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Schelsen: Ein Dorf wehrt sich

VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 08.11.2008

Schelsen (RPO). Tief im Osten: Die Honschaft Schelsen lebt seit Jahrhunderten in inniger Hass-Liebe mit dem Nachbarn Giesenkirchen. Die Menschen in Schelsen schätzen vor allem den großen Zusammenhalt. Und das zeigte sich einmal bei einem Streit mit dem Nachbarn.

Der Schelsener Dorfplatz, den sich Heinz Eitel, Peter Berghausen, Norbert Jansen und Lambert Hütten gerne anschauen, ist der Dorfmittelpunkt.  Foto: Detlef Ilgner
Der Schelsener Dorfplatz, den sich Heinz Eitel, Peter Berghausen, Norbert Jansen und Lambert Hütten gerne anschauen, ist der Dorfmittelpunkt. Foto: Detlef Ilgner

Es mag eine ländliche Form des Protests sein, gut. Ihren Dorfcharakter bestreiten die Schelsener auch gar nicht. Aber mit der Art und Weise, wie die Schelsener dereinst gegen den großen Nachbarn Giesenkirchen protestierten, damit hatte niemand in der Bürgermeisterei gerechnet.

Die Schelsener Schule war geschlossen worden, was für Schelsen eigentlich schon ein Angriff auf die nationale Würde ist. Denn die Schule hatten die Schelsener vor vielen Jahren selbst erbaut. Wie fast alles in der 2300-Seelen-Gemeinde. Doch da kommt die Bürgermeisterei Giesenkirchen doch glatt auf die Idee, die Schelsener Kindern nach Meerkamp zur Grundschule schicken zu wollen. Statt ins viel nähere Giesenkirchen.

Die alte Schule, in der heute die Karl-Barthold-Schule untergebracht ist. Foto: Detlef Ilgner

Da fing der Prostest der Bauern an. Sie legten zusammen und fuhren eine Karre frischen Mist vor das Giesenkirchener Rathaus. Das war vor etwa 20 Jahren. Nicht, dass das Häufchen allein die Politiker beeindruckt hätte. Aber fest steht: Bald schon durften Schelsens Kinder nach Giesenkirchen zur Schule. Schelsen hatte gewonnen.

Diese Geschichte beschreibt die Schelsener Mentalität ziemlich gut. Man ist wehrhaft, stolz auf seine Heimat, ein bisschen ländlich, aber ansonsten sehr zufrieden mit der Welt. „Die Welt ist hier bei uns ja auch noch in Ordnung“, sagt Peter Berghausen (69), der seit seiner Geburt in Schelsen lebt. Und Heinz Eitel (59), ebenfalls Ur-Schelsener, weiß: „Wir sind immer eine Gesellschaft geblieben. Alle machen mit.“ Wenn irgendetwas mal nicht so richtig klappte mit den Behörden, dann machten die Schelsener stets alles in Eigenregie. So entstand zum Beispiel auch der Kindergarten, der Sportplatz, die St. Josef-Kirche (siehe unten).

Der Name Schechtelhausen (aus dem sich Schelsen entwickelte), tauchte bereits im 12. Jahrhundert in Urkunden auf. Etwa zur gleichen Zeit wie Giesenkirchen. Seit 1772 ist in den Urkunden von Schelsen die Rede. Schelsen war einst geprägt von der Landwirtschaft. 1949 gab es 50 Bauernhöfe in Schelsen, heute sind es nur noch fünf. Viele Menschen lebten vom Verkauf von Sand, der in Liedberg gefördert wurde. Beim Verkauf waren die Liedberger Sandbauern nicht immer so genau, heißt es in einer Dorfchronik.

Mal wurde das Fass auf den Kopf gestellt und nur der Boden von unten so befüllt, dass es so schien, als sei das Fass voll. „Eine gewisse Schlitzohrigkeit ist den Schelsenern nun einmal zuzuschreiben“, heißt es in der Chronik. Horster Schelsen (der evangelische Teil) und Dycker Schelsen (der katholische) gehörten zum Fürsten von Schloss Dyck. Nach langen Wechseln der Zugehörigkeit zu Liedberg, dem Kurfürstentum Köln, Horst und Giesenkirchen bildete sich 1892 schließlich eine eigene Gemeinde, obwohl sie lange ohne Kirche blieb.

Heute sind die Schelsener stolz auf ihr Heimatdorf und dessen lange Geschichte. Auch, wenn der Einkauf manchmal nicht so leicht ist. Es gibt zwar einen Autohändler, ein Gartencenter und ein Küchenstudio, aber Bäckereien, Metzgereien und Supermärkte sind geschlossen. Das nächste Brot gibt es erst in Giesenkirchen. Das macht Lambert Hütten aber nichts aus: „Wir haben alles, was wir brauchen.“ Er meint die Dorfgemeinschaft.

Quelle: RP

 
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