Mönchengladbach: Evangelische Kirche baut Stellen ab
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 30.06.2009Mönchengladbach (RPO). Steuereinnahmen sinken, Gemeinden schrumpfen: Im Kirchenkreis Gladbach-Neuss drohen harte Einschnitte. In den nächsten Jahren sinkt in den 27 Gemeinden die Zahl der Pfarrer, Jugendarbeit und Kirchenmusik sind oft nicht mehr finanzierbar. Zurzeit werden Gegenmodelle entwickelt.
Die Rechenmodelle, die von der Evangelischen Kirche Deutschlands angestellt werden, sind bedrückend: Bis 2030 sinken die Kirchensteuermittel um 30 Prozent, die Zahl der Gemeindeglieder verringert sich im Vergleich zu heute auf die Hälfte. Deshalb bereitet sich der Evangelische Kirchenkreis Gladbach-Neuss auf einschneidende Maßnahmen vor. Die Gläubigen müssen sich darauf einstellen, dass einige der 27 Kirchengemeinden mittelfristig ihren Pfarrer verlieren. Und nicht nur das: Bei den Diakonischen Werken und bei der Erwachsenenbildung drohen Einschnitte. Evangelische Kindergärten werden schließen, Jugendarbeit wird eingeschränkt, Kirchenmusik könnte auf ein Minimum zurückgefahren werden. Mit diesen Themen beschäftigte sich jüngst die Sommersynode des Kirchenkreises. Derzeit werden Konzepte entwickelt, wie auf den Aderlass reagiert werden kann.
Immer weniger Angebote
Die Evangelische Kirchengemeinde Rheydt zählt zu den Starken im Kirchenkreis. Es gibt rund 14 000 Gemeindeglieder, fünf Gemeindepfarrer, zwei Schulpfarrer und einen Krankenhausseelsorger. Kirchenmusik mit eigenem Kantor, Jugend- und Sozialarbeit gehören zum Profil. Drei Kindergärten unterhält die Gemeinde noch. In den finanzstarken 70er Jahren hatten die Rheydter Protestanten aber noch die doppelte Anzahl. "Wir sind trotzdem noch ein richtiges Kleinunternehmen", sagt Martina Wasserloos-Strunk, ehemals Vorsitzende des Presbyteriums und jetzt Mitarbeiterin des Kirchenkreises. Aber es gibt auch andere Kirchengemeinden, die immer mehr Gläubige verlieren und sich bedrohlich der Grenze von 2100 Gemeindegliedern nähern, ab der ein eigener Pfarrer kaum noch selbst zu finanzieren ist. Von anderen kirchlichen Leistungen ganz zu schweigen.
Kein fest angestellter Pfarrer muss aber befürchten, dass er die Kündigung bekommt. Das liegt auch mit daran, dass die Landeskirche verpflichtet ist, die eingestellten Priester bis zum Ruhestand zu versorgen. Gerade deswegen drängt sie die Kirchenkreise zu einem verantwortlichen Handeln: Denn es ist fest davon auszugehen, dass zum Beispiel die 88 Pfarrstellen – davon 54 Gemeindepfarrer – im Kirchenkreis Gladbach-Neuss in dieser Zahl nicht bleiben, wenn die Gemeinden immer kleiner werden.
Noch problematischer wird die Situation der Nicht-Theologen. Jugendarbeiter und Kirchenmusiker könnten die Ersten sein, die dem Sparzwang zum Opfer fallen. Da die Gemeinden bei der Finanzierung enge Grenzen bekommen, könnten sie dort streichen, was sie als überflüssig erachten. Mögliche Folge: Der Pfarrer muss dann neben der Seelsorge auch die Sozialarbeit übernehmen – was ihn schlicht überforderte.
Deshalb werden im Kirchenkreis Gladbach-Neuss neue Modelle für die Zukunft der evangelischen Kirche entwickelt. Dabei stehen übliche Strukturen im Mittelpunkt: Verzicht auf Aufgaben, die zwar viele schätzen, die aber nicht mehr bezahlt werden können. Und Kooperationen von Gemeinden, um bestimmte Angebote weiter vorhalten zu können. Spätestens 2018 schlägt der Trend bis zu den Kirchengemeinden voll durch. Dann kommt eine Pensionierungswelle – bis zu 15 Pfarrer verabschieden sich in den Ruhestand.
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