Mönchengladbach: Erol P.: Simulant oder krank?
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 30.11.2007Mönchengladbach (RPO). „Wir durften nichts tun ohne seine Einwilligung. Er hatte das Sagen, und ich hatte mich unterzuordnen. Ich habe sehr große Angst vor meinem Mann.“ Das sagte Rukiye P. 2006 bei der Polizei aus, sechs Monate, bevor sie und ihre Tochter sterben mussten. Ihr Ehemann erschoss sie im März auf offener Straße.
„Er drohte mit einem Bromesser“
Richter Lothar Beckers las gestern im Doppelmord-Prozess die Aussagen der getöteten Rukiye P. vor, die sie im September vergangenen Jahres machte, nachdem sie sich entschlossen hatte, Strafanzeige gegen ihren gewalttätigen Ehemann zu stellen. Darin schildert die damals 36-Jährige, dass Erol P. sie häufig geschlagen habe. „Er war immer aggressiv.“ Ab 2006 habe er sie ständig mit einem Messer bedroht. „Es war ein Brotmesser aus unserer Küche.“ Nachts habe ihr Mann sich auf dem PC stundenlang Erotik-Seiten angeschaut, und sie dann anschließend zum Geschlechtsverkehr gezwungen. „Für ihn gab es kein Nein. Er nahm sich, war er wollte.“
Auch Tochter Derya hatte im September 2006 eine Aussage gemacht. Auch sie berichtete, dass ihr Vater ständig aggressiv gewesen sei. Das habe sie ebenfalls zu spüren bekommen. „Er hat immer einen Grund gefunden, mich zu schlagen.“
Erol P. ließ dagegen gestern im Prozess über seinen Anwalt aussagen, dass er seine Hand nicht gegen seine Frau erhoben habe. Das hätte schon allein die soziale Kontrolle durch die Familie nicht zugelassen.
Nachdem Aufenthalt Rukiye P.s im Frauenhaus zog ihr Mann zurück zu seiner Familie in die Niederlande. Dort ließ er sich wegen Depressionen erwerbsunfähig schreiben. Bei einem Arzt hatte er geschildert, das er voller Probleme und sehr angespannt sei. „Er hat die Trennung nicht verarbeitet und war verschuldet“, sagte gestern der behandelnde Hausarzt in den Niederlanden aus.
Der Mediziner schickte Erol P. zu Sozialarbeitern, doch die rieten dringend, dass er sich an eine „Instanz für geistige Gesundheit“ wenden solle. Ein niederländischer Psychologe, der Erol P. nach einem einstündigen Gespräch arbeitsunfähig schrieb, sagte vor Gericht, dass Erol P. nach zwei Suizidversuchen ein Gefühl der Aggression gegen sich selbst hegte. Er attestierte eine „verdeckte Persönlichkeitsproblematik“. Familienmitglieder von Rukiye P. hatten vor Gericht ausgesagt, dass Erol nur simuliert habe, um an die Erwerbsunfähigkeitsrente zu kommen. Der Prozess wird forgesetzt.
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