Mönchengladbach: Explosiver Schulausschuss
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 04.11.2009Mönchengladbach (RPO). Schulschließungen drohen schon lange. Jetzt sollen Nägel mit Köpfen gemacht werden. Im nächsten Schulausschuss in zwei Wochen will Dezernent Dr. Gert Fischer konkrete Vorschläge unterbreiten – für alle Schulformen.
Wenn am 18. November der Schulausschuss tagt, wird Hochbrisantes verhandelt. Denn für diese Sitzung – so hat es der zuständige Dezernent Dr. Gert Fischer angekündigt – wird er den Kommunalpolitikern konkrete Vorschläge zur Entwicklung der Schullandschaft unterbreiten. Und so viel ist jetzt schon klar: Zu den Empfehlungen gehören auch Schulschließungen und die Umwandlung mancher Schulstandorte zu Dependancen.
Schon vor einem Jahr hatte der Schuldezernent vorgeschlagen, die Hauptschulen Eicken, Wickrath und Giesenkirchen aufzulösen. Wäre es nach Fischer gegangen, dann hätten diese drei Schulen zum Schuljahr 2009/10 keine neuen Schüler mehr aufgenommen. Während die politische Mehrheit damals abwinkte, könnten die Vorschläge diesmal durchgehen. Denn auch im rot-gelb-grünen Koalitionspapier steht die Reduzierung von Schulstandorten.
Es gilt als wahrscheinlich, dass die drei von Fischer genannten Schulen auch diesmal wieder auf der Liste stehen. Denn sie hatten schon im vergangenen Jahr ihre liebe Not, die nötigen 18 Schüler für eine neue Eingangsklasse zusammenzubekommen.
Rein rechnerisch würden in der Stadt sechs Hauptschulen ausreichen. Aufnahmekapazitäten gibt es für 696 Schüler. Tatsächlich meldeten sich zum vergangenen Schuljahr aber nur 388 an. Und dazu zählen auch die Kinder, die vorher an einer Gesamtschule angemeldet, dann aber aus Kapazitätsgründen abgewiesen wurden. Es gibt Schätzungen, nach denen allenfalls für 90 Schüler die Hauptschule die erste Wahl war.
So kam es, dass gleich sechs Hauptschulen nur noch einzügig sind. Sinnvolles pädagogisches Arbeiten sei in solch kleinen System kaum möglich, sagen Experten. Trotzdem wurde die Hauptschule Eicken, die schon seit Jahren um jede Anmeldung kämpft, 2007 von Schulministerin Barbara Sommer für ihre hervorragenden Ergebnisse bei den Lernstandserhebungen in Englisch ausgezeichnet.
Das Thema ist aber keine Frage der Qualität, sondern der Quantität. Die Stadt leistet sich zu viele Schulen. Das gilt nicht nur für die Hauptschulen, sondern auch für Grundschulen und Gymnasien. Für sie gibt es schlichtweg zu wenig Schüler. Kleine Schulen, kleine Klassen – vor allem für den Grundschulbereich hört sich das zunächst begrüßenswert an.
Aber: Wenig Schüler heißt auch wenig Lehrer. Da kann schon ein langzeitkranker Pädagoge trotz Vertretungspool zu spürbaren Unterrichtsausfällen führen. Außerdem: Viele Schulstandorte mit freien Kapazitäten sind einfach nicht wirtschaftlich. Trotzdem wird im Grundschulbereich noch der Spruch "Kurze Beine, kurze Wege" beherzigt. Hier wird höchstwahrscheinlich auf die Dependance-Lösung gesetzt.
Auch an den Gymnasien gibt es freie Kapazitäten. 1053 Kinder könnten pro Jahr an allen Gymnasien aufgenommen werden. 954 haben sich 2008 nur angemeldet. Damit gibt es – wieder einmal nur rein rechnerisch gesehen – ein Gymnasium zu viel in der Stadt. So etwas löst Konkurrenzkämpfe aus. So sollen einige Schulen schon mit Hochglanzflyern um Schüler werben.
Trotz der vielen freien Kapazitäten in Schulen wird es für die neue Ampelkoalition wohl nicht leicht sein, ihr gestecktes Ziel – kurzfristig mehr Gesamtschulplätze anzubieten – zu erreichen. Denn prinzipiell sind nur zwei der fünf Gesamtschulleiter bereit, ihre Kapazitäten auszuweiten – und das auch nur unter bestimmten Voraussetzungen. Neben der Personalfrage müsste auch die Raumfrage geklärt werden.
Die SPD hatte schon einmal vorgeschlagen, eine Dependance für die Gesamtschule Epsenstraße in der auslaufenden Grundschule am Schmölderpark einzurichten. Das wäre theoretisch möglich. Aber weder Verwaltung noch Politiker haben bei Peter Blomert, dem Leiter der Schule Espenstraße, deswegen angefragt.
Der SPD-Vorschlag, eine Dependance der Gesamtschule Volksgarten in der Alleestraße einzurichten, hat dagegen keine Aussichten auf Erfolg. Ganz abgesehen davon, dass in der Schule eine Ausweitung kritisch gesehen wird, ist das ins Auge gefasste Gebäude auch nicht geeignet.
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