Mönchengladbach: Farbbeutel machte Geld wertlos
VON INGRID KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 13.03.2008Mönchengladbach (RPO). Aufmerksam verfolgten gestern zwei Mönchengladbacher und ein Viersener auf der Anklagebank die Aussage des 57-jährigen Bankkaufmannes. Der Kassierer einer Viersener Sparkasse erinnerte sich noch sehr genau an den Banküberfall vom 12. Dezember 2006, bei dem er von einem der Angeklagten mit einer Gaspistole bedroht worden war. Für das Verbrechen, bei dem damals 11 000 Euro erbeutet wurden, macht der Staatsanwalt die drei Männer verantwortlich. Geständig zeigte sich gestern im Prozess vor der Ersten Jugendkammer allein der 22-jährige Gladbacher. „Ich bin in die Bank reingegangen. Aber die Waffe und das Fahrzeug hat der Viersener besorgt“, so der Angeklagte sinngemäß. Den Kontakt zu dem 33-Jährigen habe der Freund (21) mit dem irakischen Pass hergestellt. Außerdem sei er am Tattag von den Komplizen mit Amphetamin versorgt worden.
An einen Scherz geglaubt
Dagegen gaben die Mitangeklagten lediglich zu, in der Nähe der Sparkasse im Auto gesessen zu haben. Im übrigen seien sie ahnungslos gewesen. Sie hätten an einen Scherz geglaubt, als der Mönchengladbacher davon sprach, sich Geld für die dringend benötigten Drogen durch einen Bankraub zu besorgen. Was für die zwei Angeklagten angeblich nur „Spinnerei“ war, erwies sich für die Opfer in der Sparkassen-Filiale als grausame Bedrohung. „Der Täter stürmte herein und schob eine alte Dame vor meiner Kasse brutal zur Seite“, erinnerte sich der Angestellte. Der Räuber, der sich noch schnell mit einem Schal vermummte, habe ihm eine Stofftasche hingeworfen und gefordert: „Gib mir das Geld.“ Zuvor habe der Mann die Waffe durchgeladen. In wilder Flucht habe der Täter mit dem Stoffbeutel unterm Arm den Kassenraum verlassen.
Doch zur Aufteilung der erbeuteten 11 000 Euro kam es nicht. Das Sicherheitspäckchen in den Geldscheinen explodierte, als der 22-Jährige die Sparkasse verlassen hatte. „Die Scheine und ich waren rot eingefärbt, teilweise brannte das Geld sogar“, so der Angeklagte, der die Beute damals entsetzt wegwarf. Die Komplizen im Fahrzeug hätten geflucht, als er erklärte: „Das Geld ist weg.“ Zwei Tage später wurde der 22-Jährige festgenommen. Offenbar war er auf Videoaufnahmen erkannt worden.
Im Bankraubprozess geht es außerdem um eine weitere Anklage gegen den 21 Jahre alten Gladbacher. Im Oktober vergangenen Jahres soll er sich mit anderen Mittätern an einem Einbruch in eine Firma beteiligt haben. Als die Komplizen den Bürokomplex in Brand steckten, soll der 21-Jährige den Tatort gesichert haben.
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