Mönchengladbach: Ex-Borussen-Präsident Dr. Helmut Beyer ist tot
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 25.01.2011 - 18:08Es war der 5. April 1964, als Borussias große Zukunft besiegelt wurde. Hennes Weisweiler unterzeichnete an diesem Ostersamstag seinen Trainervertrag am Bökelberg.
Ein großer Fußball-Fachmann, ein Mann mit Visionen, einer, der Arbeit einforderte, aber zugleich ein väterlicher Freund – Weisweiler wurde zum „Vater der Fohlen“.
Der Mann, der Weisweiler im Alleingang holte als Nachfolger des militärischen Fritz Langner, der gute Aufbauarbeit geleistet hatte, nun aber zu Schalke 04 wollte, war Dr. Helmut Beyer. Zwei Jahre zuvor war der gebürtige Mönchengladbacher Borussias Präsident geworden.
Der Klub war damals einer aus der Provinz, nur der Pokalsieg von 1960 war ein Ausrufezeichen in die große Fußballwelt. 1963, als die Bundesliga gegründet wurde, war Gladbach nicht dabei. Und nun hatte Beyer, ein diplomierter Volkswirt, eine Entscheidung getroffen, die wegweisend sein sollte, die den Mythos Borussia begründen sollte.
Dass Beyer, ein zurückhaltender und einfacher Mann, einer, der sich im grellen Rampenlicht nicht wohl ühlte und immer auf Seriosität bedacht war, ausgerechnet einen wie Weisweiler holte, einen lebensfrohen Rheinländer durch und durch, zeigt, dass Beyer ein Geschick hatte für die richtigen Personalentscheidungen.
Eine solche war es auch, Helmut Grashoff, den Hanseaten, zum Geschäftsführer zu machen. Beyer, Grashoff und später Dr. Alfred Gerhards bildeten jenes Dreigestirn, unter dessen Regie Borussia Fußballgeschichte schrieb: Fünf Meisterschaften wurden errungen, einmal der DFB-Pokal gewonnen und zweimal der Uefa-Cup.
Weisweiler passte zu Borussia, weil er innovativ und kreativ arbeitete, weil er keine fertigen Stars brauchte, sondern welche formen konnte. Das korrespondierte mit Beyers Philosophie, nie mehr Geld auszugeben als eingenommen wurde: Immer wieder mussten gute Spieler verkauft werden, doch neue wurden von Weisweiler kreiert.
Dass indes die Borussia herausgekommen ist, die in den 1970er Jahren zu einer der besten Mannschaften der Welt wurde, grenzt gleichwohl an ein Wunder. Es passte einfach alles zusammen, und die Dinge so zusammenzuführen, das ist Beyers Verdienst um Borussia.
Je mehr aber das Geld im Fußball wichtig wurde, desto weniger passte Beyers Ansatz, der sich allzu romantisch anfühlte. Sportlich ging es bergab, es wurde immer schwieriger, ohne Geld ein spielstarkes Team zu bauen, es gab immer öfter Trainerwechsel – Borussia war ein Durchschnittsklub geworden. Am 17. April 1992 trat Beyer zurück.
Zuvor hatte es arge Turbulenzen gegeben: Manager Rolf Rüssmann wurde entlassen, was zu großem Unmut führte. Er habe „als Reizfigur den Platz für einen Jüngeren freigemacht“, begründete Beyer seinen Rückzug. Bei der Mitgliederversammlung 1992 endete die 30-jährige Amtszeit Dr. Helmut Beyers mit der Wahl von Karl-Heinz Drygalski als neuen Präsidenten.
Damit endete auch Beyers Engagement beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), in dessen Vorstand er von 1981 bis 1986 tätig war. Gleich dreimal arbeitete er für den DFB-Ligaausschuss; in den Jahren 1968 bis 1974, 1977 bis 1986 und noch einmal von 1989 bis 1992. Im Oktober 1986 bekam er ob seiner Verdienste vom DFB die „goldene Ehrennadel“ verliehen.
Das legendäre „Dreigestirn“ war schon in den beiden Jahren zuvor auseinander gegangen, mit dem Rücktritt von Helmut Grashoff im Januar 1991 endete die Zusammenarbeit, aber nicht die Freundschaft zwischen Dr. Beyer und „seinem“ Manager.
Dr. Helmut beyer verfolgte zuletzt das Wohl und Weh „seiner“ Borussia „akribisch in der Zeitung, im Fernsehen und Radio“. Der sportliche Aufschwung, den es zwischenzeitlich gab, freute ihn, der neuerliche Absturz und die Tatsache, dass Borussia nun wieder am Abgrund steht, wird ihm wehgetan haben.
„In Dr. Helmut Beyer verlieren wir eine der prägendsten Persönlichkeiten der Vereinsgeschichte. Für Borussia Mönchengladbach ist sein Tod ein schlimmer Verlust“, sagte nun der aktuelle Borussen-Boss Rolf Königs. Dr. Helmut Beyer Er verstarb am Montag im Alter von 85 Jahren. Beyer war bis zuletzt Vorsitzender des Ehrenrats. Er blieb Borussia verbunden, auch wenn er in den vergangenen Jahren gesundheitlich bedingt nicht mehr allzu oft ins Stadion kommen konnte.
Am 1. Juli 1995 verlieh Borussia ihm das Amt des Ehrenpräsidenten, und 2009 erlebte Dr. Helmut Beyer seine Borussia ein letztes Mal im BORUSSIA-PARK live von der Tribüne aus. Mit ihm ist auch ein Stück Vereinsgeschichte gestorben. Die Profimannschaft des VfL wird in der Bundesliga die beiden kommenden Begegnungen in Trauerflor spielen, zudem wird es beim Heimspiel gegen den VfB Stuttgart eine Gedenkminute geben.
Bis zu seiner Beerdigung in der kommenden Woche werden die Flaggen rund ums Stadion auf Halbmast gesetzt. Borussias Fans können sich ab Donnerstag, 10 Uhr, im BORUSSIA-PARK in ein Kondolenzbuch eintragen und auf diese Weise Dr. Helmut Beyer eine letzte Ehre erweisen.
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