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Mönchengladbach: Eine Angelegenheit des Herzens

VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 18.11.2008

Mönchengladbach (RPO). Theater muss sein, und zwar mit allen drei Sparten! Gerade eine Stadt wie Mönchengladbach, die nach außen hauptsächlich mit Negativschlagzeilen auf sich aufmerksam macht und die auch intern vor sich hinjammert, weil keiner sie so recht mag, muss mehr für ihr Image tun als andere. Auch und gerade in Zeiten, in denen das kleine Licht am Ende des Tunnels sich gar nicht mehr zeigen mag. Wo sonst darf sich Phantasie frei entfalten, wenn nicht im Theater, in Museen, in Galerien, in Konzertsälen? Wo sonst ist die Freiheit des Denkens und Fühlens vorbehaltlos erlaubt, ja gefordert? Wo sonst ist Abschalten so schön, Weinen erlaubt, Lachen erwünscht? Wo sonst ist Herzensbildung noch ein wahrhaftiges Anliegen?

Traumtänzerin – höre ich es wispern. Wo kein Geld, da kein Luxus, heißt es. Die Stadt hat nicht nur kein Geld, sie hat annähernd 1,1 Milliarden Euro Schulden. Schließen wir doch das Theater, warum nicht auch das Museum Abteiberg mit all dem unverständlichen Zeugs drin! Wer braucht Galerien? Alles Quatsch! Alles Quatsch?

Um die 130 000 Besucher zählt unser Theater jährlich. Die Gäste sind zur einen Hälfte aus Gladbach, die andere Hälfte reist an. Aus Jüchen kommen sie, aus Grevenbroich, Heinsberg, Erkelenz, Hückelhoven, Kaarst, Linnich, Meerbusch, Neuss. Und vor allem die Ballett-Aufführungen locken regelmäßig auch niederländische Freunde der Tanzkunst aus Roermond und Venlo – sogar aus Amsterdam. Ja, und sie zahlen nicht nur ihren Eintritt, sie lassen auch den einen oder anderen Euro in der Stadt. Und sie reden über uns.

Wer (zurecht!) beklagt, dass Kinder und Jugendliche zu wenig Anleitung bekommen, um mit Zuversicht in die eigenen Fähigkeiten im Leben zu bestehen, sollte sich den Spaß gönnen, eine Kindervorstellung zu besuchen. Oder er sollte die Theaterpädagogen begleiten, wenn sie in Kindergärten und Schulen gehen. Oder bei einer Probe zuschauen, wenn junge Menschen sich auf die Bühne wagen – als Statisten. Mit Herzklopfen, wie die Großen. Hier ist er, der Gegenpol zu all dem Schrott, der per PC und TV Verdummung schafft und Überdruss. Wo sonst sollen die Kinder ein Gespür für und das Wissen um nationale und globale Kultur bekommen? 10,5 Millionen Euro investiert die Stadt in ihr Gemeinsschaftstheater. Vergleichbare Oberzentren wie Münster und Bielefeld, die sich Einzelspielstätten leisten, kommen damit bei weitem nicht aus.

Und die Theaterleute, all die Beschäftigten auf und hinter der Bühne? Das ist kein „fahrendes Volk“, das ab und zu in Gladbach einfällt, um ein Gastspiel zu halten. Die wohnen mit ihren Familien mitten unter uns. Zahlen Steuern, kaufen ein, sind ein Teil des sozialen Gefüges. Sie kennen die Probleme der Menschen, und sie wollen ihnen etwas schenken: Freude, Lebensmut, Nachdenklichkeit, Kritikfähigkeit, Weitsicht, Träume. Ganz ehrlich, ich möchte nicht in einer kulturlosen Stadt wohnen. Ich möchte meinen Freunden unsere Schlösser zeigen, unsere Museen, unser Theater. Und darauf stolz sein.

Quelle: RP

 
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