Mönchengladbach: Eine Reise ins Innere der Borussia
VON SEBASTIAN DALKOWSKI - zuletzt aktualisiert: 24.07.2010Mönchengladbach (RPO). 20 RP-Leser sahen bei der gestrigen Führung durch das Stadion der Borussia Räume, die sonst kein Gast zu Gesicht bekommt. Und der sechsjährige Maurice machte sogar eine Ansage durch Stadionmikrofon. Der Inhalt war für Borussen-Fans allerdings wenig erfreulich.
Maurice ist sechs Jahre alt und hat die Chance, Borussia endlich mal wieder ein Spiel gegen Bayern München gewinnen zu lassen. Er steht im Regieraum des Stadions im Nordpark und spricht eine Durchsage ins Mikro – vielmehr noch: Er kommentiert das Spiel Borussia gegen Bayern, das gerade nur in seinem Kopf abläuft.
Maurice gehört zu den Jüngsten bei der Führung durchs Borussia-Stadion. 20 Teilnehmer haben bei der Veranstaltung, die zur RP-Aktion "Gladbach mal anders" gehört, die Gelegenheit, die Teile der Anlage zu sehen, die bei normalen Stadionführungen niemand sieht. Seitdem der kleine Maurice weiß, dass er an diesem Tag eine Stadiondurchsage machen darf, übt er ununterbrochen, erzählt seine Nachbarin Hannelore Wiktorin lachend, die ihn auf der Tour begleitet. Auch zuhause kommentiere er gerne die Fußballspiele, die im Fernsehen laufen.
Nur die Borussia-Kabine ist tabu
Die Führung übernimmt ein Mann, der das Stadion kennt wie kein anderer Borusse. Anton Häring ist technischer Leiter des Stadions und verkündet gleich zu Beginn: "Nur die Kabine der Heimmannschaft ist tabu, es könnte ja sein, dass dort jemand nackt herumläuft." Die erste Station ist der Raum für Pressekonferenzen, in dem Häring einen kurzen Film aus der Vergangenheit des Vereins zeigt. Von dort geht es weiter durch den Spielertunnel ins Stadion. Häring wirft die Anlage an, "Die Elf vom Niederrhein" erklingt.
Auf dem Rasen ist allerdings nicht die gegnerische Mannschaft, sondern der Platzwart, der heute Greenkeeper heißt und auf einem Rasenmäher über das Grün fährt. So modern das Stadion auch ist, das verrostete Schild, das das Betreten des Rasens untersagt, macht den Eindruck, als sei es vom Bökelberg mitgenommen worden. Dann führt Häring die Teilnehmer in die Kabine der Gäste. Die schlichte Ausstattung beschreibt er so: "Die Spieler sollen hier geerdet werden." Ein Entmüdungsbecken gibt es allerdings auch für die gegnerische Mannschaft – 39 Grad warm ist das Wasser, 45 Grad die Luft.
Durch einen Technikraum mit Heizanlage geht es weiter durch die Katakomben zum Polizeigewahrsam: drei Zellen mit echten Gefängnistüren, auf dem Empfangstresen liegen Handschellen. Zuschauer, die vor oder während eines Spiels ein bisschen zu sehr auf die Pauke hauen, können sich dort beruhigen. Über Nacht bleibt keiner. Häring erinnert sich noch an den ersten Insassen beim Spiel gegen Borussia Dortmund im Sommer 2004: "Der hatte nämlich Durchfall."
Dann wird es luxuriös: Zunächst marschieren die Gäste durch den VIP-Club. 220 Euro kostet dort am Spieltag der Eintritt inklusive Blick auf den Rasen. Angenehmer lässt es sich nur noch in einer der Lounges aushalten, die die RP-Leser bei der Führung ebenfalls von innen sehen. Bevor sie dann noch den Raum der Polizei sehen, geht es zur Stadionregie. Ein Junge schaltet die Stadionleinwand ein, ein anderer die Scheinwerfer. Und Maurice darf ins Stadionmikro sprechen. Schnell lässt er Gladbach in Führung gehen, doch oh weh, Bayern schießt noch den Ausgleich. Chance vertan.
Fernsehen Den TV-Bericht zur Stadionführung sehen Sie am Montag ab 18 Uhr im Lokalfernsehsender CityVision. oder ab 19.30 Uhr unter www.city-vision.de.
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