Mönchengladbach: Ein Thriller aus Rheydt
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 19.01.2009Mönchengladbach (RPO). Ein Engländer hat in Rheydt seinen ersten Film gedreht. Eineinhalb Jahre arbeitete Matt James daran. Heraus kam die 8000 Euro teure Produktion "The Receptionist". Heute Abend ist die Premiere im Comet Cine Center.
Es war ein ziemlich verrückter Mann an der Rezeption eines Hotels im französischen Cannes. Einer, der allen irgendwie helfen wollte. Sich zumindest überall einmischte. Auch, wenn niemand es wollte. Der Hotelgast Matt James, ein Engländer aus Mönchengladbach, schaute sich den Herrn in Livree sehr genau an. Und da klingelte es bei ihm im Kopf: "Warum soll man daraus nicht einen Film machen können?"
Er tat es und darf heute Abend im Comet Cine Center Premiere feiern. Sein erster eigener Spielfilm. Er hießt: "The Receptionist", ein übernatürlicher Thriller.
Teufel oder Engel?
Wo gibt's den Film?
Premiere Heute Abend, 20 Uhr, Comet Cine Center, Viersener Str.
DVD Zu kaufen im Supermarkt im HQ oder im Internet unter www.middle-name-productions.de
Für Matt James (24), ein absoluter Filmfan und Student der Tontechnik, tat sich nur ein Problem auf: Wie macht man eigentlich einen Spielfilm? Die Story immerhin, die war fertig, als Matt James nach drei Wochen Urlaub das Hotel in Cannes wieder verließ. Was für ein glücklicher Zufall, dass sein Vater im HQ arbeitete. Er fragte nach bei der British Army Entertainment, eine Organisation, die britische Soldaten weltweit unterhält. Da müsste doch etwas zu machen sein.
Eineinhalb Jahre später: Es ist früher Sonntagmorgen, Matt James lehnt sich in einem bequemen Stuhl zurück und fährt sich durch die Haare. Die Vorpremiere, die hatte ihn doch arg mitgenommen. Er saß in seinem Kinosessel im HQ, die Leinwand flimmerte, und es kam kein Ton.
"Mein Gott, haben wir den Ton vergessen?" Fieberhaft suchte er nach dem technischen Fehler. Ein Fehler, und das bei der Vorpremiere des ersten eigenen Films. Matt James konnte es nicht fassen. Die Soldaten im Saal, sein erstes Publikum, wurden langsam unruhig. Nach ein paar Minuten war der Fehler gefunden. Nach 100 Minuten Film regnete Applaus auf Matt James nieder. Und Fragen: "Ist der Rezeptionist ein Teufel oder ein Engel?", "Sterben die alle?" Matt James beantwortet diese Fragen nicht. Er grinst.
Wenn Matt James von dieser Geschichte berichtet, dann machen sich hinter seinem schwarzen Bart noch immer Schock und Genugtuung breit. "Well", sagt er auf Englisch, "das ist eben die Natur von Independent-Filmen." Nur müsse das heute Abend, bei der richtigen Premiere, nicht wieder passieren. Er hatte doch so viel getan für seinen Traum vom ersten Spielfilm.
Das HQ gab ein bisschen Geld, die Wirtschaftsförderung Mönchengladbach gab ein bisschen Geld, das Parkhotel in Rheydt – Matt James wohnt um die Ecke – bot sich kostenlos als Drehort an. Hier und da sammelte Matt James etwas zusammen. 8000 Euro für 98 Minuten, für diesen Betrag gibt's vom letzten Batman-Streifen keine halbe Sekunde zu sehen. Die Hauptdarsteller, der Mönchengladbacher Musiker Axel Lindner und die Briten Charlotte Brind, Dave Reeves und James Bugler arbeiteten neun Tage umsonst. Das Projekt, dieser Rezeptionist aus Cannes, nahm nun eine ganz eigene Dynamik. Das Jugend-Sinfonie-Orchester spielte einen völlig neu komponierten Soundtrack ein, Musiker gaben ein paar Rock- und Popstücke.
Matt James' spontane Idee wurde wahr. Er wurde zum Drehbuchautor, Regisseur und Produzenten. Bald will er mit seiner neuen Filmfirma seinen zweiten Film in Gladbach drehen. Vom Filmfan zum Filmemacher. Das gibt's nicht einmal in Hollywood.
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