Mönchengladbach: Ein Tag, der ins Leben schneidet
VON DIRK RICHERDT - zuletzt aktualisiert: 22.02.2012Mönchengladbach (RP). "Am Aschermittwoch ist alles vorbei" sang der Kölner Jupp Schmitz und meinte damit, dass heute schlagartig die Freuden des Karnevals enden. Für Pfarrer Klaus Hurtz ist der Tag eine Zäsur für den Perspektivenwechsel ins Innere.
Wenn heute in den katholischen Kirchen der Stadt wieder viele Gläubige sich das Aschekreuz auf die Stirn zeichnen lassen, wird damit im Kirchenjahr eine neue Zeitspanne eingeläutet. "Die Asche steht als Zeichen für dreierlei", erläutert Klaus Hurtz, Pfarrer an St. Marien, "für Buße, Vergänglichkeit und Reinigung."
Die Kirche habe bewusst das archaisch-vorchristiche Symbol der Asche gewählt, um es mit dem christlich durchdrungenen Zeichen des Kreuzes zu verbinden: "Bedenke, Mensch, dass Du Staub bist", sagt der Priester. Wer sich mit dem Aschekreuz zeichnen lasse, gebe damit ein Bekenntnis, so Hurtz. Ein Bekenntnis, dass man sich in den bevorstehenden Wochen bis Ostern einem Blickwechsel unterziehen werde, der vor allem eines bedeutet: Verzicht.
Fastenzeit
Beginn Aschermittwoch
Dauer 40 Tage (bis Karsamstag)
Aktuelle Forsa-Umfrage der DAK: Mehr als die Hälfte der NRW-Einwohner hält Fasten für sinnvoll.
Genussverzicht Am ehesten würden Befragte auf Alkohol (65 Prozent), Süßigkeiten (64 Prozent), Fleisch (40 %) und Fernsehen (38 %) verzichten. In der Kirche erstreckt sich der Begriff weiter: Auch Augen und Ohren fasten. Altäre und Kreuze werden mit Tüchern verhüllt, und es wird weniger gesungen in der Liturgie.
Palmzweige werden zu Asche
Für die Asche werden vertrocknete Palmzweige aus dem Vorjahr verbrannt, die damals den triumphalen Einzug Jesu Christi in Jerusalem zeichenhaft begleiteten. Anschließend wird die Asche gesiebt und vor Beginn des Aschermittwochs-Gottesdienstes geweiht.
"Es ist ein aussagekräftiges Zeichen", interpretiert Pfarrer Hurtz, "die Palm- oder Buchsbaumzweige, die für das Hosianna stehen, verwandeln sich in die Asche, die den Vorgang des "Kreuzige-ihn!" vertreten. Gemeint ist der Wankelmut der Menschen, die an Palmarum begeistert den Heiland willkommen hießen und ihn einige Tage später, am Karfreitag, ans Kreuz schlagen.
Die durch den Segen mit dem Aschekreuz eröffnete Zeit der Buße tut sich im Begriff des Fastens kund. "Wir dürfen nun still werden und diese Stille gemeinschaftlich erleben", fasst der katholische Pfarrer den Gedanken zusammen. Um eine andere Saite im Bewusstsein und Leben anzuschlagen, müsse der Mensch Verzichten lernen. Also zum Beispiel Alkohol, Schokolade und Fleisch meiden.
Dass mit der Tradition des Fischessens an diesem Mittwoch das Gourmet-Verhalten vielerorts ungebremst weitergeht, sieht Hurtz durchaus kritisch. "Früher war der Fisch das schlichtere, gegenüber dem teuren Fleisch preisgünstigere Nahrungsmittel. Aber ich würde nie sagen: ,Esst Fisch, dann seid ihr auf der richtigen Spur des Fastens'."
Aschermittwoch sieht Hurtz als "Tag, der in mein Leben einschneidet, der eine tiefe Zäsur setzt." Gäbe es ein achtes Sakrament, so würde er gern das Aschekreuz als solches ansehen, gesteht Hurtz, der heute um 9.30 Uhr in St. Josef die Messe und um 18 Uhr den Gemeindegottesdienst in St. Marien zelebriert.
Sein Kollege Wolfgang Bußler von St. Vitus wird um 19 Uhr die Aschermittwochmesse in der Grabeskirche halten. Dabei werden die Altäre geschlossen sein, die Künstlerinnen Claudia Merx und Hildegard Zieger zeigen mit Tüchern eine Installation zum Thema "Es sterben immer nur die anderen". Bußler: "In der Fastenzeit geht es darum, auch mit Augen und Ohren zu fasten." Daher entfalle in der Liturgie bis Ostern der Preisgesang Gloria. Seine eigene Predigt will er dem Thema Schuld widmen.
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