Mönchengladbach: Experte: NVV-Zähler zu groß
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 24.08.2009Mönchengladbach (RPO). Die NVV wird überschwemmt mit Fragen zur Größe von Wasseruhren. Der Versorger erklärt, seine Berechnungen exakt nach DIN-Norm angestellt zu haben. Experten versichern: Mit der größeren Wasseruhr ließen sich Feuerwehrautos versorgen.
Wasserzähler kennt jeder. Nur für die Größe hat sich bislang niemand interessiert. Seitdem aber bekannt ist, dass große Wasseruhren zu höheren Nebenkosten führen und dass im Stadtgebiet möglicherweise viele Zähler überdimensioniert sind, wird die NVV überschwemmt mit Anfragen. Hunderte sollen es mittlerweile schon sein, die glauben, in ihrem Haus sei ein zu großer Zähler installiert worden.
Bis zu 12 000 Liter pro Stunde
Nach einer Empfehlung der Deutschen Vereinigung des Gas- und Wasserfaches aus dem Jahr 2003 sollen Zähler mit der Bezeichnung QN 6 nämlich nur in Mehrfamilienhäusern ab 31 Wohneinheiten eingesetzt werden. In Mönchengladbach haben aber auch Besitzer von Einfamilienhäusern genau diese Wasseruhr im Keller. "Der QN 6 lässt 6000 Liter Wasser pro Stunde durch, maximal können es sogar 12 000 Liter sein", sagt Detlef Poullie, Dozent für die Meisterausbildung Sanitär und Heizung bei der Handwerkskammer Düsseldorf. "An einen QN 6 können Sie einen Feuerwehrwagen anschließen. Für ein Einfamilienhaus ist der viel zu groß."
Kundentelefon
Uhrengrößen Sie fangen laut Poullie bei QN 0,6, QN 1, und QN 1,5 an. Für ein normales Einfamilienhaus ist der QN 2,5 seiner Ansicht nach schon zu groß.
Hotline Wegen der vielen Anfragen hat die NVV ein Kundentelefon eingerichtet. Kai-Oliver Dubben und Mitarbeiter stehen unter 02166-5582271 zur Verfügung.
Nach Ansicht von Poullie reicht die kleinere Wasseruhr QN 2,5 sogar für ein Einfamilienhaus mit Swimmingpool. "Wir bilden unsere Meister seit mehr als 20 Jahren so aus, dass sie wassersparende Armaturen installieren. Was nutzen aber all unsere Spartipps, wenn überdimensionierte Wasserzähler eingebaut werden?", so Pouille. Das Versorgungsunternehmen entscheide alleine, welche Wasseruhren eingesetzt werden. Die Installateure liefern nur die angeforderten Daten.
Bei der NVV beruft man sich darauf, die jeweilige Größe der Uhren exakt nach der DIN-Norm 1988/3 berechnet zu haben, die vor allem Spitzendurchläufe berücksichtigt. "Das machen wir nach bestem Wissen und Gewissen", sagt NVV-Sprecher Helmut Marmann. "Wir dachten immer, wenn wir uns nach der nationalen DIN-Norm richten, sind wir auf der sicheren Seite. Aber jetzt wird diese Richtlinie offenbar angezweifelt."
Nicht jeder Frischwasserversorger hält sich an die DIN-Norm 1988/3. Ein Unternehmen im Spessart installiert beispielsweise bei Ein- und Zweifamilienhäusern automatisch einen QN 2,5 – ganz ohne Antrag. Der Wasserversorger Rheinenergie in Köln berechnet die Größe der Wasserzähler nach den zu erwartenden Betriebsdurchflüssen. "Und die sind in der Regel niedriger als die rechnerischen Spitzendurchflüsse", sagt Dipl.-Ing. Georg Hofmann aus Leipzig. Ein wichtiger Parameter werde bei der ganzen Diskussion außerdem häufig vergessen, nämlich der Rückgang des Wasserverbrauchs.
Doch das weiß man bei der NVV. Jeder Trinkwasserkunde, der glaubt, er habe einen zu großen Wasserzähler im Keller kann einen neuen, von einem konzessionierten Installateur ausgefüllten, "Inbetriebsetzungsantrag" stellen. Marmann: "Wir sind bemüht, alle Anträge zeitnah abzuarbeiten."
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