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Mönchengladbach: Ein Tag wie kein anderer

VON A. GRUHN, C.LINGEN, J.SCHNETTLER, G.MANECKE, T.MEINDERS - zuletzt aktualisiert: 16.02.2010 - 17:08

Mönchengladbach (RPO). Es war ein langer Tag für alle Jecken in Mönchengladbach. Ein Tag wie kein anderer. Denn es gab viel zu tun. Das Protokoll des Veilchendienstags.

3.30 Uhr Der Wecker klingelt in der Wohnung von Eddy van Pottelberghe (60) in der Werfstraat in Brügge, Belgien. Aber es hilft nichts, er muss raus. Denn er wahrhaft Großes vor beim Veilchendienstagszug.

4.32 Uhr Eddy van Pottelberghe kommt gerade noch rechtzeitig zum Treffpunkt der „Husaren von Brügge”, einer Gruppe von 34 Jecken, die mit den größten Figuren beim Zoch in Gladbach mitlaufen wollen: den Riesen-Husaren, die van Pottelberghe vor Jahrzehnten konstruierte. Sie laden alle Kleinteile für die Figuren in den Bus, und um 5.20 Uhr biegt dieser mitsamt Anhänger auf die Autobahn. Eddy van Pottelberghe ist müde, trinkt Kaffee auf der Fahrt.

6 Uhr Klaus Krüger steht auf. Er frühstückt, bereitet sich auf den anstrengenden Tag vor. Gegen 10.45 Uhr setzt Krüger sich mit seinem Schank- und Getränkewagen in Bewegung in Richtung City.

7.15 Uhr Jonas Vits schreckt aus dem Schlaf hoch. Der Sohn des Prinzenpaares Holger I. und Niersia Kirsten ist vor lauter Aufregung eine Viertelstunde vor dem Wecker wach. Der Zehnjährige fährt bei seinen Eltern auf dem Wagen mit. Jonas schlurft in die Küche, wo die Oma bereits das Frühstück bereitet hat. Die Aufregung ist „sehr schlimm”.

7.45 Uhr Bei Désirée und Cyrill Peters klingelt der Wecker. Das Solomariechen der KG Rheer Muutzeköpp und ihr frisch gebackener Ehemann nehmen in der Prunkkutsche des MKV am Zug teil. Désirée ist etwas fahrig, benötigt einige Zeit, um sich die Haare zu machen.

9.30 Uhr Das Brautpaar macht sich auf zum Vereinlokal der Muutzeköpp, um mit der Garde zu frühstücken. „Langsam wird es kribbelig”, sagt Cyrill. Er darf zum ersten Mal die Uniform der KG tragen.

9.35 Uhr Die kleine Saskia (5) weckt ihre Schwester Rebecca (8). Sie wollen zum Zug, Kamelle sammeln. Sie wissen genau, wie das geht. Vom Veedelszoch in Gerkerath kehrten sie mit vollen Taschen nach Hause.

9.40 Uhr Der Reisebus mit den Husaren von Brügge biegt nach gut dreieinhalbstündiger Fahrt auf den Bismarckplatz ein. Es ist noch Zeit, denkt Eddy van Pottelberghe. Sie ruhen sich aus, der Tag wird lang.

11.25 Uhr Nach zwei weiteren Tassen Kaffee gibt Eddy das Zeichen: Die Gestänge für die Figuren, die Kleider, die riesigen Hände ­ alles muss raus aus dem Bus. Die 34 Helfer beginnen mit dem Aufbau. Um 12.30 Uhr stehen die meterhohen Riesen.

11.50 Uhr Kamellesammlerin Rebecca hat Bauchweh, aber sie will zum Zug. Mutter Martina Heußen zieht ihren Kindern Skianzüge an, darüber die Dalmatiner-Kostüme. Wenig später stehen sie am Berliner Platz und warten auf den Zug.

12 Uhr Harald Peters, der Vater der Braut, fährt mit einem Bus der NVV am Vereinslokal vor. Der Busfahrer bringt die Mitglieder der Gesellschaft zur Rathenaustraße.

12.15 Uhr Bella Peltzer vom MKV verteilt die Sammelclowns, in denen der Zuggroschen gesammelt wird, an rund 30 Helfer. Sie gehen im Zug mit und sammeln Spenden. Mit dabei ist Marion Schomm, Betreuerin der Frauen-Abteilung von Borussia Mönchengladbach. Sie macht an diesem Tag zwei Dinge: Sie sammelt Geld für den Zug und macht Werbung für die Frauen-WM 2011.

12.23 Uhr Wirt Michael Stapper schließt die Tür des St. Vith am Alten Markt auf. Er baut die Fässer auf, legt Schnaps nach, die Möbel hat er vorher schon rausgeräumt. Jetzt hängt er vor der Tür das Schild auf: „Stammgäste mit VIP-Karten dürfen als Erste rein.”

12.30 Uhr Stefanie Klein von der Tanz-AG der Hauptschule Kirschhecke sammelt ihre Fußgruppe um sich. Bereits im jecken elften Jahr ziehen die 22 Schüler im Zug mit.

12.40 Uhr Die Prunkkutsche fährt mit vier weißen Pferden am Bismarckplatz vor. Als Erste steigen die Ex-Prinzen Rolf Göttel und Hans Adams ein. Um 13 Uhr folgen Désirée und Cyrill Peters.

13.05 Uhr Jonas Vits klettert mit seinen Eltern auf den Wagen. Jetzt, wo er das närrische Volk von oben betrachtet, legt sich die Aufregung langsam. Am meisten freut sich der Zehnjährige darauf, „volle Pulle” Kamelle zu werfen. Ein paar Bälle will er horten ­ für seine Freunde.

13.20 Uhr Die Taschen der kleinen Kamellesammler Saskia und Rebecca füllen sich langsam. „Man muss nur immer ganz laut Halt Pohl rufen”, sagt Rebecca.

13.29 Uhr Die Prunkkutsche setzt sich in Bewegung. Das Brautpaar jubelt den Jecken zu und verteilt Haselnuss-Waffeln.

13.57 Uhr Marion Schomm tauscht ihren Sammelclown im Bus aus, der hinter ihr fährt. „Der ist schon so schwer geworden”, sagt sie. „Viele warten nur darauf, dass wir mit den Dosen kommen.” Bis zum Zugende leert sie die Dose noch einige Male.

14.10 Uhr Klaus Krüger kommt mit dem Bier-Zapfen kaum hinterher. Gemächlich zieht die Karawane durch die Lüpertzender Straße ­ und das Publikum hat Durst.

14.40 Uhr Glück im Unglück haben die Narren an der Lüpertzender Straße, als der Zug unvermittelt stoppt. Eine gute Viertelstunde geht nichts mehr. Doch die Wartenden werden gut unterhalten: Die Samba-Trommler von „Choco Branco” versetzen die Jecken vom schneebedeckten Niederrhein zum Karneval an die Copacabana.

14.41 Uhr Eddy van Pottelberghe hat das Schwerste geschafft: seinen Riesenhusar die Aachener Straße hinaufzuschieben und auf dem Alten Markt ausrollen zu lassen. Kurze Pause, gleich geht‘s bergab.

14.55 Uhr An der Bleichstraße wirft Jonas Vits seinem besten Freund Jannik Kamelle und Spielzeug zu ­ der hat sich extra dort postiert.

14.57 Uhr Rebecca und Saskia frieren am Zugweg. Mutter Martina Heußen sieht ein: Das hat keinen Zweck mehr. Die Familie fährt nach Hause, die Taschen sind voll. „Jetzt gibt‘s ein heißes Bad und dann einen Kakao”, sagt Martina Heußen.

15.10 Uhr Roland Cappel gehört zum ersten Trupp der GEM, die den Müll hinter dem Zug zusammenfegt. Vor zehn Minuten haben sich die drei Gruppen mit je zwei Fegern, einem Puster und einer Kehrmaschine aufgestellt. Der 46-Jährige nimmt seinen großen Reisigbesen und fegt Schnapsflaschen, Popcorntüten und Kamelle-Reste Richtung Kehrmaschine.

15.20 Uhr Laura Zimmermann aus der Tanz-AG schmeißt eifrig Kamelle. Sie sieht sich um: Unter ihren als Metermaßen, Knöpfen und Nadelkissen verkleideten Mitschülern herrscht beste Stimmung.

15.38 Uhr Michael Stapper steht am Eingang seines St. Vith, schaut auf den Zug. Hinter ihm tobt schon die Party, Gladbachs älteste Kneipe ist schon rappelvoll.

15.42 Uhr Die ersten Wagen kommen am Bismarckplatz an. Für Désirée und Cyrill Peters ist der Zug vorbei. „Ich bin ganz schön durchgefroren”, erzählt Désirée Peters.

15.50 Uhr Die Riesen-Husaren sind fertig ­ ihre menschlichen Begleiter auch. Eddy van Pottelberghe beginnt mit dem Abbau, dann geht‘s in eine Kneipe um die Ecke. Der Belgier bestellt ein Kölsch.

16 Uhr Klaus Krüger räumt die leeren Bierfässer zusammen. Der Dreck auf der Lüpertzender Straße ist zusammengekehrt, die Narren sind längst weitergezogen.

16.20 Uhr Die Sammelclowns kommen am Zugende an. Der Bus mit dem gesammelten Geld ist viel schwerer geworden. Ein Geldtransporter bringt die Spenden jetzt in die Volksbank.

18 Uhr Das Brautpaar der Rheer Muutzeköpp fährt mit der Garde zurück zum Vereinslokal, um den Hoppeditz zu beerdigen.

19.30 Uhr In einem Chinarestaurant in Holt trifft sich die Nähkästchen-

Quelle: RP

 
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