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Mönchengladbach: Eintritt für Veilchendienstagszug

zuletzt aktualisiert: 25.02.2009 - 11:18

Mönchengladbach (RPO). Der Karnevals-Boss Bernd Gothe zieht das Resümee der Session und blickt nach vorne: Er spricht über neue Einnahmequellen für den Karneval, Veranstaltungen, die sich überlebt haben, das kommende Prinzenpaar und die Suche nach seinem Nachfolger.

Karnevalsboss Bernd Gothe.  Foto: RPO
Karnevalsboss Bernd Gothe. Foto: RPO

Lieber Bernd Gothe, wir sind ziemlich in Sorge um Sie.

Gothe Warum, mir gehts prima.

Eben. Die Session ist vorbei, und normalerweise können Sie um diese Zeit nur noch krächzen. Diesmal sind Sie noch immer gut bei Stimme. Was ist passiert?

Gothe Ich habe viel für meine Stimme getan: Möglichst nichts Kaltes getrunken, viele Salmiakpastillen gelutscht, immer einen Schal getragen, ein paar Medikamente genommen. Und ich habe die Mikrofone anders einstellen lassen, damit ich nicht so laut sprechen muss. Dieses Jahr sind ja wegen der Wahlen so viele hinter meiner Stimme her, da darf ich sie einfach nicht verlieren.

Sie geben bei ihren vielen Auftritten gerne Kommentare zur politischen Situation in der Stadt ab. Ist das im Wahljahr leichter oder schwieriger?

Gothe Eindeutig schwieriger. Denn ich habe viele Freunde in der Stadt und versuche wegen der Wahl, ausgeglichen zu bleiben. Darum zolle ich – bei aller Kritik – auch immer wieder Lob. Wenn zum Beispiel die Bezirksvorsteher über Dienstwagen nachdenken, halte ich ihnen das vor. Und beglückwünsche später Norbert Post, wenn er ein Machtwort gesprochen hat.

Machtworte im Karneval sprechen in dieser Stadt nur Sie. Haben Sie schon entschieden, wer das nächste Prinzenpaar wird?

Gothe Nein, aber es gibt schon Bewerbungen.

Wie bewirbt man sich denn als Prinzenpaar?

Gothe Zum Beispiel schriftlich. Ich werde noch einige Vorgespräche führen.

Und auf die Bewerbungsbilder gucken?

Gothe Natürlich. Wir sind Vorreiter am gesamten Niederrhein, und deshalb muss unser Prinzenpaar auch optisch hervorragend sein.

Was ist, wenn Sie zu Ende sondiert haben?

Gothe (lacht) Dann gibt es wieder eine einsame Entscheidung.

Mit Ihrer Wahl dieses Jahr haben Sie richtig gelegen, oder?

Gothe Wir hatten zwei tolle Prinzenpaare, die viel Herz in die Säle gebracht haben. Der Prinz war sehr wortgewaltig, oft sind sonst ja die Frauen die offensiveren. Die Niersia war sehr charmant – und beide zusammen hervorragende Repräsentanten. Mir war wichtig zu zeigen, dass Karneval nicht nur etwas für die oberen 10 000 ist. Unsere 46 Gesellschaften sind die Basis des Mönchengladbacher Karnevals. Darum sollten auch die Aktiven aus den kleinen Gesellschaften die Möglichkeit haben, Prinz und Niersia zu werden.

Sie haben in dieser Session Neues ausprobiert: Den Austausch von Wirtschaft und Karneval und die Nostalgiesitzung. Ihr Fazit?

Gothe Beides werden wir fortsetzen. Von der Idee "Karneval meets Business" bin ich besonders angetan. Es gibt schon Interessenten, die einen solchen Empfang ausrichten wollen. Den Austausch mit den heimischen Unternehmen werden wir auf jeden Fall intensivieren.

Auch, um dem Karneval die Einnahmen zu sichern?

Gothe Natürlich. Das war ja die Ursprungsidee der Nostalgiesitzung. Auch sie war bei kleinen Macken ein voller Erfolg. Die Firmen helfen uns auch auf andere Weise. Zum Beispiel, indem sie, wie SMS Meer, einem ihrer Angestellten ermöglichen, Prinz zu werden.

Manche Veranstaltungen haben massiv Zuschauer verloren. Macht Ihnen das Sorgen?

Gothe Das muss man differenzieren. Wir kommen schon noch auf unseren Schnitt, insgesamt vielleicht mit leichten Verlusten. Aber es hat sich verlagert. Die Damensitzungen waren praktisch alle ausverkauft. Auch die Herrensitzungen laufen hervorragend. Bei den Abendsitzungen ist es zum Teil um bis zu 20 Prozent weggebrochen.

Was hat Sie während der Session enttäuscht?

Gothe Die Seniorensitzungen waren nicht so gut besucht. Da würde ich mir wünschen, dass die Kinder ihre Eltern zum Karneval mitnehmen. Und auch die Biwaks hatten wenig Resonanz. Vielleicht ist diese Form nicht mehr zeitgemäß. Wir sollten darüber nachdenken, ob wir mit einem auskommen und sich die Garden abwechseln. Stattdessen hätte ich gerne eine Veranstaltung, bei der sich Aktive aus allen Gesellschaften treffen. Das geht natürlich nur, wenn an dem Termin niemand sonst eine Sitzung veranstaltet.

Es wird immer schwerer, den Veilchendienstagszug finanziell zu stemmen. Wie soll das in Zukunft gehen?

Gothe Es war ein großer Kraftakt dieses Jahr, wobei es uns gelungen ist, die Qualität noch zu verbessern. Wir werden auch angesichts der Wirtschaftslage kaum noch mehr Sponsorengelder bekommen. Bleiben zwei Wege: Noch mehr Eigenleistung der Gesellschaften und ganz neue Einnahmequellen.

Zum Beispiel?

Gothe Ich kann mir vorstellen, von den Zuschauern einen Euro Eintritt für den Zug zu nehmen. Das ist organisatorisch sehr schwierig abzuwickeln, aber den Menschen vom Ansatz her meiner Meinung nach zumutbar. Es wird wohl auf Dauer nicht mehr reichen, dass wenige ganz viel geben. In Zukunft müssen viele einen Obulus beitragen – auch wenn der dann nur ganz klein ist.

Sie wollen das Amt als MKV-Vorsitzender in zwei Jahren niederlegen. Wer soll der neue Big Boss werden?

Gothe Zwei Jahre sind noch eine lange Zeit, um eine geeignete Persönlichkeit zu finden. Letztlich wird jemand ins kalte Wasser springen müssen. Richtig vorbereiten kann man sich auf diese Aufgabe nicht. So ging es mir damals auch vor 22 Jahren. Den Stand, den ich heute habe und zu dem dann auch gehört, sich öffentlich mal flapsig über Politik äußern zu können, habe ich mir über lange Jahre erarbeitet.

Ralf Jüngermann führte das Gespräch.

Quelle: RP

 
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