Mönchengladbach: Ein neues Netz für Radfahrer
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 30.07.2008Mönchengladbach (RPO). Das einst entwickelte Radwegekonzept erwies sich als kaum umsetzbar. Jetzt wird an neuen Modellen gearbeitet. Verkehrsplaner sind sicher: Auch Mönchengladbach kann eine Fahrrad-freundliche Stadt werden.
Als der städtische Verkehrsplaner Jörg Clages vor sechs Jahren nach Mönchengladbach kam, fand er ihn in der Schublade seines Schreibtisch-Schrankes: Einen Schuber mit Plänen und der Aufschrift „Radwegekonzept“. Die Materialien zeugten von den Versuchen, Gladbach zu einer Fahrrad-freundlichen Stadt zu machen. Als die Politik Ende der 80er Jahre merkte, dass dies mit Rieseninvestitionen verbunden war, verschwand das Vorhaben erst von den Schreibtischen und dann aus den Köpfen. „Mönchengladbach kann sich nie mit einer Fahrradstadt wie Münster messen“ – dieser Politikerspruch besiegelte den Ausstieg.
Der neue Weg
Heute ist Mönchengladbach wieder auf einem guten Weg, doch noch zu einer Stadt zu werden, in der das Fahrrad als Transportmittel kein Mauerblümchendasein fristet. Aber im Vergleich zu den Anstrengungen Ende der 80er Jahre, ist die Vorgehensweise der Planer eine andere. Weil sie wissen, dass keine Kommune mehr so viel Geld hat, um eigene Radwege anzulegen, gehen sie von anderen Modellen aus. Dazu war es notwendig, die Straßen Mönchengladbachs neu zu definieren: Sie legten fest, wo Hauptrouten sind, wo sich Tempo-30-Zonen anbieten, wo Busse des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) fahren können. Das Verkehrsplanungsbüro BSV aus Aachen hat dies untersucht und auf mehr als 80 Seiten umfangreich analysiert.
Wenn Verkehrsplaner diese Ergebnisse in Schulnoten übersetzen, stellen sie fest: Der Autoverkehr liegt in Gladbach notenmäßig zwischen „sehr gut“ und „gut“, weil man nahezu überall in der Stadt schnell von Punkt x zu Punkt y kommt. Beim ÖPNV sieht’s mittelprächtig aus, immerhin springt ein gutes „befriedigend“ heraus. Der Fußgänger kommt gut durch die Stadt, die Defizite ergeben sich vorwiegend dann für ihn, wenn er Straßen überquert. Mit einem „mangelhaft“ müssen die Radfahrer leben: zu wenige Radwege, zu gefährliche Stellen, zu oft fehlende Verbindungen – kurzum: Es fehlt ein Netz mit sinnvollen Verknüpfungen. Daran arbeiten die Planer jetzt, und sie sind durchaus guten Mutes, dass Mönchengladbach in dieser Hinsicht kräftig aufholen kann. „In zehn bis 15 Jahren können wir ein Radwegenetz haben, das gute Noten bekommt“, sagt Planer Clages. Seine Philosophie: Separate Radwege gibt es nahezu nur bei Neubauten, Nebennetze – hier umgeht der Radfahrer die Hauptrouten – haben sich nicht durchgesetzt, weil Radler sie nicht annehmen.
Stattdessen tritt er für so genannte Angebotsstreifen ein: Wenn eine Fahrbahn eine ausreichende Breite hat, wird sie anders aufgeteilt und für den Radfahrer eine Spur fest markiert. Die Dahlener Straße in Rheydt soll dafür demnächst eine Art Pilotfunktion übernehmen. Die Pläne für einen Radstreifen sind bereits fertig, die Politiker müssen sie nur noch genehmigen.
KOMMENTAR
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum





