Mönchengladbach: Fahren bald weniger Busse ?
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 16.12.2008Mönchengladbach (RPO). Der Stromversorger NVV macht deutlich weniger Gewinn. Das kostet die Stadt Millionen. Sie muss entscheiden, wie viel öffentlichen Nahverkehr sie sich leisten will. Eine Studie läuft bereits. 200 Jobs sollen abgebaut werden.
Die ohnehin hoch verschuldete Stadt muss einen weiteren Tiefschlag verkraften. Die NVV, die zu 50 Prozent der Stadt gehört und in den vergangenen Jahren stets mehrere Millionen Euro an die Stadt überwies, wird zum Verlustbringer. Und das schon in diesem Jahr. Ein Minus von bis zu acht Millionen Euro wird Kämmerer Bernd Kuckels zu verkraften haben und diesen Verlust auf mehrere Haushaltsjahre verteilen. Ab 2013 wird die städtische Sparte der NVV laut Wirtschaftsplan ohnehin Defizit machen.
Schuld für die plötzliche Misere sind die niedrigeren Entgelte für die Durchleitung von Strom und Gas durch die NVV-Netze. Sie werden von der Bundesnetzagentur festgelegt. Diese will Strom und Gas für die Bürger so günstig wie möglich halten. Doch in die NVV-Bilanz wird dadurch ein Loch gerissen. Fast 40 Millionen Euro weniger als erwartet nimmt die NVV in diesem Jahr ein.
Gewinne werden verrechnet
Das Problem trifft derzeit alle Energieversorger. Zwar steht die NVV vergleichsweise gut da. Sie hat angesichts der Konkurrenz durch andere Strom- und Gasanbieter deutlich weniger Kunden verloren als andere und macht weiter Millionen-Gewinne. Die kommen auch noch beim Miteigentümer RWE an – aber nicht mehr bei der Stadt. Denn die Gewinne aus den Energiesparten werden für die Stadt mit dem Betrieb der Bäder und dem öffentlichen Nahverkehr verrechnet. Beides zusammen kostet die Stadt rund 17 Millionen Euro pro Jahr, den Löwenanteil davon verschlingt der öffentliche Nahverkehr.
Und der steht schon jetzt auf dem Prüfstand. In einer groß angelegten Untersuchung nimmt die NVV das Busnetz unter die Lupe. „Wir schauen uns alles genau an: die Linien, die Zahl der Haltestellen, die Taktung“, sagte der Vorstandsvorsitzende der NVV, Friedhelm Kirchhartz, der RP. Eine Million Euro mehr als geplant gibt die NVV wegen der gestiegenen Kosten in diesem Jahr allein für Treibstoff aus. Auch die leicht gestiegenen Ticket-Preise können dies nicht auffangen.
In der zweiten Jahreshälfte 2009 sollen die Ergebnisse der Untersuchung vorliegen. Auf den neu gewählten Rat wartet dann eine schwere Entscheidung: Muss aus Kostengründen auf ein Teil des Bus-Angebotes verzichtet werden? Oder kann an den Bädern noch mehr Geld gespart werden?
Die NVV reagiert auf die veränderte Situation mit zwei Strategien: Zum einen mit starkem Kostenmanagement. „Wir wollen im gesamten Konzern in den kommenden fünf Jahren 200 Stellen einsparen“, sagt Kirchhartz. Erreicht werden soll dies vor allem durch Vorruhestandsregelungen. Dies sei bereits mit den Arbeitnehmervertretungen abgesprochen. Zum anderen mit dem Versuch, in der Region zu wachsen.
Friedhelm Kirchhartz wertet die aktuelle Situation der NVV so: „Wir werden uns behaupten. Aber wir werden auch Federn lassen.“
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