Mönchengladbach: Ein Tag am Filmset
VON NADINE FISCHER - zuletzt aktualisiert: 07.09.2010Mönchengladbach (RPO). Die Gladbacherin Thekla Vaaßen hat als Komparsin einen Drehtag für einen Film über US-Senator Joe McCarthy miterlebt. Zwischen den Szenen musste sie lange warten, ihr Kostüm gefiel ihr nicht – trotzdem ist sie begeistert.
Die Leute vom Film haben Thekla Vaaßen einen Maulkorb verpasst. "Ich darf noch nichts verraten", sagt die 64-Jährige. Weder, worum es in den Szenen geht, in denen sie mitspielt. Noch, wie ihr Kostüm aussieht. Thekla Vaaßen stand jetzt in Köln als Komparsin für den Dokumentarfilm "Der wirkliche Amerikaner: Joe McCarthy" vor der Kamera. Beim Casting im Café Richard Wagner hatte die Casting-Agentur Eick die Gladbacherin entdeckt. "Insgesamt können wir für den Film etwa 70 Mönchengladbacher einsetzen", erzählt Gesellschafterin Delia Eick. Rund 200 waren ins Café Richard Wagner gekommen, um einen Part in der Produktion der Fernsehsender ZDF und Arte zu ergattern.
"Ich wollte einfach mal wissen, wie ein Casting so ist", sagt Thekla Vaaßen. Deshalb ging sie hin. Noch im Café teilten ihr die Agenten mit, dass sie sie gerne für den Film engagieren wollen. Gesucht waren Männer, die unter anderem Senatoren und Reporter spielen, Frauen für die Rollen der Senatorengattinen und Kinder, die Jugendfreunde der Hauptfigur darstellen. Thekla Vaaßen darf zwar noch nicht verraten, wen sie verkörpert. Doch etwas erzählt sie: "In meinem 50er Jahre-Kostüm habe ich mich ganz schön alt gefühlt".
Doku-Drama
Handlung Der Film zeichnet das Leben des 1957 gestorbenen US-Senators Joseph McCarthy nach. Der Republikaner wurde vor allem dadurch bekannt, dass er Mitglieder des amerikanischen Regierungsapparates mit dem Kommunismus in Verbindung brachte
Regisseur Lutz Hachmeister führt Regie in der Produktion von ZDF und Arte. Die Doku mit Spielszenen und Interviews soll im deutschen Fernsehen und dem amerikanischen Kino laufen. Hachmeister drehte unter anderem "Schleyer – eine deutsche Geschichte".
Bei der Kostümprobe in Köln wurde der 64-Jährigen ihr Outfit zugeteilt, eine Woche später war ihr Drehtag. "Das fing nachmittags an und ging bis spät in die Nacht", sagt sie. In acht bis neun Szenen sei sie dabei gewesen, "eine mussten wir 18 Mal spielen". Die langen Pausen nutzte Thekla Vaaßen, um Spaghetti Bolognese vom Catering zu essen und sich umzuschauen. "Ich habe keinen bekannten Schauspieler entdeckt", erzählt die Gladbacherin. Das sei aber nicht schlimm, "mir war nur wichtig zu sehen, wie so ein Filmdreh abläuft".
Der Tag hat der modischen Rentnerin gut gefallen. Deshalb könnte sie sich vorstellen, weiter als Komparsin zu arbeiten. "Und Werbung würde ich gerne mal machen", sagt sie. "Ich möchte in verschiedene Sachen reinschnuppern." Seit knapp vier Jahren ist die ehemalige Verwaltungsangestellte jetzt auf "Schnuppertour". 2008 gewann sie einen Modelwettbewerb in Wickrath und hat seitdem einen Vertrag bei einer Düsseldorfer Modelagentur. Bisher kam sie für die Agentur einmal zum Einsatz: Bei einem Show-Dinner mit Koch Alfons Schuhbeck durfte sie Tomatensuppe löffeln. Derzeit läuft die Bewerbungsphase für eine Modenschau in der Berliner Galerie Lafayette. Wer will, dass Thekla Vaaßen da mitläuft, kann im Internet für sie stimmen.
"Zwischendurch brauche ich aber meine Ruhephasen", erzählt sie. Dann spielt sie Saxophon oder macht Walking. Vielleicht wird die nächste Pause nicht allzu lang: "Wir betreuen bald zwei Projekte mit Heino Ferch und Senta Berger, dafür wollen wir wieder auf Mönchengladbacher zurückgreifen", erzählt Delia Eick von der Casting-Agentur.
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