Mönchengladbach: Ein Orden für den Wirt
VON VON NADINE FISCHER - zuletzt aktualisiert: 25.01.2010Mönchengladbach (RPO). Egon Säger steht seit 25 Jahren bei den Kreuzherren Wickrath hinter der Theke. Jetzt musste der 67-Jährige das erste Mal auf die Bühne – um sich einen Orden abzuholen. Von dem Programm bekam er trotzdem nichts mit.
Wickrath Es gibt nur einen einzigen Menschen auf der Welt, der den neuen Verdienstorden der Wickrather Kreuzherren besitzt. Und das ist Egon Säger. In der Kreuzherrensitzung der Karnevalsgesellschaft durfte sich der 67-Jährige das erstmals für besondere Verdienste verliehene goldglänzende Schmuckstück auf der Bühne abholen.
Oder besser gesagt, er musste – denn "ich stehe nicht gerne im Rampenlicht", erzählte Egon Säger später. Da hatte er den Orden schon wieder in die blaue Samtschachtel gepackt und sich an die Arbeit gemacht: Seit 25 Jahren kümmert sich das Gründungsmitglied der Gesellschaft bei den Sitzungen um die Bewirtung der Gäste. "Das ist ein gutes Gefühl, so eine Anerkennung für seine Arbeit zu bekommen", sagte Egon Säger. Er stand hinter dem Tresen im Foyer der Adolf-Kempken-Halle, während drinnen die rund 380 Jecken zu "Rut sin de Ruse" von den Butterflys schunkelten.
Bier statt Bühnenprogramm
Bauchredner Merlin hatte vorher die Lachmuskeln der Narren strapaziert, "das Publikum ist sehr gut drauf", urteilte er nach seinem Auftritt und holte sich bei Egon Säger an der Theke etwas zu trinken. Der Wirt hatte von der Bauchredner-Nummer nichts mitbekommen, und auch die übrigen Programmpunkte wie den Büttenredner Dä Bundeswehrsoldat, das Tanzkorps Blaue Jungs aus Köln und die Chaos Singers der Kreuzherren verpasste er – schließlich musste Säger Bier zapfen. Zum Feiern kommt er trotzdem immer, wenn seine Gesellschaft zu ihren Sitzungen einlädt: "Wir machen meistens noch bis 4.30 Uhr morgens hier im Vorraum weiter", erzählte der 67-Jährige. Und dann ist er mittendrin.
Doch auch während des Programms ist es nie leer bei ihm an der Theke. Einige Jecken gönnen sich dort zwischendurch mal ein Päuschen von der Sitzung, so wie Elfe Ulrike Romahn und eine Freundin, die sich als Sträfling verkleidet hat. "Die Stimmung drinnen ist super", erzählte sie. "Ich freue mich am meisten auf die Chaos Singers." Doch jetzt genoss sie erstmal ihren kleinen Ausflug an den Tresen des ersten Trägers des neuen Kreuzherren-Verdienstordens.
"Den Orden hänge ich zu Hause in mein Gartenhäuschen", sagte Egon Säger noch, bevor er sich wieder mal dem Zapfhahn zuwandte.
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