Mönchengladbach: Ein Geschenk Gottes
VON ULRICH M. SCHWENK - zuletzt aktualisiert: 21.04.2008Mönchengladbach (RPO). Beim Fest am Dicken Turm ließ sich der Rheydter Sakralkünstler Hubert Schüler über die Schulter blicken. Er arbeitete an einer Fahne für die Hehner Bruderschaft St. Michael. Das Fest bildete den Einstieg ins Schützenjahr.
Der Opa winkt Lukas an einen Platz zu seiner Linken. Von dort betrachtet der blonde Junge still, wie Hubert Schüler den Hals des Drachens zu Füßen des Heiligen Michaels mit einem Silberfaden stickt.
Der Sakralkünstler aus Rheydt arbeitet an einer Jubiläumsfahne für die St-Michael-Bruderschaft Hehn. Den umstehenden Besuchern im Turmzimmer der Schützenfeste „Dicker Turm“ beschreibt er die Strapazen seiner Kunst, ihre Tradition und Bedeutung, das Glück, das er daraus bezieht. Und wie wichtig ihm die Familie ist. Drei Enkel stehen im Raum, an Lukas gerichtet sagt er: „Vielleicht wird er später einmal König und erzählt dann, wie er mit dem Opa an einer Fahne gearbeitet hat.“ Aus Schülers Stimme spricht tiefe Rührung.
Hubert Schüler
Aufwand Mit Goldfäden kann Schüler höchstens eine Stunde am Stück arbeiten, weil die starke Lichtreflexion die Augen ermüdet. Allein für eine Mitra braucht er deshalb nach eigenen Angaben eineinhalb bis zwei Jahre.
Auftraggeber Schüler hat schon für den Papst und Kardinal Meisner, seinen Freund, gearbeitet.
Schützen-Knigge für „Heijopei“
Der Bezirksverband der Schützen eröffnete gestern mit seinem Fest am Dicken Turm traditionsgemäß das Schützenjahr. Der Turm in der Gladbacher Altstadt, der den Bruderschaftlern unter anderem als Ausstellungs- und Versammlungsort dient, stand der Bevölkerung offen. Das Turmzimmer war Hubert Schülers Kunst gewidmet. Bezirksbundesmeister Horst Thoren sagte dort über ihn: „Er ist ein Geschenk Gottes für uns.“
Der Bruderrat bekam Besuch zum Beispiel von Bezirksvorsteher Herbert Pauls, Professor Gunter Konrad und dem Landtagsabgeordneten Norbert Post. Letzterem überreichte Thoren den frisch erschienenen „Kleinen Schützen-Knigge“ mit der scherzhaften Bemerkung: „Jemand, der einem Schützenzug namens ,Heijopeis’ angehört, kann den Knigge zum Nachschlagen sicher gebrauchen.“
Die Gelegenheit der offenen Tür nutzte außerdem eine wissenschaftliche Mitarbeiterin des Schlosses Rheydt. Ihr Interesse galt den Königssilber-Raritäten der Schützen, die ab dem 30. August im Schloss ausgestellt werden.
Einige Stücke des Silberschatzes waren im Turm an Schaupuppen angebracht. Das meiste Edelmetall zierte aber leibhaftige Majestäten. Denn Könige und Minister der Bruderschaften aus Gladbach, Rheydt und Korschenbroich umstanden den Turm, um die Geselligkeit zu pflegen und im Parterre für Fotografien zu posieren.
Im Turmzimmer verfolgte auch Klaus Cörstges die Entstehung des Heiligen Michaels. Er ist der Geschäftsführer des Auftraggebers, der Hehner Bruderschaft. Diese feiert 2010 ihr 150-jähriges Bestehen und lässt Schüler deswegen eine kostbare Fahne von 1907 noch kostbarer reproduzieren. Für die Finanzierung werden Spender gesucht. „Aber auch alle Züge geben einen Obolus, denn es soll eine Gemeinschaftsfahne werden“, sagte Cörstges, der dem Bruderrat angehört.
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