Mönchengladbach: Endzeitstimmung am Bahnhof
VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 20.06.2008Mönchengladbach (RPO). Leere Läden, gammelige Spanplatten an der Fassade, schmuddelige Gänge: Der Hauptbahnhof Rheydt ist ein Schandfleck. Die Bahn will sich nicht dazu äußern, ob sie irgendwelche Pläne für ihr Gebäude hat.
Die alte Dame tritt aus der Einganghalle des Rheydter Hauptbahnhofs. Sie schaut auf die große Bahnhofsuhr. „Sie funktioniert. Sonst war das Ding immer kaputt“, murmelt sie und geht Richtung Innenstadt davon. Vorbei am leeren Ladenlokal der ehemaligen Bahnhofskneipe Töff-Töff, vorbei an Pressspanplatten, die an der Fassade vor sich hin gammeln und an den schon schmutzigen Scheiben des verlassenen Universum-Kinos. Der Rheydter Hauptbahnhof könnte wunderbar als Kulisse für einen Nachkriegsfilm herhalten. Als Visitenkarte zur Stadt ist er aber nicht geeignet.
Digitale Anzeigen fallen aus
Fahrgäste, Rheydter Geschäftsleute und Politiker schimpfen schon lange über den Zustand des Bahnhofs: Es gibt keine Toiletten mehr, Kippen liegen herum, die Unterführung – immerhin der Nachtzugang – stink nach Urin. Die Beleuchtung fällt immer wieder aus, ebenso die digitalen Anzeigentafeln.
Bahnhofsgeschichte
Streit gab es zuletzt um die Bezeichnung Hauptbahnhof. Die Rheydter Station sollte laut Verkehrsministerium, Deutscher Bahn und dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr ein normaler Bahnhof werden. Politiker und Bürger wehrten sich heftig. Mit Erfolg.
Kurios In Gladbach gibt es zwei Hauptbahnhöfe, weil bei der Gebietsreform 1975 der Rheydter Bahnhof nicht umbenannt wurde.
Auch Verspätungen seien an der Tagesordnung. Vor einiger Zeit haben Vertreter der Bahn einen Rundgang durch das Gebäude gemacht. Vor allem die Bahnhofskneipe wurde inspiziert. Töff-Töff-Wirt Reinhold Biewald bekam nach 22 Jahren die Kündigung von der Bahn. Dann sollte Mc Donalds dort einziehen, doch die Fast-Food-Kette sagte offenbar ab.
Die Bahn hüllt sich über den vernachlässigten Hauptbahnhof in Schweigen. Selbst auf mehrmalige Nachfrage konnte oder wollte niemand der Zuständigen etwas über mögliche Pläne sagen. Falls es überhaupt Pläne gibt.
In der Halle setzt sich die Tristesse der Fassade fort. Lediglich eine Bäckerei sowie ein Zeitschriften- und Buchhandel sind noch da. „Die Kunden finden es bedauerlich, was hier passiert. Sie fragen, ob wir auch bald wieder ausziehen. Das tun wir natürlich nicht“, sagt Heike Breuer, Verkäuferin bei Hobergs Bäckerei. Denn es war gerade der Bäcker, der vor einiger Zeit neu eingezogen war und für mehr Angebot sorgte. Sonst gibt’s nur noch einen Süßigkeiten-Automaten für die Reiseverpflegung.
Ein bisschen abseits sind ein Blumengeschäft und einen Schildermacher. „Wie es hier weitergeht wissen wir nicht, von der Bahn kommen keine Informationen. Das ist alles sehr traurig“, sagt Leonarda Müller, Inhaberin des Blumengeschäftes. „Wenn man aus dem Geschäft raus geht, ist alles so tot“, beschreibt sie. Ingrid Kaiser fällt auch nichts Gutes zum Bahnhof ein. „Überall sind Schmierereien, oft sind Betrunkene da, alles wirkt sehr trostlos. Und abends, wenn ich im Dunkeln zurückfahren muss, ist es richtig unangenehm“, sagt sie. Die Krefelderin pendelt täglich zu ihrem Arbeitsplatz nach Rheydt. „Natürlich hoffe ich auch, dass sich bald was tut. Aber ich glaube, die machen den Hauptbahnhof irgendwann einfach dicht.“
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