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Mönchengladbach: Erste Liebe sollte im Tod enden

VON KERSTIN DE HAAS - zuletzt aktualisiert: 28.03.2008 - 12:35

Die Gasexplosion in einem Mönchengladbacher Wohnhaus vor knapp drei Wochen war ein Liebesdrama. Der 22-jährige schwer verletzte Hausbewohner, der wegen des Verdachts auf Mordversuch festgenommen wurde, hat die Gasleitung manipuliert, weil seine 17-jährige Freundin ihn verlassen hatte. Als sie ihre Sachen abholen wollte, flog das Haus in die Luft. Ein 45-jähriger Bewohner kam dabei ums Leben, 15 weitere Menschen wurden verletzt.

 Foto: RP, Detlef Ilgner
Foto: RP, Detlef Ilgner

Polizei und Staatsanwaltschaft gaben heute Mittag in einer Pressekonferenz Einzelheiten bekannt. Schon am Explosionstag, Sonntag, 9. März, seien die Ermittler in den Trümmern auf eine Gastherme gestoßen, an der die Verschraubungen gelöst worden waren.

Sie stammte aus dem Anbau des Hauses am Siepensteg 11 im Erdgeschoss. Dort wohnte der 22-jährige Sascha H., der am Wochenende seine Freundin Jasmin G. aus Essen zu Besuch hatte. Die beiden hatten sich vor anderthalb Jahren übers Internet kennen gelernt. Für Sascha H. war es die erste Freundin.

Ein Streit am Vortag

"Das Paar hat eine harmonische Beziehung geführt", berichteten Verwandte, Freunde und Kollegen des Mechatronikers und der Schülerin, wie die Polizei mitteilte. "Doch dann haben wir erfahren, dass es in der Beziehung kriselte, und die junge Frau überlegte, sich zu trennen", sagte Friedhelm Schultz, Leiter der Mordkommission. "Ein Zeuge sprach von einer massiven Unstimmigkeit am Samstag vor der Explosion."

Sascha H. soll zu der Gastherme im Wohnzimmer gegangen sein und mit Werkzeug daran "herumgefummelt" haben. "Wenn du dich umbringen willst, dann mach das alleine!", soll Jasmin G. zu ihm gesagt haben. An diesem Samstag verließ sie die Wohnung. 100 Mal hat Sascha H. danach versucht, sie telefonisch zu erreichen, doch Jasmin G. hatte ihr Handy ausgeschaltet. "Am Sonntag ist es zu fünf Gesprächen gekommen", teilt die Polizei mit. Unter anderem hatte Sascha H. die Nachricht erreicht, dass Jasmin G. ihre Sachen aus der Wohnung abholen wollte.

"Um 14.05 Uhr war das letzte Telefonat, um 14.26 Uhr geschah die Explosion", sagte Friedhelm Schultz. Vermutlich hat der junge Mann die Gasleitung aufgedreht, bevor das Mädchen in die Wohnung kam. Als Auslöser ist von einer Zigarette die Rede.

Was genau in der Zeit dazwischen in der Wohnung passierte, können die Ermittler nicht mit Gewissheit sagen. Sascha H. ist erst seit Anfang dieser Woche ansprechbar. Seiner Mutter hat er im Krankenhaus Einzelheiten anvertraut, als Krankenhauspersonal anwesend war. Gegenüber der Polizei macht der Schwerverletzte keine Angaben, er hat einen Anwalt eingeschaltet. Anfang nächster Woche soll er ins Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg verlegt werden.

"Dem Mädchen geht es sehr, sehr schlecht."

Genauere Angaben zum Tatherhergang erhoffen sich die Ermittler von den Aussagen von Jasmin G., doch die 22-Jährige liegt weiterhin im künstlichen Koma. "Dem Mädchen geht es sehr, sehr schlecht", sagte Friedhelm Schultz. "Am Wochenende hatten wir das Schlimmste befürchtet, jetzt geht es ihr etwas besser." Zahlreiche Operationen musste sie bereits über sich ergehen lassen. Bis zu 30 Prozent ihres Körpers - besonders im Gesicht, an Kopf, Dekolleté und Armen - sind brandverletzt.

Eine Vielzahl von in Auftrag gegebenen Gutachten soll außerdem genauere Erkenntnisse über den Auslöser und den Ablauf der Explosion bringen. Nach den Überprüfungen der Polizei hat es keine Undichtigkeiten in der Gasleitung gegeben.

Was den mutmaßlichen Täter angeht, spricht die Polizei von einem unauffälligen jungen Mann. Er arbeitete als Mechatroniker, lebte sehr zurückgezogen, wurde als umgänglich und nicht gewalttätig geschildert. Bei der Tat habe er nicht unter Alkoholeinfluss gestanden.

Der Haftvorwurf der Staatsanwaltschaft lautet auf Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion mit Todesfolge und versuchten Mord, sagte Staatsanwalt Stefan Lingens. Sollte sich der Vorwurf auf "vorsätzliche" Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion mit Todesfolge ausdehnen, laute er auch auf "vollendeten" Mord, weil der 45-jährige Hausbewohner ums Leben kam.

Quelle: rpo

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