Mönchengladbach: Experte: NVV berechnet Wasserzähler falsch
VON ELLEN SCHLÜTTER - zuletzt aktualisiert: 15.09.2009Mönchengladbach (RPO). QN 6 oder QN 2,5? Das ist die Frage, die derzeit viele Mönchengladbacher umtreibt. Mehr als 1500 Kunden der NVV befürchten, sie hätten einen überdimensionierten Zähler im Keller und würden so zu hohe Nebenkosten zahlen.
Die NVV hat nach den vielen Anfragen nun eine Tauschaktion begonnen, in der zu große Zähler ausgetauscht werden. In rund 140 Häusern ist dies bislang festgestellt worden. Doch einige Kunden befürchten: Der Antrag, anhand dessen die Werte für einen möglichen Austausch überprüft werden, ist missverständlich oder gar falsch.
Detlef Poullie, Dozent für die Meisterausbildung Sanitär und Heizung bei der Handwerkskammer Düsseldorf, sieht Handlungsbedarf bei der NVV. Die Berechnungsformel, an die sich die NVV bei ihren Überprüfungen hält, sei falsch.
"Die DIN 1988-3 ist mittlerweile die falsche Norm, da erhalte ich von allen Fachleuten Unterstützung". Erst vor kurzem habe es in Leipzig ein Gerichtsurteil gegeben, dass dies bestätige und den Anbieter dort zum Austausch des zu großen Gerätes verpflichtete.
NVV-Sprecher Helmut Marmann weist das jedoch zurück. Von einem solchen Urteil sei nichts bekannt, "Die NVV orientiert sich an einer anerkannten Richtlinie und ist somit mit der DIN 1988-3 auf der sicheren Seite", so Marmann.
Natürlich könne man sich auch an anderen Richtlinien orientieren, aber so Marmann, "aus unserer Sicht spiegelt diese Norm die technischen Voraussetzungen am besten wider". Als Berechnungsgrundlage sei stattdessen das Arbeitsblatt W 406 zu Rate zu ziehen, so Experte Pouliie. Diese Unterlage gebe es bereits seit 1984. "Und danach können Häuser mit bis zu 30 Wohnungen mit einem QN 2,5 ausgestattet werden", so Poullie.
Warum die NVV sich nicht – wie vorgesehen – an diese "Regel" hält, ist ihm ein Rätsel: "Hier gehen die Uhren schließlich nicht anders und das Wasser fließt auch nicht den Berg hinauf." Dass auf die NVV Gebühren-Rückzahlungsforderungen zukommen, hält er für möglich. Zwar seien die höheren Gebühren – ein QN 6 kostet im Jahr rund 35 Euro mehr – verhältnismäßig gering.
Doch ein zu großer Wasserzähler könne auch höhere Kosten durch falsche Messungen zu Folge haben. "Sie müssen sich das wie eine Sprungscheibe auf dem Spielplatz vorstellen. Wenn man die in Bewegung gesetzt hat, lässt die sich nicht ohne weiteres stoppen", so Poullie.
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