Mönchengladbach: Ex-Fernsehcop schwer verletzt
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 30.08.2010Mönchengladbach (RPO). Ein mutmaßlicher Einbrecher trat dem ehemaligen Serienheld Michael Frehn brutal ins Gesicht und verletzte ihn schwer. Der Beamte erlitt mehrere Brüche. Er hatte vorher mit Kollegen einen Einbruch in Odenkirchen verhindert.
Er ist einer der beliebtesten und bekanntesten Polizisten in der Stadt: Michael Frehn war vor einigen Jahren sogar Held der Fernsehserie "Ärger im Revier" bei RTL 2. In der Nacht zum Samstag wurde "Frehni", wie ihn Kollegen und sein immer noch großer Fankreis nennen, bei einem Einsatz Opfer eines brutalen Fußtritts ins Gesicht: Der Ex-Fernsehpolizist erlitt erhebliche Verletzungen. Sein Zustand wird als sehr ernst, aber nicht lebensbedrohlich bezeichnet. Der Vorfall ist aber so schwerwiegend, dass Staatsanwaltschaft und Polizei für heute eine gemeinsame Erklärung angekündigt haben. Polizeipräsident Hans-Hermann Tirre will dabei persönlich Stellung nehmen.
Viele junge Räuber
JIT Mit diesem Projekt wollen Jugendamt, Staatsanwaltschaft und Polizei kriminelle Karrieren von jKinder und Jugendlichen früh erkennen und stoppen
Raub Von 92 Delikten auf Straßen und Plätzen lag der Anteil der ermittelten jungen Täter bei 63%
Ins Gesicht getreten
Frehns bevorzugtes Einsatzgebiet ist die Straße, er sucht den Kontakt zu den Menschen. Und deshalb war er auch in der Nacht auf Samstag im Einsatz, als in Odenkirchen an einem Supermarkt an der Wehrstraße ein Einbruch gemeldet wurde. Zeugen hatten nach RP-Informationen das Klirren einer Scheibe gehört und die Polizei gerufen. Sie kam schnell – und rechtzeitig. Einen mutmaßlichen Einbrecher konnte Frehn schnell überwältigen. Der Mann lag bereits auf dem Boden, der Polizist kniete über ihn. In diesem Moment sollen zwei Unbekannte auf Frehn eingestürmt sein. Einer davon trat dem Beamten mit voller Wucht ins Gesicht. Blutüberströmt brach Frehn zusammen, er erlitt mehrere Knochenbrüche. Die Täter flüchteten, wurden aber schnell von einem Polizeihund gestellt. Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach hat gegen sie Ermittlungen wegen versuchten Totschlages eingeleitet.
Dieser schlimme Vorfall ist kein Einzelfall, und Odenkirchen ist seit Jahren ein Kriminalitätsschwerpunkt in Mönchengladbach. Bereits mehrfach nahm die Polizei hier junge Gewalttäter fest, die auf der sogenannten JIT-Liste (Jugendliche Intensiv-Täter) stehen. Der betroffene Supermarkt hat mittlerweile Wachleute engagiert, weil Jugendliche randalierten und der Verlust durch Ladendiebstahl besonders hoch ist. Bereits bei seiner ersten Schicht wurde ein Wachmann angegriffen.
Für Gladbachs Polizei hat der Angriff auf den Beamten noch eine andere Qualität. Denn die Gewalttaten gegen Polizisten nehmen erheblich zu. Bundesweit stiegen sie laut einer Anfang August veröffentlichten Studie von 2005 bis 2009 um rund 60 Prozent an. Diese dramatische Tendenz spiegelt sich auch in Gladbach wider. Der Kriminalitätsbericht für das vergangene Jahr weist 117 Fälle auf, bei denen Täter gewaltsam Widerstand gegen die Polizei leisteten. Die Mönchengladbacher Beamten werden auf diese Gefahren vorbereitet: Es gibt regelmäßig spezielle Einsatztrainings und unter anderem moderne Schutzwesten und Videokameras in Streifenwagen. "Die Fälle von mangelndem Respekt über Beleidigungen und Bedrohungen bis zur Gewalt gegen Einsatzkräfte nehmen zu", stellt Polizeipräsident Hans-Hermann Tirre fest. Um auf diese Entwicklung wirksam reagieren zu können, hat das Landeskriminalamt eine spezielle Untersuchung in Auftrag gegeben.
Dem schwer verletzten Michael Frehn wird dies jetzt nicht helfen. Er fällt wochen-, wenn nicht sogar monatelang aus. Vielleicht werden sich seine ehemaligen Fans an ihn erinnern. Etwa die Dame aus Würzburg, die vor einigen Jahren eigens von Würzburg nach Mönchengladbach fuhr: Sie brachte damals ihren Helden, den Fernseh-Cops Michael Frehn und Holger Jörißen, einen selbst gebackenen Kuchen in die Rheydter Polizeiwache.
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