„Viva el Rey!“: Es lebe Philipp der Zweieinhalb-te!
zuletzt aktualisiert: 22.08.2007 - 12:21Das wird so manchem Zuschauer spanisch vorkommen. Zum Stadtschützenfest am 2. September reitet Philipp II. von Spanien über den Alten Markt. Der wohl mächtigste König seiner Zeit, in dessen Reich die „Sonne niemals unterging“, kommt als Bittsteller an den Abteiberg.
Zu Lebzeiten (vor mehr als 400 Jahren) hat er lieber Boten geschickt und sogar Kaiser und Papst bemüht, um in den Besitz eines besonderen Schatzes der Gladbacher Abtei zu gelangen. Philipp, Grande aus der spanischen Linie der Habsburger, wollte haben, was Karl der Große den Gladbachern geschenkt haben soll und was bis heute zur Heiligtumsfahrt gezeigt und verehrt wird: die Laurentius-Reliquie aus dem Münsterschatz.
Zu Ehren des heiligen Laurentius hatte der König unweit von Madrid den Escorial als Gotteshaus, Kloster, Palast und sein Familien-Grabmal errichten lassen. Nun fehlte ihm dazu nur noch das Haupt des Heiligen- und er bot den Gladbachern unendlichen Reichtum, wenn sie ihm nur die Reliquie überließen. Als die Mönche mit Gold und Geld nicht zu locken waren, drohte ihnen der König.
Dabei hätte er nur selbst kommen und freundlich bitten müssen, glauben die Schützen. Auf „Sid eso jood on dot datt“, reagiert der Niederrheiner an sich (und der Gladbacher im Besonderen) immer. Und Geschenke sollte man ihm nicht versprechen, sondern man sollte sie praktischerweise gleich liefern. Nun reitet also (mit über 400jähriger Verspätung) zum Stadtschützenfest Philipp II. vor, macht seinen Bückling und lässt sich für sein persönliches Erscheinen feiern. In die Rolle des freundlichen Königs schlüpft (wie kaum anders zu erwarten) einer, dessen Schönheit keine Verkleidung entstellen kann! Michael Schroeren, der als Bürgermeister lächeln gelernt und als Landtagsabgeordneter in Düsseldorf bitten geübt hat. Schroeren erprobt, wie verlautet, daheim in Untereicken bereits das spanische Hofzeremoniell und hat sein königliches Gewand mit Stehkragen schon in Auftrag gegeben.
Allein kommt Philipp II. nicht. Ein großer König braucht Gefolge! Mit auf die Zeitreise in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts machen sich Gladbacher Promis, die zum Fest den Zusatz Don (je nach Vorlieben Don Juan, Don Carlos oder Don Sonstwie) und Doña tragen dürfen. An der Seite des Königs die edlen Señoras: Ex-OB Monika Bartsch und Gabi Teufel von der GEM. Als deren Leibgarde die Cavalleros Michael Hollmann (Bolten), Professor Gunter Konrad, Architekt Burkhard Schrammen und Karikaturist Nik Ebert. Den Part des gütigen Vermittlers übernimmt (wie im richtigen Leben) Ehren-„Alcalde“ Heinz Feldhege. Als königlicher Gegenspieler Sir Francis Drake, der Philipps Armada zur See vernichtete, sollte Rechtsanwalt Peter Backes geworben werden. Dieser jedoch verunsichert just zu selbigem Zeitpunkt segelnderweise die Gewässer um Mallorca und zeigt dort Flagge für die Gladbacher Schützen! Aber Hola!
Gezeigt wird zum Stadt-Schützen-Fest auch besagte Laurentius-Reliquie, die Propst Dr. Albert Damblon zur Krönungsmesse mit Weihbischof Dr. Heiner Koch aus dem Münsterschatz holen wird. Die Festmesse (2. September, 14 Uhr, Münster), diesmal als Pontifikalamt, ist die ernsthafte Anknüpfung an die Geschichte der Heiligtumsfahrt und ihrer Reliquien.
So gut und so spanisch wird das Stadtschützenfest am 2. September. Zu sehen sind der iberische König (hoch zu Ross) und sein Gefolge bei Festzug (15 Uhr) und Parade (16 Uhr) am alten Markt. Die historische Truppe steht an der Spitze der 2500 Schützen und Musikanten, die rheinische Fröhlichkeit und preußischen Parademarsch auf die Beine bringen.
Zum Preußen-Regiment zählen auch bekannte Gast-Schützen, die im bunten Rock oder in Bürger-Gala (mit Frack) dem zum Vorreiten eingeladenen Oberbürgermeister Norbert Bude den Rücken stärken. Dabei unter anderem Friedhelm Kirchhartz und Dr.Rainer Hellekes (NVV), MdL Norbert Post, Hartmut Wnuck (Sparkasse), Polizeipräsident Dr. Walter Büchsel, Lutz Menge (der Menge), Brauchtumsfreund Hans-Peter Jansen und Lothar Erbers (Volksbank).
Zu soviel Bereitschaft mitzumachen, passt, so Schützenchef Horst Thoren, das Leitwort zum Fest: „Schritt für Schritt – wir ziehen mit.“ Na dann: Adelante!!! (Wie der Spanier sagen würde...)
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