Mönchengladbach: Fahrdienst zum Friedhof
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 28.01.2010Mönchengladbach (RPO). Körperlich behinderte ältere Menschen, die noch in der eigenen Wohnung leben, werden kostenlos zum Friedhof gefahren. Diesen Service bietet die Sozial-Holding an. Die Arge vermittelte dafür fünf Langzeitarbeitslose.
Köln kann sich vor Nachfragen kaum retten, seit Bestatter und Friedhofsgärtner diesen Service hier bundesweit erstmalig eingeführt haben: Sie fahren ältere Menschen zum Friedhof. Drei Monate Wartezeit müssen Senioren dafür in der Domstadt einkalkulieren. Doch was Köln kann, kann Mönchengladbach schon lange. Und deshalb gibt es diesen Dienst jetzt auch in der Stadt. Er ist angesiedelt bei der Ambulanten Dienste GmbH, einem Tochterunternehmen der städtischen Sozial-Holding. Fünf Langzeitarbeitslose, vermittelt von der Arge, übernehmen den Service als Ein-Euro-Jobber. Zwei Fahrzeuge stehen zur Verfügung, davon ein Behindertenfahrzeug. Dieser spezielle Fahrdienst nimmt heute seinen Betrieb auf.
Vorausgegangen war eine mehrwöchige Vorbereitung. Über die Arge mussten Mitarbeiter gefunden werden, die über die notwendigen Qualifikationen verfügen: Der Führerschein war Bedingung. Sie mussten außerdem bereit sein, sich schulen zu lassen, wie sie mit älteren Menschen umzugehen haben. Freundlich, hilfsbereit, zuverlässig, fleißig – dies verlangt die Sozialholding von den neuen Kräften. "Es war gar nicht so leicht, Langzeitarbeitslose zu finden, die diese Qualifikationen alle haben", sagt Holding-Geschäftsführer Helmut Wallrafen-Dreisow. Eine einwöchige Schulung mit Fahr-Sicherheitstraining und Erste Hilfe führte die Holding selbst durch. Von den sechs vorgesehenen Stellen sind derzeit fünf besetzt. Den Fahr- und Begleitdienst zu den Friedhöfen kann nicht jeder Senior in Anspruch nehmen. Die älteren Menschen müssen körperlich eingeschränkt sein, zum Beispiel Gehhilfen oder gar einen Rollstuhl nutzen. Und sie müssen bereit sein, sich vorher bei Ulla Diwok vorzustellen. "Wir wollen wissen, wie behindert die potenziellen Nutzer des Dienstes sind, damit wir für sie das passende Fahrzeug und die notwendige Begleitung vorhalten können", sagt die Pflegedienstleiterin der Ambulanten Dienste GmbH. Dass ihr Unternehmen beteiligt ist, setzt Weiteres voraus: Die älteren Menschen müssen in der eigenen Wohnung leben. "Für Heimbewohner sind wir nicht zuständig. Darum müssen sich die jeweiligen Heimträger kümmern", sagt Wallrafen-Dreisow.
Er sieht nicht die Gefahr, dass mit dem subventionierten Angebot professionellen Fahrdiensten und Taxi-Unternehmen die Kundschaft abspenstig gemacht wird. Wallrafen-Dreisow: "Wir wollen den Senioren helfen, die so stark eingeschränkt sind, dass sie das Grab ihrer Lieben nicht mehr besuchen können. Gerade das ist aber für ältere Menschen ungemein wichtig. Für sie hat Sterben und Tod eine ganz andere Bedeutung als für jüngere Menschen." Es sei auch nicht daran gedacht, den Service zur Dauer-Einrichtung mit fest angestellten Kräften zu machen. Das Projekt ist zunächst auf ein Jahr befristet.
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