Mönchengladbach: Fast allein im Volksbad
VON SEBASTIAN DALKOWSKI - zuletzt aktualisiert: 21.07.2010Mönchengladbach (RPO). Schwimmen im Mondschein – für 100 RP-Leser öffnete die NVV ausnahmsweise von 21 bis 23 Uhr das Volksbad. Diese stürzten sich sogleich ins Wasser. Und wer bis zum Ende blieb, hörte zum ersten Mal ein besonderes Geräusch auf der Anlage.
Die Stille ist ein kostbares Geräusch. Vor allem an den Orten, an denen Menschen selten die Möglichkeit haben, sie zu hören. Es ist kurz vor 23 Uhr am vergangenen Montag im Volksbad. Nur der Mond und ein paar Lampen spenden Licht. Es ist menschenleer.
Fast menschenleer. Und es ist still. Fast still. Denn im Badebecken sitzen Renate Kohlen und Andrea Hackmann auf den Stufen, genießen die Einsamkeit und durchbrechen mit ihrem Lachen ab und zu die Ruhe. Sie sind die letzten Gäste, die wenige Minuten später das Wasser verlassen werden.
Denn an diesem Tag hat die NVV ihr Volksbad nach der Schließung noch mal von 21 bis 23 Uhr für die Teilnehmer der RP-Aktion "Gladbach mal anders" geöffnet. Rund 100 Badegäste lassen sich diese Gelegenheit nicht entgehen.
Ein Freibad ganz für sich alleine – wer hat davon nicht schon einmal geträumt? Das geht eigentlich nur, wenn man nachts über den Zaun klettert. Doch das ist verboten. Wer von den Nachtarbeitern im Volksbad dabei erwischt wird, bekommt ein Jahr Hausverbot. Dann doch lieber an diesem Abend und sich das Wasser mit 100 anderen Schwimmern teilen.
Niemand beschäftigt sich an diesem Montag allzu lange damit, auf dem Badehandtuch zu liegen. Sofort geht es ins Wasser, ins Badebecken oder zum Schwimmen ins 50-Meter-Becken. Endlich einmal kein lautes Kindergeschrei, kein Prozedere mit der Sonnencreme, keine heißen Betonplatten, kein Geruch von Pommesfett. Einfach nur ins 26 Grad warme Wasser springen und Spaß haben.
Schwimmmeister Stefan Skibitzki steht am 50-Meter-Becken und beobachtet entspannt die Badegäste. Normalerweise sind sieben Schwimmmeister im Einsatz, heute nur zwei. Und normalerweise sind nicht hundert Gäste gleichzeitig im Bad, sondern bis zu 5000.
Der 26-Jährige muss an diesem Abend nicht ins Wasser springen, um jemanden rauszuziehen. Zu den Schwimmern gehört auch Elke Schuen. Sie zieht zum ersten Mal ihre Bahnen im Volksbad.
Denn die Öffnungszeiten des Geschäfts der selbständigen Floristin stimmen exakt mit den Öffnungszeiten des Bads überein – von 10 bis 19 Uhr. Deshalb muss sie sonst immer anderswo schwimmen, heute aber nutzt sie die Gelegenheit. Nur einmal war sie schon im Volksbad, allerdings, um eine Hochzeitsfeier in den Gesellschaftsräumen zu dekorieren.
Gegen 22 Uhr haben die ersten bereits genug vom Schwimmen und lassen sich auf der Liegewiese nieder. 30 000 Quadratmeter stehen zur Verfügung. Genug Platz also für alle, die schon mal ein Handtuch in in der Größe eines Fallschirms ausbreiten wollten. Tim Wirtz und Marvin Gützkow sehen sich das Treiben von der Wiese aus an.
"Normalerweise kann man sich hier nicht bewegen", sagt der 21-jährige Wirtz. Und Gützkow ergänzt: "Heute muss man keine Angst haben, von einem Ball abgeschossen zu werden." Der 20-jährige Thomas Mainka ist mit seiner Schwester Julia, 16, gekommen. "Endlich mal keine Angst vor Wespen", sagt er. "Nachts baden ist ein Nervenkitzel." Seine Schwester Julia fragt sich, warum das Volksbad nicht häufiger länger geöffnet hat.
Rolf Heithausen, der Chef der Bäder bei der NVV, weiß darauf Antwort. "Das wird viel zu teuer." Denn wenn das Bad länger geöffnet hat, hat es keine zusätzlichen Einnahmen, aber zusätzliche Personalkosten. Zumal die Arbeitszeit pro Tag nicht zehn Stunden überschreiten darf – die NVV müsste deshalb auf einen Zwei-Schichten-Betrieb umstellen. Wer gestern im Volksbad war, durfte sich also sicher sein, an einem einmaligen Ereignis teilgenommen zu haben.
Fernsehen Den TV-Bericht zum Schwimmereignis sehen Sie heute Abend ab 18 Uhr im Lokalfernsehsender CityVision. oder ab 19.30 Uhr unter www.city-vision.de.
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