Mönchengladbach: Ein Dorf findet zu sich zurück
VON GARNET MANECKE - zuletzt aktualisiert: 22.08.2009Mönchengladbach (RPO). Wo früher Arbeiter der Textilindustrie mit ihren Familien wohnten, siedeln sich heute Senioren und junge Familien an. Damit kehrt Schrievers zu seinem Ursprung zurück: dem engen Zusammenleben der Generationen.
Schrievers Wenn Horst-Walter Abts an das Schrievers seiner Kindheit zurück denkt, dann fällt ihm beim Anblick der heutigen Bebauung nur ein Satz ein: "Da erinnert nichts mehr an Alt-Schrievers. Alles hat sich verändert." Wo früher Fachwerkhäuser um einen Platz mit Brunnen standen, erheben sich heute moderne Gebäude mit Seniorenwohnungen. Nur eines ist wieder so wie früher: Mit der gelungenen Mischung aus Seniorenwohnungen, Grünanlagen und Häusern für junge Familien leben hier Jung und Alt wieder Seite an Seite.
"Zu meiner Kinderzeit waren dort zwei Fachwerkhäuser, die um die Ecke gebaut waren", erzählt Abts. 20 bis 25 Familien hätten in Schrievers gewohnt. Die Honschaft habe sich das kurze Stück von der Trierer Straße bis zur Rückseite der Fabrik Wilhelm Beines & Söhne erstreckt. "Es gab einen Bäcker, einen Lebensmittelladen, einen Schneidermeister, einen Anstreicher und Malermeister und einen Milchmann", zählt Abts auf. Gut kann sich der 65-Jährige noch daran erinnern, wie der Milchmann die Milch in von Kunden mitgebrachte Milchkannen abgefüllt hat. Die Häuser waren von Gärten umgeben. Im Zentrum stand ein öffentlicher Brunnen.
Auch Dieter Beines, Geschäftsführer des Textildruck-Unternehmens Wilhelm Beines & Söhne und des Uhlenhorster Textilkontors, kann sich an diese Zeit noch gut erinnern. 1890 ist das vor 175 Jahren gegründete Unternehmen an seinen heutigen Standort an der Bachstraße gezogen. Ein paar Meter vom Gründungsort entfernt. Damals gehörte das Unternehmen noch nicht zu Schrievers. Heute schon. "Das kommt aber darauf an, wie man Schrievers definiert", sagt Beines.
"Schrievers ist laut Katasteramt nach heutigem Stand der Dinge wesentlich weiter gefasst als früher", sagt Horst Hübsch, Bezirksvorsteher Rheydt-West. Richtung Morr zieht sich Schrievers bis zum Friedhof, über den noch der alte Bach, die Butzkuhle, läuft. "Damals haben wir dort immer gespielt", berichtet Abts. Die Röhren, in die die Butzkuhle kanalisiert und unter die Bachstraße geleitet wurde, waren damals so groß, dass die Bewohner im Krieg dort Schutz suchten.
Heute geht es wesentlich ruhiger zu in Schrievers. Allein der Verkehr auf der Bachstraße sorgt für ein regelmäßiges Rauschen. Der große Schornstein raucht nicht mehr. "Das gehörte damals noch zum guten Ton", erinnert sich Dieter Beines. Wo einst Arbeiter mit schweren Holzknüppeln die Stoffe in Färbebottichen und Wannen rührten, rühren jetzt Maschinen. Das Unternehmen hat die Umgebung geprägt. "Oft haben ganze Familien bei uns gearbeitet", sagt Beines. Auch heute noch gibt es langjährige Mitarbeiter, deren Kinder ebenfalls auf der Lohnliste der Firma stehen.
Auch Hans-Walter Abts kann sich noch gut an seine berufliche Zeit bei Beines erinnern. "Damals gab es noch einen großen Garten, in dem wir immer unsere Pausen verbracht haben." Zu Zeiten von Dieter Beines' Vater und Großvater haben die Arbeiter noch metallene Henkelmänner mitgebracht, in denen das vorbereitete Essen war. "Die wurden dann in einer Aufwärmstation mit heißem Wasser wieder warm gemacht", erzählt Beines.
Damals prägte das enge Zusammenleben mehrerer Generationen den Alltag. Mit den neuen Ansiedlungen kehrt Schrievers zu seinen Wurzeln zurück. Neben den Seniorenresidenzen hört man spielende Kinder lachen.
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