Mönchengladbach: Fahrt im Güterzuglok aus der ehemaligen DDR
VON ELFI VOMBERG - zuletzt aktualisiert: 01.10.2007Mönchengladbach (RPO). Zu Hause hat Jonas seine Molly stehen. „Aber die ist schon noch ein Stück kleiner als diese hier“, sagt der Achtjährige und deutet auf die riesige Lok, die gerade auf den Schienen anrollt, und geräuschvoll Dampf ablässt. Schnell hält sich Jonas die Ohren zu und ruft: „Können wir da mal mitfahren, Opa?“ Beim Husten der Güterzuglok aus der ehemaligen DDR ist kaum zu überhören, dass das Schätzchen des Vereins „Dampfbahn Rur Wurm Inde“ schon einige Jahre auf dem Buckel hat.
Rauchende Einweihungsparty
Seit fast einem Jahr hat der Verein sein neues Zuhause im ehemaligen Betriebswerk der Deutschen Bahn an der Kranzstraße bezogen. Am Wochenende gab es nun die verspätete Einweihungsparty mit zahlreichen Rundfahrten und Führerstandsmitfahrten. „Ich finde es toll, dass es noch Leute gibt, die diese alten Fahrzeuge in Schuss halten“, erklärt Opa Karl-Heinz Lüttgens und macht sich auf den Weg zum Speisewagen, um für seine Enkel Jonas (8) und Philipp (10) Fahrkarten zu besorgen. Hinter Brühwürstchen und Fahrkartenschalter steht der zweite Vorsitzende Lutz Ladentin, der sich heute ausnahmsweise als Schaffner betätigt. „Eigentlich haben wir samstags immer Werkstatttag, wo wir dann gemeinsam rumschrauben. Aber wir suchen neue Mitglieder, da bietet sich so ein Tag der offenen Tür immer gut an“, erklärt Ladentin.
Seit sechs Jahren engagiert er sich nun schon im Verein „Dampfbahn Rur Wurm Inde“. Seine Modelleisenbahn verstaubt seitdem auf dem Speicher: „Ich bin inzwischen von kleinen Modellen auf die großen Dampfer umgestiegen und hier kaum noch wegzukriegen“, erklärt der zweite Vorsitzende des Vereins lachend. Das kann Jonas nur allzu gut verstehen. Er klettert inzwischen stolz die Treppchen der Reichsbahn herunter und muss sich beim lautstarken Husten der Bahn nicht mehr die Hände auf die Ohren pressen. Seine Modell-Molly, die zu Hause auf ihn wartet, hat er längst vergessen. Staunend steht er mit glänzenden Augen vor der blank polierten alten Lok. Auch Heinz-Josef Herzogenraths Sammlerherz schlägt beim Anblick der Schilder und Lampen schneller. „Ich suche etwas ganz Bestimmtes, und auf dem Schild muss Mönchengladbach stehen“, sagt er. Seit 23 Jahren sammelt der Korschenbroicher nun schon Eisenbahnzubehör. „Das ist alles für mein persönliches Heimatmuseum in Portugal, wenn ich mich dort in zwei Jahren niederlasse.“
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






