Mönchengladbach: Eltern wollen Vollzeit-Kita
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 18.02.2009Mönchengladbach (RPO). Seit einem Jahr können Eltern einen Halbtags-Kindergartenplatz buchen. Doch das 25-Stunden-Angebot kommt so wenig an, dass es vielerorts komplett gestrichen wurde. Stattdessen boomt die 45-Stunden-Betreuung.
Beate Reiners leitet die Kindertagesstätte "Muki I" in Rheydt mit zwei Gruppen. Alle Kinder werden dort 45 Stunden in der Woche betreut. Ein anderes Buchungsangebot gibt es nicht, auch wenn das neue Kindergartengesetz dies zulässt. "Wir haben bei unseren Eltern den gewünschten Betreuungsbedarf abgefragt, und das kam dabei heraus", berichtet Beate Reiners. Ganz selten kämen schon einmal Nachfragen nach einer 35-Stunden-Betreuung, 25 Stunden habe noch keiner verlangt.
"Damit kommt keine berufstätige Mutter aus, auch nicht, wenn sie einen Halbtagsjob hat", weiß die Kindergartenleiterin. Denn oft arbeiten die Frauen im Wechseldienst, Vormittagsjob seien selten, Arbeitgeber verlangten immer mehr Flexibilität von Beschäftigten. Beate Reiners: "Heute kann keine Frau mehr ihrem Chef sagen: ich muss jetzt aber gehen, weil ich mein Kind am Mittag aus der Kita abholen muss."
Die gleiche Erfahrung hat auch Hildegard Rick, Leiterin der Kita Nimmersatt in Pesch, gemacht: "Wir haben auch Lehrer-Ehepaare, die 45-Stunden gebucht haben, weil sie oft nachmittags Konferenzen und Besprechungen haben." Die Gesellschaft habe sich geändert. "Früher blieben die Frauen, wenn sie ein Kind bekamen, die erste Zeit ganz selbstverständlich zu Hause. Wer heute einen gut dotierten Job hat, versucht schnell wieder einzusteigen, weil die Chancen dann besser sind", sagt Hildegard Rick.
In vielen Familien müssen allein aus finanziellen Gründen beide Elternteile arbeiten. Weil der Bedarf an einer 45-Stunden-Betreuung so hoch ist, wurde das Angebot in ihrer Kita erweitert. In der U3-Betreuung gab es vorher zehn 35-Stunden-Plätze, ab dem neuen Kindergartenjahr gibt es fünf 35-Stunden- und fünf 45-Stunden-Plätze. Dazu kommen noch die Plätze in den anderen Kindergartengruppen. Eine reine Vormittagsbetreuung gibt es auch bei "Nimmersatt" nicht.
1100 Plätze waren in der Stadt ursprünglich für eine 25-Stunden-Betreuung vorgesehen. "Entgegen der ursprünglichen Annahme im Land fand das neue Angebot aber nur wenig Resonanz", sagt Jugendamtsleiter Reinhold Steins. Ein Jahr nach Kibiz muss die Stadt nun beim Betreuungsumfang nachbessern: Insgesamt wird es im neuen Kindergartenjahr nur noch 898 "Kurzzeit-Kita-Plätze" geben, wie gestern Abend im Jugendhilfeausschuss bekannt gegeben wurde. In einigen Stadtbezirken verschwindet das Angebot sogar ganz – beispielsweise in Giesenkirchen. Dafür wird die 45-Stunden-Betreuung erheblich ausgeweitet. Statt bisher 1720, gibt es ab August 2693 Plätze.
Die Ausweitung des Betreuungsumfangs sowie der U3-Plätze schlägt sich als Mehrbelastung im städtischen Haushalt nieder. Rund 479.000 Euro kommen zur Ausgabenseite hinzu.
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