Eiger: Ein Dorf voll Gold und Diamanten
VON NADINE FISCHER - zuletzt aktualisiert: 23.01.2010Eiger (RPO). In Eiger leben viele glückliche Paare, eine einsame Schleiereule und ein uraltes Pferd, das jeden Tag eine Flasche Malzbier trinkt. Rund 50 Häuser stehen in dem Dorf, das zwar nur einen Landwirt vorzuweisen hat – aber der hält die Bewohner auf Trab.
eiger Für diese Aufgabe braucht Peter Küppers Ruhe. Also lässt er seine Frau Hiltrud, Tochter Doris, Enkelin Anna und das Ehepaar Ross am Esstisch sitzen und geht nach nebenan. Es dauert ein kleines Weilchen, dann kommt er mit dem Ergebnis wieder: "Eiger hat 124 Einwohner", sagt der 59-Jährige.
Er hat sie mal eben im Geiste durchgezählt. Das schafften nicht mehr alle Leute im Dorf so aus dem Stegreif, schätzt Küppers. Es weiß eben nicht jede Familie genau über die andere Bescheid. Über Peter Küppers hingegen scheint das komplette Dorf Bescheid zu wissen: "Meinen Vater kennt jeder", sagt Doris Küppers und lacht. Er ist der einzige Bauer im Ort – und mit seinem Traktor fährt Küppers nicht nur aufs Feld raus.
Der Traktor ist sein Markenzeichen
"Der Trecker ist sein Markenzeichen", sagt Doris Küppers. Damit liefert ihr Vater den Nachbarn Sand, schiebt den Schnee von der Straße, macht Bäume aus und zieht die Kinder auf ihren Schlitten durch die idyllische Winterlandschaft im Stadtteil Giesenkirchen. Peter Küppers ist auf dem Hof seiner Eltern aufgewachsen und führt ihn in vierter Generation. "Seit 1986 im Nebenerwerb mit Pferdehaltung und Ackerbau", erzählt er. Das Milchvieh hat der Landwirt mittlerweile abgegeben.
Den Hof bewirtschaftet seine Familie etwa seit 1880, und damals bestand Eiger vermutlich noch nicht mal aus einem Dutzend Häusern. Denn "1905 gab es hier rund zehn Häuser", hat Christel Ross in alten Unterlagen nachgelesen. Heute sind es rund 50.
So wie Peter Küppers ist die 73-Jährige, deren Mädchenname Hoven lautet, noch eine der wenigen Alteingesessenen im Dorf. Ihre Eltern hatten einst einen Kohlenhandel, und die Nachbarn nannten den Vater immer den "Hove-Knupp". Dieses "Knupp" bedeute so etwas wie "Knubbel" – damit seien die Kohlestücke gemeint gewesen, vermutet die Runde an Peter Küppers Esstisch.
Bis 1955 verkaufte Familie Hoven Kohle, dann versuchte sich Christel Ross' Vater als Fuhrunternehmer. Das Geschäft lief jedoch nicht sonderlich gut, und so wurde er um 1958 Marktbeschicker. Blumen, Obst und Gemüse gedeihten auf dem Grundstück der Hovens. Die Waren verkauften sie auf Wochenmärkten.
Ihr Vater sei Arbeitgeber für einige Angestellte gewesen, erzählt Christel Ross. "Hier herrschte Vollbeschäftigung", ergänzt Doris Küppers lachend. Wenn die Dorfbewohner nicht bei den Hovens halfen, packten sie auf dem Küppers-Hof oder in der heute leerstehenden Textilfabrik an. "Im Zweiten Weltkrieg haben in der Fabrik Amerikaner gewohnt. Mit Feldküche und Pferden", erinnert sich Christel Ross. "Wir Kinder haben manchmal von ihnen Apfelsinen oder Bananen bekommen."
Sie weiß auch noch, wie sie im Krieg mal wieder mit rund 20 weiteren Dörflern im Luftschutzkeller ihrer Familie saß, ein Amerikaner die Tür aufstieß und von der Treppe aus herunterschoss. "Ein Mann wurde schwer verletzt, von dem haben wir danach nie wieder etwas gehört."
Zwei Bunker, viele neue Häuser
Den Bunker gibt es heute noch, ebenso wie den Luftschutzraum auf dem Küppers-Hof. Ansonsten hat sich seit dem Krieg in Eiger viel verändert, so wurden zum Beispiel in den 60er Jahren viele neue Häuser gebaut. Und auf dem Küppers-Hof ist der alte Kuhstall kein Kuhstall mehr – sondern der neue Wohnbereich der Familie.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







