Mönchengladbach: Ein Teenager im Hörsaal
VON ELFI VOMBERG - zuletzt aktualisiert: 26.09.2007Mönchengladbach (RPO). Max Jendrasch ist 16 Jahre alt und studiert Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule Niederrhein. Er ist der erste Jungstudent, der Seminare besuchen und Prüfungen ablegen darf. Der Hochbegabte liebt Mathematik und Statistik. Der Schul-Unterricht war ihm schlicht „zu langweilig“.
„Max, trinkst du schon Kaffee?“, fragt die Dame an der Anmeldung. Die Antwort besteht aus heftigem Kopfschütteln. Der Junge, der dort noch etwas schüchtern im Sessel sitzt, sieht auch noch ziemlich jung aus. Um genau zu sein ist Max Jendrasch 16 Jahre alt und geht in die elfte Klasse. Doch er hat andere Dinge im Kopf als Jungs in seinem Alter: „Mathe, programmieren und Strategiespiele – das mache ich gerne in der Freizeit.“ Sein neues Hobby: studieren.
Seit diesem Semester ist Max Jendrasch der erste Jungstudent des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften der Hochschule Niederrhein. „Ich habe mir überlegt, wie man Zeit sparen kann, damit ich so früh wie möglich Geld verdienen kann“, erklärt der 16-jährige Schüler. Jeder andere Student würde über dieses Ansinnen nur verständnislos mit dem Kopf schütteln, doch Max Jendrasch freut sich schon darauf, sich in den Campus-alltag zu stürzen. Denn er hat ein Problem in der Schule: „Der Unterricht ist halt langweilig, ich kann das meiste schon. Im Studium muss ich bestimmt anfangen zu lernen. Das wäre mal eine Herausforderung.“
Rechte
Anlass Max Jendrasch ist der erste Schüler-Student bei der Hochschule Niederrhein.
Jungstudenten Die Schüler-Studenten dürfen ausgewählte Lehrveranstaltungen besuchen und auch Prüfungen ablegen. Sie zahlen keine Studiengebühren und besitzen keinen Studentenausweis.
Schon früh hatte Max mit Hürden in seinem Leben zu kämpfen: Als der Mönchengladbacher im zweiten Schuljahr war, wurde festgestellt, dass er hochbegabt ist. „Und von da an gingen die Probleme erst richtig los. Drei Grundschulen und drei Gymnasien probierten wir aus, aber überall eckte er an“, erzählt seine Mutter Marita und ergänzt: „Ich bin so froh, dass er trotzdem so optimistisch ist und seine Zukunft in die Hand nimmt.“ Heute geht der 16-Jährige auf die Hebo-Privatschule in Neuwerk. Für das Fach „Einführung in die Betriebswirtschaft“ und „Buchhaltung“ an der Hochschule wird er auch den Englisch-Unterricht in der Schule ausfallen lassen.
Unterrichtsausfall? Nicht schlimm!
„Das ist neben Mathe eines meiner besten Fächer, das ist nicht weiter schlimm“, winkt Max ab. Auch der Altersunterschied zu seinen Kommilitonen macht ihm nichts aus, betont der Teenager. „Ich komme sogar meistens besser mit älteren Leuten klar“, so Max Jendrasch, der ebenfalls im „Mensa“-Verein für hochbegabte Menschen Mitglied ist. „Wir werden auch versuchen, dass wir ihn nächstes Semester in einem Teamprojekt mitwirken lassen, damit auch engere Kontakte zu den Studenten entstehen“, erklärt Prodekan Professor Berthold Stegemerten vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Hochschule. Doch jetzt möchte Max erst einmal vorsichtig in den Studentenalltag reinschnuppern, denn immerhin steht im kommenden Schuljahr auch noch die mittlere Reife in der Schule an. Nicht, dass er schon seinen Bachelor in der Tasche hat, bevor seine Schulkameraden überhaupt mit dem Studium beginnen.
Apropos Schulkameraden – was sagen eigentlich die Schulfreunde zu dem frischgebackenen Jungstudenten? „Ach in der Schule habe ich das noch gar nicht so richtig erzählt“, erklärt Max Jendrasch bescheiden. Das dürfte nun anders sein.
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