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Mönchengladbach: Erol P. gesteht Doppelmord

VON INGRID KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 15.11.2007

Mönchengladbach (RPO). „Ich habe etwas ganz Schreckliches getan. Ich würde es gern ungeschehen machen.“ Erol P., der am 9. März seine Frau und seine Tochter tötete, ließ gestern durch seinen Verteidiger ein seitenlanges Geständnis verlesen.

Das Gericht hat gegen die Berufung auf religiöse Gründe entschieden. Foto: RPO
Das Gericht hat gegen die Berufung auf religiöse Gründe entschieden. Foto: RPO

Wie bei einer Hinrichtung soll der Mann mit dem kahlen Schädel damals die beiden Frauen an der Frankenstraße erschossen und außerdem auf seinen zwölfjährigen Sohn gezielt haben. Der Junge konnte sich hinter einem Fahrzeug in Sicherheit bringen.

Erol P. erinnere sich nur noch nebelhaft an die Tat vor dem Haus, in dem seine Frau Rukiye (37) mit den drei Kindern lebte. Nach einem familienrechtlichen Streit vor dem Rheydter Amtsgericht war die Familie nach Hause gefahren. Der Angeklagte, der nach einer 20-jährigen Ehe von der Mutter seiner Kinder getrennt lebte, tauchte damals ebenfalls an der Frankenstraße auf. „Sie hatte mir die Kinder verweigert. Die Kinder wollten plötzlich nichts mehr von mir wissen“, erinnerte sich der Mann mit der türkisch-niederländischen Staatsangehörigkeit.

Info

So geht’s weiter

Weitere Verhandlungstage sind für den 21., 26., 28., und 29. November angesetzt. Beginn ist jeweils um 9.15 Uhr.

Mehr zum Thema unter www.rp-online.de/moenchengladbach

Ehe wurde arrangiert

Den Doppelmord gestand Erol P. gestern ein, aber über den ebenfalls angeklagten Mordversuch an dem Sohn Okan verlor er kein Wort. In einer zweiten Anklage wirft ihm der Staatsanwalt vor, eine Schwägerin vergewaltigt zu haben. In diesem Fall sieht sich 39-Jährige offensichtlich ohne Schuld. „Mit der Schwägerin hatte ich Sex, wann immer es möglich war“, ließ er gestern ebenfalls vortragen. Im übrigen wolle er sich nunmehr auf Anraten seiner Anwälte von einem psychiatrischen Gutachter untersuchen lassen.

An seine Kindheit in der Türkei und später in den Niederlanden erinnerte sich der Angeklagte negativ. Er sei mit vielen Geschwistern aufgewachsen: „Wir mussten früh arbeiten .“ Nur ein Bruder habe es zu einem Schulabschluss gebracht. Die Mutter sei Analphabetin.

Die Ehe mit der getöteten Rukiye sei von seinen Eltern arrangiert worden. „Als Kind mochte ich sie nicht. Später habe ich mich in sie verliebt“, erinnerte er sich gestern nahezu emotionslos. Dass die große Liebe in der Ehe offenbar nicht allzu lange gehalten hat, machte die Aussage einer Schwester von Rukiye deutlich. Durch einen Handyanruf erfuhr die 28-Jährige am Tattag von dem schrecklichen Verbrechen an Schwester und Nichte.

„Wir fuhren zur Frankenstraße. Alles war abgesperrt. Da lag sie“, so die Zeugin. Der zunächst liebevolle Schwager habe bald seine Maske fallen lassen: „Er hat meine Schwester geschlagen und eingesperrt.“ „Ich bin dein Gott“, soll er die Mutter seiner Kinder eingeschüchtert haben.

Im Streit um das Sorgerecht lehnte Erol P. am 9. März den Vorschlag des Rheydter Familienrichters ab. Mit einem gemeinsamen Wochenende im Monat mit den Kindern war der 39-Jährige keineswegs einverstanden. „Die Verhandlung wurde vertagt. Weinend verließ Erol P. den Gerichtssaal“, erinnerte sich gestern eine Mitarbeiterin des Jugendamtes. Der wütende Mann fuhr zur Frankenstraße und nahm die Waffe aus der Tasche, die er zuvor von einem Dealer gekauft hatte.

Quelle: RP

 
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