Mönchengladbach: Ein Film als Warnung
VON SEBASTIAN RADERMACHER - zuletzt aktualisiert: 04.12.2009Mönchengladbach (RPO). Jirka Bükow hat eine Dokumentation über die Nachkriegszeit in Gladbach und Rheydt gedreht. Zeitzeugen berichten über das Leben zwischen 1945 und 1953. Montag ist der Film im Cine-Center zu sehen, ab Dienstag auf DVD.
Die Bilder, die auf dem Bildschirm flackern, lassen das große Ausmaß des Zweiten Weltkriegs nur erahnen. Es sind Filmsequenzen von völlig zerstörten Gebäuden auf der Hauptstraße in Rheydt. Es sind Aufnahmen von der Hohenzollernstraße, die nach dem Krieg komplett mit Stacheldraht abgesichert wurde. Jirka Bükow beleuchtet in seinem zweiten Film die Zeit in Gladbach und Rheydt nach dem Zweiten Weltkrieg. Er zeigt auf, mit welchen Problemen und Ängsten die Menschen damals zu kämpfen hatten.
Mehr als eineinhalb Jahre recherchierte der 38-jährige Viersener im Stadtarchiv, er sprach mit Zeitzeugen, Archivaren und Politologen. "Ich wollte und musste mir für die Fortsetzung viel Zeit nehmen", berichtet der 38-Jährige, der freiberuflich als Trainer und Berater für Gewaltprävention arbeitet.
Titel „Mönchengladbach und Rheydt 1945 bis 1953 – Überleben und Aufbau“.
Länge 70 Minuten plus Extras
Premiere Am Montag (20 Uhr) im Comet-Cine-Center (fünf Euro).
Kaufen Ab Dienstag gibt es die DVD in allen Gladbacher Buchhandlungen zu kaufen.
Erster Film sehr erfolgreich
2007 drehte Bükow den ersten 45-minütigen Dokumentationsfilm über die NS-Zeit in Gladbach und Rheydt zwischen 1933 und 1945 – mit großem Erfolg. "Ich habe viele positive Rückmeldungen bekommen, das war Ansporn genug, einen zweiten Film zu produzieren", erzählt der Viersener. Herausgekommen sind 70 beeindruckende Film-Minuten. "Mönchengladbach und Rheydt 1945 bis 1953 – Überleben und Aufbau" heißt der zweite Teil. Der Film soll zum Dialog anregen und besonders für jüngere Menschen ein Einstieg in die Gladbacher Zeitgeschichte sein. "Ich hoffe, der Film trägt dazu bei, dass sich die Menschen mehr mit der Geschichte auf lokaler Ebene auseinandersetzen", sagt Bükow.
In 15 Interviews sammelte der Autor mehr als 14 Stunden Filmmaterial. Daraus schnitt er zusammen mit Jörg Kaiser und der Firma Dembach Mediaworks aus Krefeld die Dokumentation zusammen. Es gibt keine Stimme aus dem Hintergrund, Zeitzeugen erzählen über ihre Erlebnisse und Erfahrungen in den Jahren nach dem Krieg. Immer wieder untermalt von beeindruckenden Bildern und Filmsequenzen. "Ein großer Dank gilt dem Stadtarchiv und den vielen Zeitzeugen, die über ihre Erlebnisse erzählt und mir Fotos und Filmeaufnahmen aus dieser Zeit zur Verfügung gestellt haben", betont Bükow. Ohne diese wäre der Film nicht zustande gekommen.
Beeindruckend bei der Drehphase waren für den Viersener Autor die Gespräche mit den Zeitzeugen. Teilweise sieben Stunden saß er mit ihnen zusammen. Es waren traumatische Erlebnisse für die Menschen in Gladbach und Rheydt. "Für viele Menschen in der Region fing der Krieg erst nach dem Krieg an", erzählt Bükow. Sie mussten ums Überleben kämpfen, Mönchengladbach und Rheydt waren zum Kriegsende 1945 völlig zerstört.
"An den Ruinen hat es noch Jahre später verbrannt gerochen. Es gab nichts Freundliches in der Stadt zu sehen – das war sehr beängstigend", berichtet Zeitzeugin Ellen Haß im Film. Worte, die Jirka Bükow sehr berühren. "Der Film ist eine Warnung – so etwas darf nie wieder passieren", sagt er. Dazu trägt er mit seinem Streifen sicherlich bei.
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