Mönchengladbach: Erinnerungen an einen Serienmörder
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 25.09.2009 - 11:14Mönchengladbach (RPO). Als 1984 in Mönchengladbach einer der spektakulärsten Mordfälle geklärt wurde, war Hennes Jöris 34 Jahre alt und Kriminaloberkommissar. Damals war er maßgeblich daran beteiligt, dass der Serienmörder Kurt S. geschnappt wurde, der sechs Menschen tötete und anschließend ausweidete.
Das ist jetzt 25 Jahre her. Hennes Jöris, der gerade seinen 60. Geburtstag feierte und mittlerweile Erster Kriminalhauptkommissar ist, kann sich noch sehr gut an den Fall erinnern. Und: Er steht noch im Kontakt zu Kurt S., den er regelmäßig im Gefängnis besucht.
Der Serienmörder und der Kommissar – eine seltsame Beziehung und eine interessante Geschichte, der die Wochenzeitung „Die Zeit“ jetzt ein Dossier widmete. Auf vier Seiten wird der schaurige Mordfall, den die Rheinische Post vor dreieinhalb Jahren noch einmal aufrolle, erneut erzählt.
Abneigung gegen einen Serienkiller? „So etwas darfst du nicht zeigen, sonst sind die Schotten dicht“, sagt Hennes Jöris. Nur über das Vertrauensverhältnis, das der Kommissar damals gegenüber Kurt S. aufbaute, lies sich der Fall lösen. In den wochenlangen Verhören schilderte Kurt S. dem Kriminaloberkommissar alle seine Morde minutiös. „Er führte uns zu einem Ort, wo noch eine Leiche begraben war. Er malte Waldwege exakt auf und konnte sich an viele Details erinnern“, sagt Jöris.
Zur Rekonstruktion wurden Tatorte maßstabsgetreu nachgebaut. Zu den Verhören brachte der Polizist dem Serienmörder abgebrannte Streichhölzer mit. Tausende. Daraus bastelte Kurt S. Segelschiffe. Die stehen auch heute noch im Büro des Ersten Kriminalhauptkommissars.
Es gibt Kollegen, die nicht begreifen, warum Jöris die alten Modell-Boote nicht längst aus Regal verbannt hat. Schließlich, so argumentieren sie, stammen sie ihrer Meinung nach von einer „Bestie“. Jöris sieht die Schiffe ganz anders. Für den 60-Jährigen sind sie keine „Gruselrelikte“, sondern Zeichen eines Erfolgs.
Und da ist noch etwas: Kurt S. habe nicht aus Habgier getötet, und er habe sich auch nicht herausreden wollen. Wahrscheinlich wollte er von seiner Schuld und seinem Trieb erlöst werden – und Jöris war der Helfer, den er dazu brauchte.
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