicht abgeschlossenen großen Schlafsaal geworden. Dann wären die Eisenvorrichtungen von der Decke heruntergelassen und einfache Liegen mit Stoffbezug darauf gelegt worden.
Immer vier übereinander. Jeder Bewohner hätte zudem ein Paket mit dem nötigsten bekommen: Dazu gehörten Besteck, Unterwäsche, Zahncreme und Zahnbürste. Toiletten, Duschen, Sanitätsraum – alles war vorhanden, wenn auch in einfacher Qualität. Zum Kochen war eine einzige Herdplatte vorgesehen. Alles sollte unabhängig von der Außenwelt funktionieren. Dazu gab es Dieselmotoren für die Stromerzeugung, einen Brunnen mit eigenem Grundwasser, eine Filteranlage, die die Luft reinigte, bevor sie in den Bunker gelangte. Vier Wochen sollten die Menschen so aushalten.
Das meiste davon ist bei der Führung zwar noch zu sehen, in Betrieb ist von diesen Dingen kaum noch etwas. Der Dieselgenerator funktioniert aber einwandfrei, wie Lampe demonstriert. Toilette, Waschbecken, Duschen – alles sieht aus, wie es eben aussieht, wenn man es jahrelang nicht geputzt hat. Die Luft ist stickig. Kein Ort, an dem man sich länger als nötig aufhalten möchte.
Und so ist es ein beruhigendes Gefühl, nach anderthalb Stunden wieder ans Tageslicht zu kommen und zu wissen, dass keine Atombombe Mönchengladbach unbewohnbar gemacht hat und man sobald nicht wieder in diesen Bunker muss.
TV Den Bericht zur Bunkerführung sehen Sie heute Abend ab 18 Uhr im Lokalfernsehsender CityVision und ab 19.30 Uhr unter www.city-vision.de.
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