Mönchengladbach: FDP-Chef will 6. Gesamtschule
VON GABI PETERS UND RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 28.05.2009Mönchengladbach (RPO). In die Debatte um eine weitere Gesamtschule ist plötzlich Bewegung gekommen. Mit Dr. Anno Jansen-Winkeln gibt es einen neuen Fürsprecher für die Ausweitung. Seine Partei folgte ihm am Mittwoch nicht. Die SPD frohlockt dennoch.
In der Gesamtschul-Frage waren die Liberalen bislang steinhart und geschlossen: Eine sechste Gesamtschule für die Stadt? Mit uns nicht! Jetzt bröckelt der Gegner-Block, denn ausgerechnet Fraktionsvorsitzender Dr. Anno Jansen-Winkeln hätte gerne die Forderung nach einer weiteren Gesamtschule im FDP-Wahlprogramm gesehen. Beim Parteitag kämpfte er gestern Abend – zur Verblüffung seiner Parteifreunde – leidenschaftlich für die Einführung einer weiteren Gesamtschule. Vergebens.
"Wie erklären wir das 400 Eltern?"
"Die FDP steht für Wettbewerb und freie Schulwahl", sagte Jansen-Winkeln gestern im Bahnhof Geneicken. Das gelte auch ausdrücklich auch für Gesamtschulen. "Wie soll ich denn den 400 Eltern erklären, dass ihr Kind nicht abgenommen wird?", fragte Jansen-Winkeln. Die Politik müsse auf die demographische Entwicklung und den Elternwillen reagieren. Die Gefahr, dass bei einer sechsten Gesamtschule keine Oberstufe mehr gegründet werden könne, weil es zu wenig Schüler mit gymnasialer Eignung gebe, sieht der Fraktionsvorsitzende nicht: "Wer sagt überhaupt, dass jede Gesamtschule eine eigene Oberstufe haben muss?" Zwei Schulen könnten doch kooperieren." Zwar findet Jansen-Winkeln es sinnvoll, dass für eine neue Gesamtschule ein bestehendes Gebäude genutzt wird. Aber er distanzierte sich klar von der Mönchengladbacher Initiative für Gesamtschulen, die den Standort Rheindahlen ins Gespräch brachte, weil das Schulzentrum dort mit Gymnasium und Hauptschule ausreichend Platz biete. Jansen-Winkeln dazu: "Es ist fatal, die Schließung eines Gymnasiums mit der Gründung einer Gesamtschule in Verbindung zu bringen." Für eine Gesamtschule ohne Oberstufe gebe es eine größere Standort-Auswahl.
Anmeldezahlen
1100 Kinder (Vorjahr 1169) sind für das kommende Schuljahr an den fünf Gesamtschulen angemeldet worden. 113 Anmeldungen aus dem Umland (Vorjahr 137).
Die Ergebnisse im Einzelnen Gesamtschule Hardt, 280 Anmeldungen (Vorjahr: 279), Neuwerk, 126 Anmeldungen (Vorjahr: 186), Volksgarten, 226 Anmeldungen (Vorjahr: 248), Espenstraße, 205 Anmeldungen (Vorjahr: 194), Rheydt-Mülfort, 263 Anmeldungen (Vorjahr: 262)
Der Antrag Jansen-Winkelns wurde dennoch mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Nicole Finger, Patei-Vorsitzende und schulpolitische Sprecherin der FDP, sprach sich mit großer Vehemenz gegen eine sechste Gesamtschule aus: "Die fünfte Gesamtschule in Neuwerk hat nur zehn Anmeldungen zu viel", so Finger. Das zeige, dass in den Außenbezirken kaum noch Nachfrage nach Gesamtschulplätzen bestehe. Die FDP stehe für Qualität in der Bildungspolitik. "Dieses Wahlgeschenk wäre unseriös. Das mache ich nicht mit", so Finger.
Bei den Sozialdemokraten freut man sich dennoch über den Vorstoß von Jansen-Winkeln. "Wir sehen jetzt, dass es bei den Liberalen doch noch schulpolitische Bewegungen gibt", sagte Ulrich Elsen, der schulpolitische Sprecher der SPD. Und: "Weitere Gesamtschulplätze sind schlicht eine Notwendigkeit."
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