Mönchengladbach: Eine Pflanzenöl-Presse für Offinso
VON GARNET MANECKE - zuletzt aktualisiert: 28.12.2009Mönchengladbach (RPO). Mit einer Spende finanziert der Rotary-Club eine Ölpresse, die im Frühjahr nach Afrika verschifft wird. Um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, gewinnen die Frauen von Offinso in Ghana aus dem Fruchtfleisch von Palmfrüchten Öl und verkaufen es. Dank der Gladbacher Spende können die Frauen dann auch aus den harten Palmkernen wertvolles Öl produzieren.
Giesenkirchen Die Herstellung des Palmöls ist für die Frauen von Offinso in Ghana ein mühsames Geschäft. Mit Macheten rücken die Frauen den Früchten des Palmbaums zu Leibe, um an das Fruchtfleisch zu kommen. Das wird von den Palmkernen entfernt und ausgekocht. Das darin enthaltene Öl löst sich und schwimmt nach einer Weile auf der Oberfläche. Mit Kellen schöpfen die Frauen das Öl ab, um es anschließend zu verkaufen. "Aber an das wertvollere Öl in den Palmkernen kommen die Frauen nicht heran", erzählt Bernd Bader von Eine-Welt-Forum Mönchengladbach. Weil die Palmkerne zu hart sind, ist das Öffnen für die Frauen in Offinso zu schwer. Mit einer Ölmühle des Gladbacher Unternehmens IBG Monforts Oekotec wird sich das im kommenden Jahr ändern. Dank einer Spende des Rotary-Clubs werden die Frauen ab Frühjahr 2010 eine Pflanzenölpresse bekommen, mit der rund 100 verschiedene Ölsaaten gepresst werden können. Mit 20 bis 100 Umdrehungen pro Minute können damit fünf bis 35 Kilo Keimkerne pro Stunde gepresst werden.
Der Kontakt zum Rotary-Club entstand über den Club-Präsidenten Dr. Bodo Assert. "Wir haben uns auf einer Veranstaltung getroffen und kurz über das Projekt gesprochen", erzählt Bernd Bader. Assert hat seinen Rotary-Freunden das Projekt vorgestellt und ist dort auf breite Zustimmung gestoßen. "Erste Spenden dafür sind schon eingegangen", freut sich Rotarier Dr. Erwin Münch. Insgesamt werden 15 000 Euro benötigt, um die Mühle und einen Stromgenerator nach Offinso zu verschiffen.
Seit 2004 ist das Eine-Welt-Forum, ein Zusammenschluss von 20 Mönchengladbacher Hilfsorganisationen, in Offinso aktiv, um Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Initiiert wurde das Engagement durch die Aktion Friedensdorf, die bereits vor 20 Jahren erste Schulen für Behinderte in Offinso baute. "Bisher haben wir auf den Gebieten Gesundheit, Schulen und Theater gearbeitet", sagt Bader. "Jetzt sind wir sehr dankbar, dass wir ein Projekt finanzieren können, mit dem Arbeitsplätze entstehen." Denn mit der Ölmühle können die Frauen in Offinso nun das wertvollere Palmkernöl gewinnen. Mit dem Verkauf bestreiten sie den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder.
Von den rund 20 Meter hohen Palmbäumen müssen die Fruchtbündel heruntergeholt werden. Rund sechs solcher Bündel bringt ein ausgewachsener Palmbaum pro Ernte hervor. Das sind bis zu 2000 Einzelfrüchte po Bündel. Mit Macheten schlagen die Frauen das Fruchtfleisch von den Kernen. Um an die harten Palmkerne zu kommen, müssen die Nüsse mit Steinen aufgeschlagen werden. "Wenn sie das höherwertige Öl des Palmkerns jetzt gewinnen wollen, müssen sie die Kerne rösten, zermahlen und kochen", beschreibt Bader das aufwendige Verfahren. "Für die Menge, die sie gewinnen können, ist der Aufwand zu hoch." Deshalb werden die Kerne zurzeit weggeworfen.
Die Einwohner von Offinso freuen sich schon auf die Pflanzenölpresse aus Mönchengladbach. "Das Interesse ist riesig. 80 Palmbauern haben sich schon registrieren lassen, um sich an dem Projekt zu beteiligen", erzählt Bader. Das kann sofort starten, wenn die Ölmühle installiert ist. "Die einfache Bedienung macht es möglich, dass auch ungelernte Kräfte mit der Mühle arbeiten können", erklärt Dirk Skuras, Geschäftsführer der IBG Monforts Oekotec. Das Unternehmen hat mit einem Sonderpreis die Spende möglich gemacht.
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